Journalistinnen brauchen "Marke" und "Heimat" im Netz

6. November 2013, 07:00
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Welche Chancen die Digitalisierung für den Beruf mit sich bringt, wurde beim diesjährigen Journalistinnen-Kongress in Wien diskutiert

"Ich kann kein Multitasking." Mit dieser Ansage eröffnete Tina Kulow, Corporate Communications von Facebook Deutschland, Österreich und der Schweiz, ihren Vortrag beim 15. Österreichischen Journalistinnen-Kongress zum Thema "Digitalisierung als Herausforderung und Chance" in Wien. Und war damit nicht die einzige Vortragende, die mit gängigen Gender-Klischees aufräumte. Auch in Zeiten der mobilen Kommunikation, so ihre Kernaussage, bleibe das "Geschichten erzählen" die zentrale und zukunftsträchtige Qualifikation von Journalistinnen.

Blog als digitale Heimat im Netz

Tipps auf dem Weg zur digitalen Marke gab die Medienjournalistin Ulrike Langer. Sie ortet durch Social Media neue Chancen für Journalistinnen. "Ein Blog ist eine digitale Heimat im Netz", so Langer, die die Webshow "digitales quartett" betreibt. "Im Netz können Sie machen, was Sie wollen, nutzen Sie das", so ihr Rat. Sie genieße es sehr, "direkt ansprechbar für die User" zu sein. Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter oder Youtube seien für sie "wie ein Strom, in den man eintaucht". An Tagen mit mehr Zeit einmal mehr, an Tagen wie diesem am Journalistinnenkongress eben weniger, manchmal auch nur zehn Minuten täglich. Im Netz als Marke aufzutreten, sei eine Möglichkeit, sich unabhängiger zu machen. "Deswegen empfehle ich das auch angestellten Kolleginnen."

Social Media hat keinen Einfluss auf Einkommen

Dass schon eine Mehrheit der Journalistinnen von den Vorteilen von Social Media überzeugt ist, zeigt die Kongressstudie von Julia Juster von der Donau-Uni-Krems. Diese besagt, dass rund 91 Prozent der befragten Journalistinnen mit einem Durchschnittsalter von 41 bis 50 Jahren soziale Netzwerke für ihre journalistische Arbeit nutzen. Nur acht Prozent nutzen Facebook nicht beruflich, weil sie datenschutzrechtliche Bedenken haben. An die Selbstvermarktung im Netz scheinen die Kolleginnen aber noch nicht recht glauben zu wollen: 83 Prozent sagen, dass Social Media keinen Einfluss auf ihr Einkommen hat.

Einen Überblick über das Segment der Onlinewerbung in Österreich 2013 gab Petra Höfer, die Leiterin der strategischen Online Unit des ORF. Das Segment Online sei mit 12,9 Prozent stark gewachsen, liege aber noch immer deutlich hinter TV mit 23 und Print mit 52 Prozent der Werbeeinnahmen. Die größte Herausforderung für Werber ist laut Höfer, "alle mobilen Endgeräte mit Content zu bespielen", also unterschiedlich große Screens zu bedienen.

Nach den genannten Eingangspanels hatten die anwesenden Journalistinnen die Wahl zwischen vier Workshops: "Write, sell, pimp your fee", "We do Youtube" mit ersten Anleitungen auf dem Weg zur Videojournalistin, "Copy & Paste - aber richtig" zu rechtlichen Fragen im Netz sowie "Social-Media-Communication - what 4?". Bei "Living News" schließlich konnten die Kolleginnen weiblichen Führungskräften, darunter Alexandra Föderl-Schmidt, Uschi Fellner und Karin Strobl, der diesjährigen Gewinnerin der Medienlöwin, an runden Tischen Fragen stellen. (Tanja Paar, dieStandard.at, 6.11.2013)

Weitere Informationen:

www.medienfrauen.net

In circa 14 Tagen wird die komplette Dokumentation des Kongresses online verfügbar sein.

Die Gewinnerinnen der Medienlöwin:

Ausgezeichnete Medienlöwinnen: Coudenhove-Calergi und Strobl

  • Vom Journalistinnenkongress ließ es sich herrlich twittern (#joko13).
    foto: medienfrauen.net

    Vom Journalistinnenkongress ließ es sich herrlich twittern (#joko13).

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