iPad Air im Test: Eine gelungene Reduktion?

Test6. November 2013, 18:12
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Das Tablet ist leicht, schnell und ausdauernd - Doch es bleiben starke Kritikpunkte

Seit der Präsentation des ersten iPads im Jahr 2010 hat Apple das Design seines großen Tablets nur minimal verändert. Bisher brachten alle iPads weit über einen halben Kilogramm auf die Waage. Mit dem iPad Mini steuert das Unternehmen seit 2012 dem Trend zu kleineren, leichteren Android-Tablets entgegen. Das iPad Air stellt nun das radikalste Redesign der großen iPad-Serie dar. Es ist nicht nur schmäler als seine Vorgänger, sondern bringt auch deutlich weniger Gewicht auf die Waage. Der WebStandard konnte das Air testen.

Gehäuse

Mit 469 Gramm (die 3G-Version wiegt 9 Gramm mehr) unterbietet es die 650 Gramm seines aufgelassenen Vorgängers - das iPad der vierten Generation - deutlich. Es ist damit auch leichter als viele 10-Zoll-Konkurrenten mit Android, etwa Samsungs aktuelles Galaxy Note 10.1 (540 Gramm) oder Sonys Xperia Tablet Z (495 Gramm). Wobei hier auch die Tatsache berücksichtigt werden muss, dass das iPad mit 9,7 Zoll ein etwas kleineres Display als die angeführten Modelle aufweist. Auch den Rahmen konnte Apple noch etwas schrumpfen. Neben früheren Modellen ist das Air mit 240 x 169,5 x 7,5 mm deutlich schmäler und eine Spur dünner.

Design

Die Abspeckkur hat sich ausgezahlt: das iPad Air zum Lesen in den Händen zu halten ist komfortabler. Apple hat auch an der Gehäuseform gefeilt. Die Kanten sind runder, der Rahmen ist um das Display an den Seiten schmäler. Die Farben spiegeln die des iPhone 5S wider: Silber und Spacegrau. Eine goldene Variante gibt es allerdings nicht. Wie zuvor ist die Rückseite aus einem durchgehenden Aluminiumstück gefertigt. Das iPad Air ist hochwertig verarbeitet und macht trotz dünnerem Profil einen stabilen Eindruck.

Schlecht zu reparieren

Ein Wermutstropfen für das neue Gehäuse: das Air lässt sich schlecht reparieren. Noch schlechter als der Vorgänger, wie iFixit festgestellt hat. Von möglichen zehn Punkten, die eine gute Reparierfähigkeit darstellen, erreicht das iPad Air nur zwei Punkte. Und: die magnetische Abdeckung des alten Modells passt dem Neuzugang nicht mehr, weil dieser schmäler ist. Apple bietet für das Air wieder ein eigenes "Smart Cover", verlangt dafür aber beachtliche 39 Euro.

Display

Bei der Bildschirmauflösung gibt es keine Veränderungen. Seit der dritten Generation des Tablets setzt Apple auf einen "Retina"-Screen mit einer Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln bei 264 ppi. Es ist ein hervorragendes Display, das in der Tablet-Kategorie der 10-Zöller nach wie vor eine der höchsten Auflösungen mitbringt. Das IPS-LCD bleibt auch bei einem hohen Betrachtungswinkel gut lesbar. So eignet sich das iPad Air sowohl zum Lesen - das Schriftbild ist klar und scharf - als auch zum Spielen oder Videoschauen. Update: Im iPad-Air ist ein neues Display verbaut, das insgesamt etwas dünner als beim Vorgänger ist. Laut IHS setzt Apple nun auf einen Cyclo-Olefin-Copolymer-Touchscreen. Die Komponenten soll jedoch auch teurer sein, was sich auf Reparaturkosten auswirken dürfte.

Prozessoren

Wie im iPhone 5S sind auch im Air Apples neuer A7-Prozessor mit 64-bit-Architektur sowie der M7-Motion-Coprozessor untergebracht. Vor- und Nachteile dieser Ausstattung wurden bereits im Test des iPhone 5S besprochen und sollen hier nicht nochmals angeführt werden. Das Tablet bringt damit jedenfalls alle Voraussetzungen für eine gute Performance beim Surfen, bei Aufgaben wie Bildbearbeitung oder beim Gaming mit.

Browser-Benchmarks

Im Sunspider-JavaScript-Test schneidet das iPad Air mit 378,6 ms eine Spur besser als das iPhone 5S ab. Auch bei Googles Octane hat das Tablet mit einem Score von 5.389 die Nase vorne. Die hervorragende Performance spiegelt sich schließlich im Test Browsermark 2.0 wider, wo das Air auf einen Wert von 3.638 kommt. Im Alltag bedeutet das, dass (auch komplexe) Websites im Nu ohne Verzögerungen geladen werden - eine gute Internetverbindung vorausgesetzt. Flash wird unter iOS wie bisher nicht unterstützt.

Performance

Keine (negativen) Überraschungen fördert der Leistungstest mit Geekbench 3 zu Tage. Die Ausstattung von 1,4 GHz getakteten Dual-Core-Prozessor, 1 GB Arbeitsspeicher und PowerVR-G6430-Grafik wirkt zwar schwächer als die von Konkurrenztablets mit Quad-Core-CPUs und mehr RAM. Die Kombination setzt das Air mit einem Score von 1.466 im Single-Core-Test und 2.682 beim Multi-Core-Ergebnis dennoch in eine Toppostion unter den Tablets.

Umgelegt auf die reale Nutzung: Ruckeln bei der Benutzeroberfläche, Verzögerungen beim Starten von Apps oder Hänger bei Games kommen am iPad Air nicht vor. Spiele können auch aufwendiger dargestellt werden, als bei Vorgängern. Einen tiefgehenderen Einblick in GPU- und CPU-Eigenschaften bietet der Test von Anandtech.

Bewegungsprozessor

Wie erwähnt, hat Apple auch den M7-Coprozessor im iPad Air verbaut. Hier spielt er allerdings eine andere Rolle als im iPhone 5S. Während im Smartphone vor allem Fitness- und Navigationsanwendungen auf die Bewegungsdaten zugreifen können, werden es beim iPad wohl eher Games sein, bei denen der Chip eine verbesserte Steuerung durch Bewegung ermöglicht und gleichzeitig den Akku schont. Wie im iPhone-5S-Test erläutert, nimmt der M7-Prozessor der CPU die Aufgabe ab, Bewegungsdaten zu analyisieren und spart Energie.

Kamera

Die Hauptkamera besitzt einen 5-Megapixel-Sensor mit ƒ/2.4 Blende. Die Kamera auf der Vorderseite hat Apple vorrangig für Videotelefonate integriert, sie bietet weiterhin eine Auflösung von 1,2 Megapixel bzw. 720p bei Videos. Die größeren Pixel des iPhone 5S sowie die Slowmotion-Funktion sucht man beim Air vergebens. Fotos, die mit der Hauptkamera in hellen Umgebungen aufgenommen werden, können sich dennoch durchaus sehen lassen. Bei wenig Umgebungslicht oder Gegenlicht fallen die Ergebnisse erwartungsgemäß schlechter aus. Update: Im Vergleich zum Vorgänger besitzt die Frontkamera doch einen größeren Sensor, was das Bildrauschen etwas reduzieren sollte.

WLAN und LTE

Wie das iPhone 5S unterstützt nun auch das iPad Air - und übrigens auch das neue iPad Mini - erstmals LTE bei österreichischen Mobilfunkern. Derzeit kann die 4G-Version des Tablets mit den Netzen von T-Mobile und A1 genutzt werden. Das Gerät unterstützt auch Dual-Band-WLAN 802.11a/b/g/n, jedoch nicht den schnelleren ac-Standard. Zur Koppelung von Geräten ist Bluetooth 4.0 vorhanden. Stromversorgung und USB-Kabelanschluss erfolgen über den proprietären Lightning-Connector.

Speicher

NFC oder ein Speicherkartensteckplatz sind nicht vorhanden. Wie bei allen iOS-Geräten muss man sich vor dem Kauf überlegen, mit wieviel Speicher man auskommt, so man nicht auf Online-Dienste zurückgreifen will. Das Air gibt es in den Varianten mit 16, 32, 64 und 128 GB Speicherplatz. Gerade bei mehreren hochauflösenden Videos ist der 16-GB-Speicher schnell voll.

Akku

Neben dem leichten Gehäuse und der Performance ist der Akku das dritte Feature im Bunde, das das iPad Air besonders auszeichnet. Im WebStandard-Test hielt der Akku bei 100 Prozent Display-Helligkeit, aktiviertem WLAN und durchgehender Videowiedergabe etwa zehn Stunden. Schon mit der Reduktion auf etwa 75 Prozent Helligkeit kann hier noch ein paar Stunden mehr rausquetschen. Allerdings ist ein Tausch des Akkus, so dieser vorzeitig den Geist aufgibt, laut iFixit deutlich schwieriger als bei früheren iPads.

iOS und Apps

Auf dem iPad Air läuft die neueste iOS-Version 7. Unbestritten ist, dass iOS in seinen Möglichkeiten auf der Ebene des Betriebssystems im Vergleich zu Android oder auch Windows deutlich eingeschränkter ist. So kann man beispielsweise auch unter iOS 7 nicht von Haus aus auf das Dateisystem zugreifen. Möglich ist das nur nach einem Jailbreak. Wer mit einem Tablet auch arbeiten möchte, sollte solche Einschränkungen immer mitbedenken.

Tablet-Apps

Bei der Anzahl der Apps liegen iOS und Android mittlerweile in etwa gleich auf, wobei es unter iOS Schätzungen zufolge mehr Tablet-optimierte Anwendungen geben soll. Apple spricht aktuell von 470.000 Apps, die für seine Tablets angepasst sind. Google macht keine Angaben zur Anzahl entsprechender Programme, will diese in Zukunft aber besser hervorheben. Ab 21. November sollen im Play Store Apps hervorgehoben werden, die extra für Tablets entwickelt wurden.

Fazit

Objektiv betrachtet ist das iPad Air eines der schnellsten Tablets, mit einem der besten Displays und langer Akkulaufzeit. Und dennoch hat es Apple geschafft, Gehäuse und Gewicht weiter zu reduzieren. In der Kategorie der 10-Zoll-Tablets ist das Air von der Hardware im Spitzenfeld angesiedelt. Ob man iOS 7 mag, bleibt Geschmackssache. Das System ist intuitiv zu bedienen und bietet ein großes App-Angebot. Die Einschränkungen und das neue Design sind aber nicht jedermanns Sache.

Preis

Negativ fällt (wieder) der Preis auf. Das Basismodell mit 16 GB und WLAN kostet 479 Euro, wer mehr Speicher benötigt muss 90 Euro auf das nächst größere Modell drauflegen. Die Mobilfunk-Modelle kosten jeweils nochmals 120 Euro mehr. Viele Android-Modelle, die einen ähnlichen Einsteigspreis bei dieser Konfiguration aufweisen, bieten zumindest eine Speichererweiterung über MicroSD-Karten. Auf das noch immer erhältliche iPad 2 zurückzugreifen, ist keine günstige Alternative. Denn hier steckt mittlerweile drei Jahre alte Hardware drinnen, der Preis ist allerdings nur um 100 Euro niedriger. (Birgit Riegler, derStandard.at, 7.11.2013)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinen: die Testgeräte wurden der Redaktion für einen begrenzten Zeitraum von McShark und T-Mobile zur Verfügung gestellt.

Links

Apple

Anandtech

Nachlese

iPhone 5S im Test: Schnelle Hardware in altem Format

iPad Air: Reparatur noch schwieriger als beim Vorgänger

Apple veröffentlicht iOS 7: Die neuen Features im Überblick

  • Das iPad Air ist mittlerweile die fünfte Generation von Apples großem Tablet.
    foto: derstandard.at/riegler

    Das iPad Air ist mittlerweile die fünfte Generation von Apples großem Tablet.

  • Die Rückseite ist in den Farben Silber und Spacegrau erhältlich. Eine goldene Variante wie beim iPhone 5S gibt es nicht.
    foto: derstandard.at/riegler

    Die Rückseite ist in den Farben Silber und Spacegrau erhältlich. Eine goldene Variante wie beim iPhone 5S gibt es nicht.

  • Größe und Auflösung des Displays sind im Vergleich zum Vorgänger gleich geblieben.
    foto: derstandard.at/riegler

    Größe und Auflösung des Displays sind im Vergleich zum Vorgänger gleich geblieben.

  • Das Air ist jedoch deutlich schmäler und leichter geworden. Im Bild: iPad der dritten Generation (unten) im Vergleich mit dem Air.
    foto: derstandard.at/riegler

    Das Air ist jedoch deutlich schmäler und leichter geworden. Im Bild: iPad der dritten Generation (unten) im Vergleich mit dem Air.

  • Das Gehäuse hat auch eine andere Form erhalten.
    foto: derstandard.at/riegler

    Das Gehäuse hat auch eine andere Form erhalten.

  • Aufnahme mit der Hauptkamera bei Tageslicht (Link auf Original-Aufnahme).
    foto: derstandard.at/riegler

    Aufnahme mit der Hauptkamera bei Tageslicht (Link auf Original-Aufnahme).

  • Detailaufnahme mit der Hauptkamera (Link auf Original-Aufnahme).
    foto: derstandard.at/riegler

    Detailaufnahme mit der Hauptkamera (Link auf Original-Aufnahme).

  • Aufnahme mit Gegenlicht (Link auf Original-Aufnahme).
    foto: derstandard.at/riegler

    Aufnahme mit Gegenlicht (Link auf Original-Aufnahme).

  • In Benchmarktests liegt das iPad Air im Spitzenfeld.
    screenshot: derstandard.at/riegler

    In Benchmarktests liegt das iPad Air im Spitzenfeld.

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