Keine Zeit "an Monika Lindner vergeuden"

4. November 2013, 17:01
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Klaus Eckel lädt in "Eckel mit Kanten" ab heute, Dienstag, prominente und weniger prominente Kabarettisten im ORF zur Talentprobe. Wann Humor anstrengend ist und Politkabarett nervt, sagte er Doris Priesching.

STANDARD: Comedy hat im ORF derzeit Hochkonjunktur. Was steuert "Eckel mit Kanten" bei, das wir nicht schon gesehen haben?

Eckel: Ich wollte einen Kabarettklub mit bekannten und weniger bekannten Kabarettisten. Ich erfinde das Rad nicht neu. Es geht darum, Stand-up-Comedy weiterzuentwickeln. Wir wollen humorig und hoffentlich halbwegs niveauvoll unterhalten.

STANDARD: Mit dieser Ankündigung schlagen Sie mindestens die Hälfte des Publikums in die Flucht. Können Sie konkreter werden?

Eckel: Wir machen kein Mainz bleibt Mainz-Kalauerfeuerwerk, es ist aber auch keine hochintellektuelle Angelegenheit. Wir denken an den Zuschauer um 23 Uhr und schauen, dass der Humor den Geist noch erreichen kann. Es gibt immer mehr Kabarettisten, die zwischen Witz und ernsthaften Gedanken hin- und herpendeln.

STANDARD: Vorerst sind sechs Folgen geplant. Wollen Sie mehr?

Eckel: Das muss man sich anschauen, ich hoffe auf Lob, dass die Leute sagen, da ist etwas Neues im Entstehen.

STANDARD: Comedy, ein Sketch, drei Gäste, Düringer, Resetarits - so neu klingt das aber gar nicht?

Eckel: Leute wie Paul Pizzera, BlöZinger, Christoph Krall oder Peter Iwaniewicz sind zum Teil noch nie im Fernsehen aufgetreten. Wir haben uns für die ersten sechs Folgen mit den prominenten Kabarettisten einen Rückhalt geschaffen. Da entscheide ja nicht nur ich. Das Konzept, das ich einreiche und das herauskommt, ist ein Kompromiss. Wenn ich einen Vitásek habe, schalten zigtausend Leute mehr ein. Davon hat auch der junge Nachwuchskabarettist etwas. Wenn sich die Sendung weiterentwickelt, würde ich mehr auf unbekannte Kabarettisten setzen. Aber Mut ist in der Medienlandschaft nicht das allererste Gebot.

STANDARD: Ist professionelles Lustigsein anstrengend?

Eckel: Ja. Ja. Ja. In Comedy und Kabarett wird erwartet, dass die Leute lachen, das ist herausfordernd, kann aber auch anstrengend sein.

STANDARD: Lachen Sie privat eher gar nicht?

Eckel: Ich würde mich als nachdenklichen Menschen bezeichnen. Ich bin keiner, der die schnelle Pointe immer suchen muss.

STANDARD: Ein Wunschgast?

Eckel: Ich hätte wahnsinnig gern Volker Pispers. Ein bärtiger Lehrer, füllt in Deutschland die Hallen, macht großartiges politisches Kabarett. Ich traue mir definitiv kein politisches Kabarett zu, weil er für mich die Speerspitze ist.

STANDARD: Ist politisches Kabarett in Österreich schwieriger als anderswo?

Eckel: Ich möchte mich an Belanglosigkeiten nicht abarbeiten müssen. Ich weigere mich, an Monika Lindner oder Frank Stronach fünf Sendeminuten zu verschwenden, obwohl ich weiß, es würde funktionieren. Als politisch denkender Mensch frage ich mich, was ich da noch hinzufügen könnte, ohne dass es nicht völlig nervt. Realsatire ist schwer zu überhöhen. Ich kann nur die Fassungslosigkeit teilen. (Doris Priesching,  DER STANDARD, 5.11.2013)

Klaus Eckel ist Wiener und arbeitete als Logistiker. Den zweiten Bildungsweg als Kabarettist schlug er ein, weil er den Job "wahnsinnig ehrlich" findet. Sechs Folgen, dienstags um 23 Uhr, ORF 1.

  • Roland Düringer ist Gast in der ersten Ausgabe von "Eckel mit Kanten", 23 Uhr, ORF 1.
    foto: orf

    Roland Düringer ist Gast in der ersten Ausgabe von "Eckel mit Kanten", 23 Uhr, ORF 1.

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