An Vielfalt und Mobilität wachsen

4. November 2013, 17:44
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Projektmanagement ist von jeher mit Mobilitätsanforderung in hohen Dosen konfrontiert. Wie sich das Berufsbild weiterentwickelt und welcher Kompetenzenkanon erfolgreich in die Zukunft führt, wurde beim Jahrestreffen der Branche, dem pma focus, diskutiert

"Es ist viel besser, sich unrealistische Ziele zu setzen, da kann man mehr Energie freisetzen, den Bogen weiter spannen als mit klein gestückelten sogenannten realistischen Zielen", postuliert Rennrollstuhl-Olympiasieger Thomas Geierspichler Mitte Oktober beim Jahreskongress der Projektmanager, pma focus. Nach einem fast zehnstündigen Arbeitstag der Teilnehmer schaffte er mit seiner ganz nahbar und ungeschönt vorgetragenen Lebensgeschichte – vom Unfall, der Querschnittslähmung über die Abzweigung in die Drogen bis zum Training und zum Olympiasieg – ungebrochene Aufmerksamkeit im 400-köpfigen Auditorium in der Aula der Wissenschaften in Wien.

Spüren, was glücklich macht, so Geierspichler, sei der Auftrag an uns alle, weil die Antwort darauf uns alle zu Spitzenleistung in den jeweiligen Bereichen führe: "Die Grenze ist erst die Ohnmacht, vorher gibt es keine, davor gibt es nur die Kraft des Bewusstseins", so sein Schlussimperativ.

Jenen am Beginn setzte Diversity-Expertin Beatrice Achaleke mit ihren Anleitungen zur Reflexion der eigenen Vielfalt, des Andersseins und der Aufforderung zur Reflexion der Vorurteile.

Brigitte Schaden, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung Projekt Management Austria (pma), hat heuer Weiterbildung rund um "Mobilität – Vielfalt, Veränderung, Vermischung" verordnet, Themen, die (internationales) Projektmanagement besonders betreffen und herausfordern, Themen, die aber auch ängstigen. Alexander Oswald, geschäftsführender Gesellschafter der Futura GmbH, ließ etwa in seinem Vortrag keinen Zweifel daran, dass mit weiterer technologiegetriebener Beschleunigung zu rechnen sei, dass Beweglichkeit in allen neuen Kommunikationsmöglichkeiten zum Basis-Einmaleins gehören. Oswald: "Die reale und die virtuelle Welt werden eins." Unternehmen sieht er Richtung 24-Stunden-Betrieb gehen, womit weitere Erreichbarkeitsfragen des Teams und zunehmender Druck auf "zeitnahe" Reaktionen entstehen.

Dass steigende Anforderungen an Mobilität (geografisch wie geistig) auch die Konfliktpotenziale steigern, hält Brigitte Schaden für eine Tatsache. Es gelte daher verstärkt Expertise in Projektmediation zu erwerben, auch als "Kulturchance, um mit zunehmender Vielfalt in unserer Gesellschaft, in unseren Projekten konstruktiv umzugehen". Dass ein bewusster Umgang mit den eigenen Ressourcen (Gesundheit) im Zusammenhang mit Effizienz-, Kosten- und Erfolgsdruck an Bedeutung gewinne, verstehe sich da von selbst.

Brigitte Schaden hat mit diesen Themen, mit den notwendigen Kompetenzen und ihren ständigen Erweiterungen im Projektmanagement einen guten Auftritt, denn die Vereinigung ist in den vergangenen 40 Jahren stark gewachsen – und wächst weiter: 800 Mitglieder zählt die pma, 1000 Projektmanager werden jährlich zertifiziert, aktuell liegt das Wachstum beim Erwerb von Projektmanagementzertifikaten bei heuer fast 14 Prozent.

Gibt es Erfolgsingredienzen? Die Vortragenden sind sich recht einig: Wer festgefahren und nicht bereit ist, neue Blickwinkel einzunehmen, werde in der Branche nicht erfolgreich sein und sich auch nicht wohlfühlen. Denn: Physische und mentale Flexibilität seien entscheidende Teile des Berufsbilds. Dass allerdings Projektmanagement dabei, so wie viele Unternehmen auch, mit Trade-offs kämpft und am optimieren ist, zeigten auch Diskussionen über die Schattenseiten der zunehmenden Flexibilitäten. (kbau, Management STANDARD, 2./3.11.2013)


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