Verzweifelter Kämpfer fürs Flüchtlingsrecht

5. November 2013, 19:19
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Vom pakistanischen Geschäftsmann zum politischen Kämpfer

Seit bald einem Jahr übt Adalat Khan, Asylwerber aus Pakistan, nun bereits Widerstand. Er war beim Flüchtlingsprotestmarsch von Traiskirchen nach Wien am 24. November 2012 dabei, fror im Protestcamp vor und auf Matratzen in der Votivkirche.

Er hungerstreikte bis zur Erschöpfung und war doch unter den Ersten, die für eine Übersiedlung ins Servitenkloster plädierten. Er zog mit in die Akademie - aber trat dort bald, pragmatisch wie immer, für den Wiederauszug ein. Nachsatz: "Aber wir protestieren weiter. Wir brauchen eine Lösung."

Was bringt einen 48-jährigen ehemaligen Ziegeleibesitzer mit Frau und zwei Kindern im Heimatland dazu, so hartnäckig und ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit auf ein Einlenken der Behörden zu dringen? Was ist sein Ziel? Wer sich mit dem ruhigen und bedächtigen hageren Mann unterhält, der nicht nur aufgrund seines im Vergleich höheren Alters unter den protestierenden Flüchtlingen Autorität besitzt, wird nicht umhinkönnen, seine Verzweiflung zu erkennen.

Seit zehn Jahren unterwegs

Zehn Jahre ist Khan, Sprecher der sogenannten Refugees, jetzt schon unterwegs. Zehn Jahre lang hat er mit Frau und Kindern nur per Facebook und Skype kommuniziert. Als Paschtune aus dem Swat-Tal stammend - nur wenige Kilometer von dort, wo die angeschossene Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafai herkommt -, musste er vor den Taliban flüchten. Das Mitglied einer säkular orientierten Partei war dort seines Lebens nicht mehr sicher.

Die Reise nach Europa musste Khan großteils zu Fuß zurücklegen. Nach zwei Jahren hatte er es in die EU geschafft, nach Griechenland - wo er feststellen musste, dass die Zustände für Menschen wie ihn "nicht besser als in Pakistan" waren.

Also sparte er, was er vom Lohn für Schwarzarbeit entbehren konnte, um nach sieben Jahren einen Schlepper zu beauftragen. Um 3000 Euro brachte ihn dieser weiter gen Westen. Und hier, in Österreich? "Im Asylverfahren wurde ich in erster Instanz abgewiesen, jetzt läuft die Berufung", schildert er.

Diese Unmöglichkeit, Schutz zu finden, hat den überlegten pakistanischen Geschäftsmann in Europa zu einem politischen Kämpfer gemacht. Doch die "Lösung", von der Khan und seine Mitstreiter sprechen, wird in Österreich nur in Einzelfällen gegeben: Nur ein Prozent der pakistanischen Asylwerber erhält Asyl, daran hat sich im Jahr des Flüchtlingsprotests nichts geändert. (Irene Brickner, DER STANDARD, 6.11.2013)

  • Seit zehn Jahren auf der Flucht: Adalat Khan.
    foto: matthias cremer

    Seit zehn Jahren auf der Flucht: Adalat Khan.

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