Kapsch: Gemeinsames Lernen "familiär"

4. November 2013, 10:24
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Beim Telekommunikations- und Verkehrstelematikkonzern Kapsch setzt man bei der Lehrlingsausbildung auf Kooperationen mit Unternehmen aus der Branche

"Werde Lehrling in der Kapsch Family" - mit diesem Slogan wird auf der Website des Unternehmens geworben. Für Alfred Benold, den Leiter der Lehrlings- und Jugendausbildung bei Kapsch ist das vor allem als Ausdruck der Unternehmenskultur zu verstehen. "Die Grundlage dafür ist Wertschätzung. Und die muss jedem gleich am ersten Tag entgegengebracht werden", sagt er.

Im Schnitt bewerben sich 600 Schulabgänger um einen Ausbildungsplatz. Neben Industriekauffrau/-mann werden auch die beiden technischen Lehrberufe Elektronik-/ Informations- und Telekommunikationstechniker/-in sowie Informationstechnologe/Informationstechnologin angeboten. 20 von ihnen können jährlich aufgenommen werden.

Viele Bewerber hätten aber nur eine sehr abstrakte Vorstellung der technischen Lehrberufe, so Benold. "Jugendliche denken: Das hat etwas mit Computer zu tun, und der hat in ihrem Leben einen gewissen Funfaktor. Bei uns wird ein Computer aber als Werkzeug genutzt, und das hat oft weniger mit Spaß zu tun, sondern ist ein sehr anspruchsvoller Lehrberuf", ergänzt er. Rund 20 Prozent würden, so Benold, im Laufe der Ausbildung merken, dass ihnen der Beruf doch nicht so liegt, und nehmen die Ausbildung als Basis, auf der man aufbauen oder von der ausgehend man in einen ganz anderen Bereich wechseln kann. Mädchen sind bei den technischen Lehrberufen auch bei Kapsch in der deutlichen Minderheit, trotz vieler Bemühungen, das zu ändern.

700 Euro im ersten Lehrjahr

"Wir bieten eine gute und anspruchsvolle Ausbildung, kochen aber auch nur mit Wasser", sagt Benold. Zusätzliche Goodies werden Lehrlingen zwar nicht geboten, dafür ist die Lehrlingsentschädigung für die technischen Berufe überdurchschnittlich hoch. Im ersten Lehrjahr bekommen Lehrlinge rund 700 Euro, im dritten rund 1100 Euro.

Bei der Ausbildung werde auch mit anderen IT-Unternehmen kooperiert. So werden einzelne Ausbildungsmodule gemeinsam auch für Lehrlinge anderer Betriebe wie beispielsweise A1 oder ThyssenKrupp abgehalten. Jede der Firmen bringt ganz bestimmtes Know-how mit. Und auch für Jugendliche sei es interessant, wenn sie die Vielfalt in der Ausbildung und in den Tätigkeitsbereichen sehen. Aber auch abseits der tatsächlichen Ausbildung tausche man sich im Verbund ohne Konkurrenzgedanken aus, sagt Benold. "Denn warum soll ein Unternehmen extra etwas aufbauen, was es nur für die Ausbildung der Lehrlinge benötigt", ergänzt er.

Lehrlinge, die neben der Berufsausbildung auch die Matura absolvieren, werden auch bei Kapsch immer mehr. Aber der Großteil der Lehrlinge habe von der Schule genug und möchte ins Berufsleben einsteigen, so Benold. Dennoch, findet er, habe der Slogan "Karriere mit Lehre" dem Image der Lehre geschadet. "Nicht jeder muss die Karriereleiter nach oben steigen, wir brauchen auch gut ausgebildete Facharbeiter", sagt er. Hier besser aufzuklären und Zugänge flexibler zu gestalten wäre dringend notwendig. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 2./3.11.2013)

Am 3. und 4. Dezember veranstaltet der Business Circle in Wien das erste Lehrlingsforum.

Link

www.businesscircle.at

Nachlese

Teil 1: Das Richtige suchen und finden

Teil 2: Eybl: Sportbegeisterung ist Must-have

  • Alfred Benold leitet die Lehrlingsausbildung.
    foto: privat

    Alfred Benold leitet die Lehrlingsausbildung.

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