Besucher aus der Frühzeit des Sonnensystems nähert sich rasch

5. November 2013, 15:45
33 Postings

Bereits in zwei Wochen könnte C/2012 S1 (ISON) mit freiem Auge sichtbar sein - Ob er die knappe Sonnenpassage überlebt, bleibt abzuwarten

Der Komet ISON nähert sich der Sonne - zumindest soviel ist gewiss. Bereits jetzt ist der Schweifstern mit der offiziellen Bezeichnung "C/2012 S1 (ISON)" mit dem Fernrohr zu beobachten. Mit freiem Auge könnte er nach Mitte November in der Morgendämmerung zu erkennen sein. Ob ISON tatsächlich ein Jahrhundert-Komet wird, wie in den letzten Monaten vielfach behauptet wurde, lässt sich derzeit allerdings noch nicht vorhersagen.

Der Komet wurde im Vorjahr von russischen Amateurastronomen mit einem Teleskop des International Scientific Optical Network (ISON) entdeckt, nach dem er auch benannt wurde. Vor wenigen Wochen hat ISON die Marsumlaufbahn passiert. Nun tritt er die letzte Reise-Etappe auf seiner stark zur Erdbahn geneigten, hyperbolischen Bahn an: In rund drei Wochen, am 28. November, wird der Komet in äußerst geringem Abstand an der Sonne vorbei fliegen. In den darauf folgenden Tagen könnte sich ISON zu einer spektakulären Erscheinung am Nachthimmel entwickeln, sofern er die Passage "überlebt" und nicht auseinander bricht.

Weil ISON mit einer Distanz von nur 1,9 Millionen Kilometern extrem nahe an der Sonne vorbeikommt, sind derzeit noch keine Prognosen über die Entwicklung der Sichtbarkeit möglich, wie der Chef des Wiener Planetariums, Werner Gruber, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien erklärt. Kometen bestehen aus einer Mischung von Eis und Staub. Wie sich der rund fünf Kilometer große Komet bei so großer Annäherung an die Sonne verhält, sei schwer vorherzusagen. "Das Spektrum reicht von 'ja, ganz lieb', über 'Wahnsinn!' bis zu 'uups, aufgelöst'", erklärte Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA).

"Große Kometen-Show" ab 1. Dezember

Doch ISON ist schon vor seinem sonnennächsten Punkt zu beobachten. Das ist laut Pikhard - wolkenloser Himmel vorausgesetzt - mit freiem Auge ab 18. oder 19. November in der Morgendämmerung - gegen 6.30 Uhr - möglich. Der Komet wird nahe dem Horizont in Richtung Ost-Süd-Ost zu sehen sein. Je näher der 28. November und damit der sonnennächste Punkt kommt, desto größer dürfte der Schweif werden, vor der unmittelbaren Sonnennähe ist dann nur mehr der über den Horizont ragende Schweif zu sehen.

Sobald ISON die Sonne passiert - und den Vorbeiflug halbwegs heil überstanden - hat, taucht ab etwa 1. Dezember Früh wieder der Schweif und in den Tagen darauf auch der ganze Komet auf - möglicherweise gibt es dann für einige Tage eine "große Kometen-Show", so Pikhard. Ab Anfang Dezember ist auch in der Abenddämmerung, etwa um 17.00 Uhr, der Schweif zu sehen. Da sich der Komet rasch von der Sonne entfernt nimmt auch seine Helligkeit von Tag zu Tag ab.

Erstmals im inneren Sonnensystem

Vieles spricht dafür, dass ISON zum ersten Mal ins innere Sonnensystem vordringt. Seine Bahn ist so lang gestreckt, dass er sich offenbar die meiste Zeit seit seiner Entstehung vor Milliarden von Jahren in der Oort'schen Wolke weit draußen in den Randbereichen des Sonnensystems aufhielt. Für Astronomen ist dies ein Glücksfall, denn derartige nicht-periodischen Kometen enthalten wertvolle Informationen aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Während sich wiederkehrende Schweifsterne wie der Halleysche Komet durch ihre regelmäßige Sonnennähe allmählich verändern, blieben am Rande des Sonnensystems die ursprünglichen Zustände im Kometeneis konserviert.

In der ursprünglichen Kometensubstanz erhoffen sich die Wissenschafter auch Hinweise auf ISONs organische Zusammensetzung. Organische Verbindungen wie etwa Methanol, Ammoniak und Formaldehyd zählen zu den Hauptbestandteilen der mineralischen und organischen Kometenmasse. Viele Forscher glauben deshalb, dass Kometeneinschläge mit diesen Molekülen auch die Grundbausteine des Lebens zur Erde brachten. (APA/red, derstandard.at, 05.11.2013)

  • Die ISON-Aufnahme des Turkish National Observatory stammt vom 16. Oktober. Mittlerweile hat der Schweifstern die Marsumlaufbahn hinter sich gelassen, ab 18. oder 19. November soll er mit freiem Auge sichtbar sein.
    foto: tug / mps

    Die ISON-Aufnahme des Turkish National Observatory stammt vom 16. Oktober. Mittlerweile hat der Schweifstern die Marsumlaufbahn hinter sich gelassen, ab 18. oder 19. November soll er mit freiem Auge sichtbar sein.

  • Der Bahnverlauf des Kometen ISON durch das innere Sonnensystem.
    grafik: nasa/jpl

    Der Bahnverlauf des Kometen ISON durch das innere Sonnensystem.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.