Fenstervibrationen und emsige Baustellendrohnen

5. November 2013, 19:26
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Am Donnerstag werden die Siegerprojekte des Dyson Awards bekanntgegeben - Heuer befinden sich unter den 20 Erfinderpreisfinalisten, die aus 650 Einreichungen ausgewählt wurden, zwei Projekte aus Österreich

Man heftet das kleine Gerät einfach per Saugnapf an die Fensterscheibe, und schon dringt ein großer Teil des enervierenden Straßenlärms nicht mehr nach innen. Das Konzept heißt Sono und soll für Menschen helfen, die sehr sensibel auf Lärm reagieren. Die Schallwellen werden überlagert und etwa zwölf Dezibel der Lautstärke "weggecancelt", erklärt Rudolf Stefanich seine Vision.

Bis Sono ein marktreifes Produkt ist, sei aber noch viel Entwicklungsarbeit nötig, sagt der 33-Jährige, der in Wien geboren und im Burgenland aufgewachsen ist und jetzt in Schanghai arbeitet. Zurzeit ist er mit seiner Erfindung, die gleichzeitig die Diplomarbeit seines Industrial-Design-Studiums an der Universität für angewandte Kunst in Wien war, auf der Suche nach einem Partner mit genügend Know-how, "um das Projekt in die nächste Phase zu bringen".

Die Jury des diesjährigen Dyson Award ist jedenfalls schon auf ihn aufmerksam geworden. Stefanichs Projekt ist eines von zwei aus Österreich, die es unter die 20 Finalisten geschafft haben, die aus weltweit 650 Einreichungen ausgewählt wurden. Morgen, Donnerstag, wird der Gewinner des Erfinderwettbewerbs, der nach kreativen Lösungen für alltägliche Probleme sucht, bekanntgegeben.

Das Siegerprojekt erhält 30.000 Pfund (ca. 34.000 Euro), weitere 10.000 Pfund (ca. 11.400 Euro) erhält der Fachbereich der Universität des Gewinners. Der Brite James Dyson, der mit der Erfindung des beutellosen Staubsaugers bekannt wurde, hat die James Dyson Foundation, die den Preis vergibt, im Jahr 2002 gegründet.

Das Prinzip hinter Sono sei ein altbekanntes, erklärt Stefanich. Die Auslöschung von Schallwellen durch um 180 Grad verschobenen Wellen, sei bei Kopfhörern für Hubschrauberpiloten bereits in den 1970er-Jahren eingesetzt worden. Diverse Reisekopfhörer sind heute mit dieser Noise-Cancelling-Technik ausgestattet. Aber auf Fensterflächen sei das Prinzip bisher noch nicht angewendet worden.

Stefanichs Konzept besteht aus einem Mikrofon, das den Lärm, der bei den zweifach verglasten Fenstern auf die Außenscheibe trifft, an einen Prozessor schickt. Der errechnet einen Gegenschall, den Vibrationslautsprecher, die eine Oberfläche zum Schwingen anregen, mithilfe der inneren Glasscheibe generieren, erklärt der Erfinder. Der eindringende Schall werde somit zum Teil ausgelöscht. Im Versuchsaufbau konnte er nachweisen, dass das grundsätzlich funktioniert. Nun will er einen Prototyp bauen.

In seinem Konzept für Sono möchte sich der Erfinder aber nicht nur um akustischen, sondern auch um "elektromagnetischen Lärm" kümmern. Durch konzentrische Breitbandantennen lasse sich aus dem umgebenden Elektrosmog, etwa WLAN-Signalen, Energie im Ausmaß von etwa 50 Milliwatt gewinnen. Sie könnte zur Verlängerung der Akkulaufzeit beitragen. Auch die Handyindustrie will sich dieses Prinzip künftig zunutze machen. Stefanich habe die Idee gefallen, weil er dabei "negative Wellen nützen kann, um andere negative Wellen wegzumachen".

Glascontainer als Inspiration

Die Idee zum lärmfilternden Fenster sei durch viele Auslandsaufenthalte, bei denen er in vielen unterschiedlichen Wohnungen gelebt hat, gewachsen, erzählt Stefanich. "Bei einer Wohnung in München hat mich ein Glassammelplatz in der Nähe zum Wahnsinn getrieben." Genauso wie ein Großraumbüro mit Meetingraum aus Glas, das die Gespräche nicht eindämmen konnte.

Das zweite Projekt aus Österreich, das es in das diesjährige Finale des Dyson Awards geschafft hat, will den Transport von Erdreich und anderen Materialien auf Baustellen effizienter gestalten. Rostyslav Akselrud (26) aus Lübeck und Philipp Schütz (24) aus Krems haben sich für ihre Industrial-Design-Bachelorarbeit an der FH Joanneum in Graz verschiedene Arbeitsbereiche im Bauwesen angesehen.

Ihnen ist aufgefallen, dass es etwa bei Baggerarbeiten, bei denen Erdreich wegtransportiert werden muss, oft zu Stehzeiten der Fahrzeuge kommt. Die Studenten haben sich von Ameisen inspirieren lassen und neuartige, in ihrem Projekt auf den Namen Comb getaufte Muldenkipper entworfen, die wie Drohnen ferngesteuert oder selbsttätig per GPS-Track ihre Runden ziehen, ohne dass es zu unnötigen Aufenthalten kommt.

Der Trick dabei: Die Kettenfahrzeuge haben austauschbare Mulden, in denen das Schüttgut transportiert wird. Während eine Mulde also immer beim Bagger, der sie vollfüllt, stehen bleibt, leert der Dumper die andere Mulde aus.

Transport-Geschwader

Die Fahrzeuge, die etwas mehr als einen Meter hoch und zweieinhalb Meter lang sind, haben jeweils einen Kubikmeter Transportkapazität und sollen an städtischen Baustellen eingesetzt werden. Die wendigen Geräte könnten auch im Geschwader arbeiten. Die Technik musste an die neuen Arbeitsabläufe angepasst werden, erklären die Designer. "Wir haben mit einer einfachen Idee ein komplett neuartiges Fahrzeug entwerfen können." (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 6.11.2013)

  • Unter den Finalisten des Dyson Awards: Sono, ein Gerät, das am Fenster haftet, soll den eindringenden Lärm vermindern.
    foto: rudolf stefanich

    Unter den Finalisten des Dyson Awards: Sono, ein Gerät, das am Fenster haftet, soll den eindringenden Lärm vermindern.

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