Jane Campion findet Film "konservativ"

4. November 2013, 16:34
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Ihre neue Miniserie "Top of the Lake" glänzt ab Donnerstag auf Arte

Wien - Es sind ruhige Bilder, die Oscar-Gewinnerin Jane Campion zu Beginn ihrer neuen Miniserie "Top of the Lake" dem Publikum serviert. Kalte Blautöne dominieren das sechsteilige Drama, das um das Verschwinden eines Mädchens auf der Südinsel Neuseelands kreist. Arte zeigt ab Donnerstag (20.15 Uhr) die vielfach gelobte Produktion, die nicht nur atemberaubende Landschaftsaufnahmen mit einer beklemmenden Geschichte vereint, sondern auch durch ein großartiges Ensemble besticht.

Campion: "Film ist konservativ"

Campion, die spätestens mit "Das Piano" vor 20 Jahren ihren weltweiten Durchbruch feierte und dafür neben einem Oscar für das beste Drehbuch auch die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes erhielt, fühlt sich im neuen Genre scheinbar mehr als wohl. "Film ist konservativ. Das habe ich satt", sagte sie dem britischen "Telegraph" zum Serienstart im Sommer. Harte Worte, die derzeit aber im Trend zu liegen scheinen, wenn man sich die Liste namhafter Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren ansieht, die sich von der großen Leinwand ab- und dem Fernsehbildschirm zugewandt haben.

Für die Produktion von BBC Two, Sundance Channel und UKTV erhielt Campion jedenfalls inhaltlich völlig freie Hand. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Partner Gerard Lee entwarf sie die Geschichte rund um die zwölfjährige Tui, die sich in einem See ertränken will. Nachdem das Mädchen gerettet wird, erkennt eine Schulärztin ihre Schwangerschaft. Polizistin Robin Griffin (Elisabeth Moss), die in ihrem Heimatort ihre krebskranke Mutter besucht, wird zu dem Fall hinzugezogen und stößt nicht nur auf großen Widerstand bei den männlichen Kollegen, sondern wird auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Spätestens mit dem Verschwinden des Mädchens driftet "Top of the Lake" ins leicht Mysteriöse.

Paradise am Ufer des Sees

Neben der aus "Mad Men" bekannten Moss sind in den sechs einstündigen Episoden auch Peter Mullan als bärbeißiger Vater Tuis mit reichlich krimineller Energie und Holly Hunter als Guru GJ zu sehen. Letztere campiert mit einer Gruppe von Frauen am Ufer eines Sees, das "Paradise" genannt wird. In der einnehmenden Landschaft begeben sie sich auf die Suche nach innerer Ruhe. "Viele Menschen ziehen in diese Gegend in der Hoffnung, glücklich zu werden", beschreibt die gebürtige Neuseeländerin Campion die Faszination des Ortes. "Aber natürlich gibt es so etwas wie ein Paradies auf Erden nicht. Unser Verstand macht uns verrückt, egal wo wir sind. Und je näher man diesem sogenannten Ideal kommt, umso schmerzhafter wird es, weil es nicht funktioniert."

"Top of the Lake" funktioniert indes auf ganzer Linie. Ein Drama, das sukzessive Nebenschauplätze in den Fokus rückt, sich dabei genügend Zeit für die Charakterentwicklung lässt und auch mit wenigen Worten sein Auslangen findet. Gerade Moss brilliert als vielschichtig gezeichnete Ermittlerin, die sich in einer harschen Umgebung durchsetzen muss. Wer sich nun allerdings auf Episodennachschub Hoffnung macht, wird enttäuscht. Campion hat mehrfach erklärt, keine zweite Staffel zu planen. Somit bleibt "Top of the Lake" ein in sich geschlossenes Serienkleinod, das Arte an zwei Donnerstagen in geballter Ladung zeigt. (APA, 4.11.2013)

  • Atemberaubende Landschaftsaufnahmen gelten als Markenzeichen der australischen Regisseurin Jane Campion.
    foto: arte/see-saw films

    Atemberaubende Landschaftsaufnahmen gelten als Markenzeichen der australischen Regisseurin Jane Campion.

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