Street-Art: Auf den zweiten Blick

Ansichtssache2. Dezember 2013, 11:04
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Die beiden Künstler Johanna und Björn verwenden Spraydosen, Pinsel oder Klebefolien, um ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen. Und zwar auf Geländern, Treppen, Zäunen und überall dort, wo Streifen zu finden sind. Aus Mannheim stammend, haben sie in Deutschland und Frankreich damit begonnen, vertikale und horizontale Linien im urbanen Raum für ihre Kunst zu verwenden. Mittlerweile findet man ihre Arbeiten in Berlin, Heidelberg, Stuttgard, Friedrichshafen und Paris. Das Künstler-Duo nennt sich "Zebrating". Der Name ist Programm. Kunst in Streifen.

 

Es ist Kunst auf den zweiten Blick, die die beiden produzieren. Leicht kann man als Passant im Vorübergehen übersehen, was sich erst bei genauerer Betrachtung entfaltet. Es ist eine Frage der Perspektive, ob sich die Arbeiten offenbaren oder nicht. Denn nur aus einem ganz bestimmten Blickwinkel lassen sich die Abbildungen erkennen. Der Überraschungseffekt ist sicher, wenn im Vorbeigehen plötzlich die Ahnung eines Bildes im Augenwinkel die Aufmerksamkeit erregt. Ein Bild, das sich erst entfaltet, wenn man einen Schritt zurück macht, sich streckt, bückt oder den Kopf neigt. Und das wieder verschwindet, wenn man seinen Weg fort setzt.

Eine eigene Homepage besitzen Johanna und Björn nicht. Sie begnügen sich mit einem Facebook-Account, auf dem sie ihre Fans dazu aufrufen, Sichtungen ihrer Kunstwerke zu melden. Die Medien sind eine weitere Plattform, über die ihre Kunst bekannt gemacht wird, denn die ungewöhnliche Art, ihre Bilder in das Stadtbild einzuarbeiten, hat international das Interesse geweckt.

Die Vorlagen für ihre Arbeiten finden die beiden in alten Büchern, Zeitschriften oder auf Fotografien. "Außerdem suchen wir auf Flohmärkten nach verwertbaren Vorlagen für das eigentliche Kunstwerk", erklären die beiden Autodidakten den Ursprung ihrer vielfältigen Motive.

Farbe in der Grauzone

Die Meinungen über die Ästhetik von Streetart gehen auseinander. Für die einen ist es Kunst im öffentlichen Raum, für die anderen reiner Vandalismus. Auf ihrer Facebook-Seite dokumentieren die beiden eine Szene auf einer Brücke, bei der sie von der Polizei verjagt wurden, bevor sie ihre Arbeit fertig stellen konnten. "Alles was rückstandlslos entfernt werden kann, also Papier und ähnliches, ist keine Straftat. Hat man aber eine Sprühdose in der Hand und bemalt das Geländer ist das sehr, sehr verboten", erklären sie die Situation. "Zebrating macht beides. Es gibt Bilder, die ausschließlich geklebt sind und eben dann auch solche, die direkt gemalt oder gesprüht werden."

Pläne für Ausstellungen stecken noch in den Kinderschuhen. "Es ist keine leichte Sache für uns, in einer Galerie auszustellen", so die beiden Künstler. Die ersten Schritte in diese Richtung sind aber schon gemacht. Auch über den Verkauf ihrer Werke haben die beiden noch nicht wirklich ernsthaft nachgedacht. Ausschließen wollen sie es nicht, im Moment sind ihnen aber andere Dinge wichtiger.

Die Bilder sollen ein Aufruf sein: "Schau hin! Beobachte deine Umgebung! Sei offen für Neues! Verändere deinen Blickpunkt!"

Bislang sind die beiden in Österreich noch nicht in Erscheinung getreten. Sie schließen aber nicht aus, im kommenden Jahr einen Zaun oder ein Geländer in einer österreichischen Stadt für eine ihrer Aktionen auszuwählen. (todt, derStandard.at, 02.12.2013)

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foto: zebrating
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