Wiener Flüchtlinge werden Akademie wahrscheinlich verlassen

4. November 2013, 16:46
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Flüchtlinge pochten bis zuletzt auf gemeinsame Unterkunft - Rektorin kündigte Möglichkeit einer polizeilichen Räumung an

Wien - Die 24 Flüchtlinge, die sich derzeit in der Akademie der bildenden Künste aufhalten, werden diese wahrscheinlich verlassen. Ob noch am Montag oder am Dienstag ist noch nicht klar, erklärte Mir Jahangir, einer der Männer, gegenüber der APA.

Zuvor hatte die Rektorin, Eva Blimlinger, vor Journalisten in der Aula der Akademie ein neues Ultimatum mit einem Ende der Frist am Dienstagmittag gesetzt. Ursprünglich sollte die Frist am Montagabend ablaufen. Die Rektorin verwies auf das Angebot von Einzelquartieren und bot ebenfalls Uni-Räumlichkeiten für Zusammentreffen an.

Die Flüchtlinge werden vermutlich in Privatunterkünfte ziehen. Die Gruppe wird dadurch aufgeteilt, räumte Jahangir ein. Der Protest soll aber fortgesetzt werden. "Wir wollen weiterhin versuchen zu mobilisieren und nicht aufzugeben", dies sei nicht das Ende der Bewegung, betonte Jahangir.

Vor einem etwaigen Rausschmiss durch die Polizei hatte man "keine Angst": "Ich bin kein Krimineller", so der Flüchtling weiter. Die Akademie als Protestort sei wichtig, da dieser Öffentlichkeit ermögliche.

Räumung noch nicht entschieden

Rektorin Blimlinger sagte zuvor "Ich hoffe, dass es ein Einsehen gibt." Sie ortet ein großes Problem in der Diskussion: "Es wird suggeriert, dass wir vor der Deportierung schützen können. Das können wir nicht." Dies könne nur die Politik. Vor den Betroffenen und Journalisten bekräftigte sie das Angebot, dass die Flüchtlinge und die Unterstützer Räumlichkeiten für temporäre Zusammentreffen nutzen können. Die Aula dürfe aber nicht rund um die Uhr besetzt werden.

Das Angebot, Einzelunterkünfte zur Verfügung zu stellen, war auch seitens der Caritas Wien laufend aufrecht, betonte die Organisation. Aus Angst, dann leichter abgeschoben werden zu können, verweigerten sie bisher getrennte Unterkünfte, in denen sie alleine oder in kleinen Gruppen leben.

Gerücht über Abhöraktion

Am Montag kam auch wieder das Gerücht auf, dass Vertreter der Caritas im Rahmen von Ermittlungen zu einer Schlepperorganisation von der Exekutive abgehört worden sein sollen. Bei der Caritas verwies man darauf, dass es diese Mutmaßungen bereits gegeben habe. Mehr wollte man heute nicht dazu sagen. Das Bundeskriminalamt hielt fest, dass es zu Ermittlungsmaßnahmen in einem laufenden Strafverfahren - gegen mutmaßliche Schlepper - grundsätzlich keine Auskunft gibt.

Laut einem Bericht des STANDARD stehen unter den Flüchtlingen in der Akademie fünf Lokalitäten zur Diskussion. Demnach soll es sich um eine orthodoxe und eine katholische Kirche handeln, ein aufgelassenes Finanzamt, eine durch Spendengelder finanzierte private Unterkunft und die Adresse eines Gemeindebaus in Wien-Mariahilf. Laut Angaben eines Unterstützers der Refugees handle es sich bei den genannten jedoch lediglich um "vage Optionen", die derzeit nicht zur Debatte stehen, wie er erklärte. (APA/red, derStandard.at, 4.11.2013)

Hinweis

Das STANDARD-Montagsgespräch zum Thema "Wohin mit den Flüchtlingen?" findet um 19.30 Uhr im Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien, statt.

  • Die Flüchtlinge müssen am Dienstag die Akademie verlassen. Mehr Bilder in Newalds Photoblog.
    foto: standard/newald

    Die Flüchtlinge müssen am Dienstag die Akademie verlassen. Mehr Bilder in Newalds Photoblog.

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