Lebendes Laboratorium der geteilten Autos

5. November 2013, 19:25
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Projekt "Caruso Carsharing" erforscht den Einsatz von Elektroautos bei Carsharing im Praxistest

Schon zu Beginn seines Studiums, als Carsharing gerade aufgekommen ist, war der Verkehrsplaner Christian Steger-Vonmetz davon begeistert. "Man kann die Mobilität erhöhen und gleichzeitig den Verkehr reduzieren", sagt er, und für den Einzelnen biete es eine Möglichkeit, der "Fixkosten-Falle" des Autobesitzens zu entkommen.

Mit seinem derzeit laufenden Forschungsprojekt "Caruso Carsharing" entwickelt er in der Wohnsiedlung Maronihof in Bregenz ein Carsharingmodell für Elektroautos. Anfangs hatte er nicht vor, Elektroautos einzusetzen, "denn Carsharing allein ist schon kompliziert genug". Doch es zeigte sich, dass gerade die Besitzer von Elektroautos sehr offen sind für alternative Nutzungsmöglichkeiten und ihre Fahrzeuge gern dafür zur Verfügung stellen.

Die größte Herausforderung in der Entwicklung ist dabei keine technische, sondern die Unberechenbarkeit der Benutzer. Die Bedürfnisse sollen optimal erfüllt werden, "die Leute wollen sich nicht als Forschungsobjekte fühlen". Die Elektroautoflotte muss immer einsatzbereit sein, "auch wenn wir gerade etwas umbauen" - als "Living Lab" bezeichnet es Steger-Vonmetz.

Durch die hohen Anschaffungskosten eignen sich Elektroautos besonders dafür, sie mit möglichst vielen Nutzern zu teilen. Doch es sind auch Anpassungen notwendig. Die Entwickler müssen sich Zugang zum System verschaffen, den die Autohersteller nicht immer gern öffnen.

In Zusammenarbeit mit einem Schweizer Unternehmen, das einen Carsharing-Computer entwickelt hat, kann die Elektroautoflotte von "Caruso Carsharing" per Smartphone gebucht, die Verfügbarkeit geprüft oder der Batterieladestand abgerufen werden.

Autos im intelligenten Netz

Der nächste Schritt in der Entwicklung ist das Öffnen des Autos per Handy. Technisch sei das zwar keine große Sache, "doch die Frage ist, wie sich das in der Praxis bewährt". Wenn zum Öffnen des Autos Handyempfang notwendig ist, kann das in einer Tiefgarage zu ungeahnten Problemen führen.

In Zukunft sollen die Autos im Winter automatisch vorgeheizt werden, wenn sie gebucht sind. Außerdem soll eine Schnittstelle zu intelligenten Stromnetzwerken, sogenannten Smart Grids, entwickelt werden. Ziel ist es, die Autos möglichst dann zu laden, wenn gerade genug Energie vorhanden ist.

"Caruso Carsharing" wird im Rahmen von "ways2go" von der Forschungsförderungsgesellschaft finanziert und läuft noch bis Mai 2014. Insgesamt sollen zwanzig Elektroautos im Carsharing-Betrieb getestet werden.

"Caruso Carsharing" hat aber auch andere Initiativen mitbetreut. So wendeten sich unlängst die Bewohner einer Schweizer Gemeinde an das Vorarlberger Entwicklerteam, die allen ein Elektroauto zugänglich machen wollen. Diese Woche wurde der Carsharing-Computer eingebaut, nächste Woche wird das Projekt bereits den Benutzern präsentiert.

Die Implementierung des Carsharing-Systems sei aber nicht immer so einfach: Weit abseits von den technischen Herausforderungen "müssen wir den Leuten oft erst einmal die Welt des Carsharings erklären", sagt Steger-Vonmetz. (Tanja Traxler, DER STANDARD, 6.11.2013)

  • Mit einer entsprechenden App können die E-Autos gebucht werden.
    foto: caruso carsharing

    Mit einer entsprechenden App können die E-Autos gebucht werden.

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