Zurückhaltung ist nicht gefragt

Interview4. November 2013, 11:37
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Damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen, gibt es viele Vorschläge. Catherine Kaputa erklärt, welchen Beitrag Selfbranding leisten kann

STANDARD: In Ihrem Buch "The Female Brand" sagen Sie, dass es für eine erfolgreiche Karriere auch eine erfolgreiche persönliche Marke braucht. Sind Männer besser darin, ihre Marke aufzubauen?

Kaputa: Frauen können da sicher noch etwas aufholen. Während Männer gerne dazu tendieren, Erreichtes auch einmal zu überhöhen, spielen Frauen ihre Leistung herunter. Im Berufsleben ist das aber ein großer Fehler.

STANDARD: Um erfolgreich zu sein, müssen Frauen nicht wie Männer agieren - was können sie sich aber von ihnen abschauen?

Kaputa: Das Aufholen gegenüber Männern hat auch etwas damit zu tun, wie Frauen erzogen worden sind. Nämlich: Arbeite hart, und du wirst erfolgreich sein, aber falle nicht auf. Aber genau das ist es, worauf es ankommt. Frauen arbeiten auch in der Wirtschaft gerne nach Schulregeln. Nur funktioniert die Arbeitswelt nach anderen Regeln. Selfbranding ist da enorm wichtig. Frauen haben besondere Fähigkeiten und Stärken, die in der Wirtschaft wichtig sind. Diese Stärken können Frauen noch mehr ausbauen. Frauen wird nachgesagt, dass sie ein soziales Gen haben, nur nützen sie es nicht effektiv. Dazu zählt auch der Aufbau eines breiten Netzwerks. Und hier sind vor allem gemischte Netzwerke förderlich.

STANDARD: Wie können Frauen ihre eigene Marke erarbeiten, stärken?

Kaputa: Das funktioniert wie beim Produktbranding. Jeder muss sich über den Wert, den er oder sie für das Unternehmen mitbringt, klar werden. Und im zweiten Schritt muss dieser persönliche Brand verpackt werden. Beim Produktbranding geht es um Visualisierung, Marketing und PR, und dasselbe gilt auch fürs Selfbranding. Und gerade bei der Visualisierung, beim Sichtbarmachen sind Frauen gefordert. Sie machen zwar eine ausgezeichnete Arbeit, aber sie gehen seltener zu Meetings, warten dann darauf, dass sie gefragt werden, und ergreifen seltener das Wort. Meinen Klientinnen sage ich immer: "Wenn Sie sich nicht selbst zur Marke machen, werden es andere Leute für Sie erledigen. Und die Marke, die von anderen für Sie kreiert wird, wird Ihnen mit Sicherheit nicht gerecht."

STANDARD:Was sind die größten Fehler, die in diesem Prozess gemacht werden?

Kaputa: Frauen halten sich gerne selbst zurück und denken, sie sind für eine bestimmte Position noch nicht ausreichend qualifiziert. Männer sind da anders. "Fake it till you make it" lautet aber auch die Devise vieler erfolgreicher Frauen.

STANDARD: Die Gründe, die Frauen daran hindern, Führungspositionen zu übernehmen, sind bekannt. Lösungsvorschläge dafür gibt es viele. Warum ist es für Frauen noch immer so schwierig, die Karriereleiter hinaufzusteigen?

Kaputa: Diversity kommt jetzt gerade in den Unternehmen an. Es ist die beste Zeit für Frauen, die Karriere machen wollen. Es gibt auch einen gewissen Druck auf Unternehmen, mehr Frauen in die Führungsetage aufzunehmen. Frauen dürfen sich aber nicht mehr länger selbst zurückhalten. Und jetzt ist die Zeit dafür. (Gudrun Ostermann, Management STANDARD, 2./3.11.2013)

Catherine Kaputa ist US-amerikanische Autorin und Gründerin des Beratungsunternehmens Selfbrand.

  • Catherine Kaputa.
    foto: privat

    Catherine Kaputa.

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