Der Dachgarten wird zum Kraftwerk

7. November 2013, 08:37
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Ein Forschungsprojekt erkundet, wie auf Dachgärten Begrünung, Freizeitnutzung, aber auch Stromproduktion vereint werden können

Wien - Oben auf dem Dachboden wird die Wäsche gewaschen, gleich daneben spielen die Kinder auf der Wiese - und den Strom für die Waschmaschine liefert das Kraftwerk über dem Gemüsegartl. Und das alles oben auf dem Dach.

Ein Beispiel dafür, wie das funktionieren kann, gibt es etwa beim Wiener Wohnbauprojekt "Frauenwerkstatt" - aber eben noch ohne Kraftwerk. Ob ein derartiges Gesamtpaket grundsätzlich möglich und mit den Vorschriften der Stadt Wien vereinbar ist, erkundet derzeit ein von der tatwort - nachhaltige projekte GmbH koordiniertes zweijähriges interdisziplinäres Forschungsprojekt mit acht Partnern.

Verbessertes Mikroklima

Die Nutzung von Dächern wäre an sich nicht die rasende Innovation: Entscheidend ist aber der Punkt, wie die Fläche nicht nur für einen Dachgarten oder einen Whirlpool - sondern mehrfach genutzt werden kann und gleichzeitig das Mikroklima durch Begrünung verbessert wird, Wasser versickern kann und sogar Strom produziert wird. Dies könnte mithilfe licht- und wasserdurchlässiger gelöcherter Photovoltaikmodule möglich sein - die auf Pergolen montiert werden.

"Derzeit erheben wir in Expertengesprächen mit Architekten, Planern und Stakeholdern der Stadt Wien Nutzerbedürfnisse, gestalterische und planerische Aspekte - die dann als Grundlage in die architektonischen Gestaltungskonzepte der Dachgärten einfließen sollen", erläutert Barbara Mayr von tatwort.

Pergola unter Strom

Der entscheidende Punkt ist aber: Wie kann eine Pergola mit einer semitransparenten Photovoltaiküberdachung gestaltet werden, sodass darunter etwa eine intensive Dachbegrünung trotzdem noch gedeiht? Eben durch halbtransparente Module. "In Versuchsstätten des Instituts für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau der Universität für Bodenkultur wird seit dem Frühjahr die Auswirkung unterschiedlicher Stufen von Lichtdurchlässigkeiten auf Nutzpflanzen und Bodengewächse beobachtet und analysiert", erläutert Mayr.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die geeignete Zusammenstellung der Pflanzengesellschaften, "denn auch hier sollen neue und innovative Pflanzengruppen gegenüber herkömmlich verwendeten bevorzugt werden" - "um auch einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten". Ein weiteres Partnerunternehmen untersucht sogar die Auswirkungen unterschiedlicher Lichtverhältnisse auf den Menschen, um so die möglichst beste Lochung der Solarpaneele zu entwickeln.

Konzepte und Komponenten

Am Ende des Projektes sollen dann die unterschiedlichen Konzepte und Komponenten für Gemeinschaftsdachgärten vorliegen, die den Vorschriften der Stadt Wien entsprechen und von den Bauträgern und Architekten angewendet und umgesetzt werden können.

Unterstützt wird das Projekt von der Forschungsförderungsgesellschaft, dem Technologie- und dem Wirtschaftsministerium sowie von der Initiative COIN Cooperation & Innovation. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 7.11.2013)

 

  • Die Boku-Versuchsstation in Essling: Hier wird erhoben, wie durchlässig PV-Module für die Pflanzen darunter sein müssen.
    foto: iblb, boku wien

    Die Boku-Versuchsstation in Essling: Hier wird erhoben, wie durchlässig PV-Module für die Pflanzen darunter sein müssen.

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