Fersensporn: Wie ein von der Natur geformter Nagel

5. November 2013, 11:24
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Dehnübungen, Schuheinlagen, Stoßwellen und Röntgenbestrahlung als Therapieoptionen bei Fersensporn

Das Röntgenbild verrät seine Anwesenheit. Die Aufnahme zeigt deutlich einen kleinen weißen Fortsatz, der vom Fersenbein, dem Kalkaneus, hervorragt. Wie ein von der Natur geformter Nagel. Ein Fersensporn, und der gehört da eigentlich nicht hin. Es handelt sich um eine Fehlbildung mit eventuell unangenehmen Folgen für den Patienten. Ein klarer Fall für den Facharzt.

Orthopäden unterscheiden je nach Lage zwischen kranialen und plantaren Fersenspornen. Erstere bilden sich am Fersenbeinansatz der Achillessehne. Die plantare Variante dagegen entsteht im Basalbereich der Ferse - dort, wo die unteren Fußmuskeln mit dem Knochen verbunden sind. 

Belastetes Gewebe

Für Betroffene fühlt sich das mitunter so an, als hätten sie einen Fremdkörper in der hinteren Fußsohle. Die daraus resultierenden Schmerzen können normales Gehen unmöglich machen. Eine qualvolle Angelegenheit. Kraniale Sporne können ähnliche Reizungen an der oberen Ferse verursachen. In vielen Fällen jedoch bleiben die Fehlbildungen ohne Symptome. Zumindest zunächst.

Die Häufigkeit von Fersenspornen wird in der Gesamtbevölkerung auf ungefähr zehn Prozent geschätzt. Häufig betroffen sind Sportler und leicht übergewichtige Frauen ab dem 48. Lebensjahr. "Die Ursache sind chronische Entzündungen", sagt der Wiener Orthopäde Hans-Jörg Trnka.

Durch Überbeanspruchung entstehen kleinere Risse im Sehnenansatz, und diese verknöchern. Oft führt langes Gehen im falschen Schuhwerk zu den Gewebebelastungen und den darauffolgenden Beschwerden. Kilometerlange Städtetouren während des Urlaubs zum Beispiel, in Strandschuhen. Auch stehende Tätigkeiten können der Bildung von Fersenspornen Vorschub leisten. Wer nicht gegensteuert, riskiert einen chronischen Verlauf.

Einlagen und Stoßwellen

Zur Behandlung von schmerzenden Spornen empfehlen Ärzte unterschiedliche Methoden. Orthopädische Schuheinlagen können Linderung verschaffen, viel wichtiger jedoch ist gezielte Gymnastik. Bei einer aktuellen Untersuchung am Orthopädischen Spital Speising zeigte sich, dass 70 Prozent der Patienten durch spezielle Dehnübungen Schmerzfreiheit erlangen.

Zusätzlich können die Fehlbildungen mittels Stoßwellen therapiert werden. Hierbei kommt gezielter Schall zum Einsatz. Die Wirkung wurde noch nicht ausreichend erforscht, aber nicht wenige Patienten fühlen sich nach einer solchen Behandlung wesentlich besser. In einigen Fällen injizieren Mediziner entzündungshemmende Mittel in den betroffenen Fußbereich.

Nicht ganz unumstritten ist die Schmerzbekämpfung durch Röntgenbestrahlung. Doch auch sie zeigt gewisse Erfolge. Kritiker befürchten allerdings, dieses Verfahren könnte das Krebsrisiko erhöhen. Wenn andere Therapiemethoden versagen, greifen die Ärzte unter Umständen chirurgisch ein.

Operative Behandlungsmethode

Bei plantaren Fersenspornen wird das entzündete Gewebe arthroskopisch ausgeschliffen, der Sporn selbst aber nicht angegriffen. Er ist es nicht, der wehtut, sondern Verbindungen, die sich zur Knochenhaut des Kalkaneus bilden. Sie sorgen für eine Versteifung im gesamten Bereich und führen so zu den Reizungen.

Britische Forscher haben zudem ein gehäuftes Auftreten von plantaren Spornen bei Menschen mit chronischer Entzündung der Sehnenplatte des Fußes nachgewiesen (vgl.: Foot and Ankle Surgery, Bd. 18, S. 39). Ob es einen kausalen Zusammenhang gibt, ließ sich aber noch nicht eindeutig klären.

Kraniale Sporne werden etwas häufiger operativ behandelt als die plantare Variante. Man trägt vorsichtig das verkalkte Gewebe am Achillessehnenansatz ab und lässt den Fuß dann wieder verheilen. Eine konsequent und wirkungsvolle Methode. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 5.11.2013)

  • Die Häufigkeit von Fersenspornen wird in der Gesamtbevölkerung auf ungefähr zehn Prozent geschätzt.

    Die Häufigkeit von Fersenspornen wird in der Gesamtbevölkerung auf ungefähr zehn Prozent geschätzt.

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