Horthy-Denkmal unter Protesten in Budapest enthüllt

Ansichtssache4. November 2013, 08:10
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Hunderte Gegendemonstranten mit gelben Sternen protestieren und rufen: "Nazis raus!"

Budapest - Unter massivem Polizeiaufgebot und lautstarken Protesten ist am Sonntag in der Budapester Innenstadt ein Denkmal für den ehemaligen ungarischen Reichsverweser und Hitler-Verbündeten Miklos Horthy enthüllt worden. Die Bronzebüste wurde vor der reformierten Kirche auf dem Szabadság tér (Freiheitsplatz) eingeweiht, bewacht von "Soldaten" in Uniformen des ungarischen Heeres zur Zeit des Ersten Weltkrieges.

Der Pastor der Kirche, Lóránt Hegedüs, wurde seinem Ruf als Brandredner und Rechtsextremist gerecht, indem er die Frage stellte, "wer an unserer Seite steht oder an der des israelischen Terrorstaates".

"Schandfleck" Horthy

Hunderte Gegendemonstranten mit gelben Sternen hatten sich gegenüber der Kirche versammelt, um gegen das Denkmal zu protestieren. Ein Student erklärte gegenüber der APA, dass Horthy ein "Schandfleck" in der ungarischen Geschichte sei. Ein älterer Mann formulierte seine Ängste hinsichtlich des erstarkenden "Antisemitismus und Faschismus" in Ungarn. In lauten, dauerhaften Sprechchören forderten die Demonstranten "Nazis raus" und "Es reicht". "Keinen Schritt weiter" stand auf Transparenten, auf denen mit roter Farbe durchgestrichene Hakenkreuze zu sehen waren. Aus den Reihen der Horthy-Anhänger wiederum kamen Rufe wie "dreckige Juden", und es erklangen Hochrufe auf Horthy.

Horthy stand von 1920 bis 1944 an der Spitze Ungarns. Der autoritäre Machthaber ging ein Bündnis mit Hitler ein; unter seiner Führung wurden judenfeindliche Gesetze verabschiedet und Juden deportiert. Der 1957 im Exil gestorbene Horthy wurde während des Kommunismus als Faschist angesehen, rechtsextreme Strömungen versuchten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ihn als Helden der ungarischen Geschichte zu verklären. (APA, 4.11.2013)

>>> Lokalaugenschein: Ungarn baut um

foto: reuters/balogh

Miklós Horthy, noch nicht enthüllt. "Soldaten" in Uniformen des ungarischen Heeres zur Zeit des Ersten Weltkrieges bewachen das Denkmal.

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foto: reuters/balogh

Miklós Horthy, nun enthüllt.

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foto: reuters/balogh

Pastor Lóránt Hegedüs hält eine Rede.

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foto: reuters/balogh

Hunderte Gegendemonstranten sind anwesend. Aus Protest tragen sie gelbe Sterne.

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foto: apa/harriett ferenczi

Immer wieder zu sehen ist das Bild von Horthy und Adolf Hitler.

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