Mit der Harley-Davidson durch Kroatien

4. November 2013, 16:42
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Gepäck, der große Feind des Motorrad-Reisenden. In Kroatien kann man das vermeiden: Das Hotel fährt mit - wie praktisch!

Ein letztes Mal vor diesem nasskalten, schier endlosen Winter noch schnell einmal Wärme tanken! Noch einmal mit langem, ruhigem Blick das Meer und die Inseln verinnerlichen! Noch einmal auf leeren Straßen um die Kurven räubern. So abgedroschen kann die Phrase "der Sonne entgegen" gar nicht sein, dass sie dann nicht doch Sehnsucht erzeugt. Auch und gerade für Motorradfahrer, diese überaus saisonal-empfindliche Spezies.

Fast hätte man hierzulande angesichts der Temperaturen im Oktober in vorwinterliche Weinerlichkeit abgleiten können. Das war's wohl schon wieder mit der lauschigen Motorradsaison. Ab nun wird man in der Früh den Raureif von der Sitzbank wischen und überall auf Laub und Glatteis achten müssen. Da kommt die Einladung des auf internationale Motorrad-Trips spezialisierten Reise-Veranstalters Patrick Unterhuber gerade recht, den Sommer schnell noch einmal einzufangen und wenigstens ein bisserl zu verlängern - und zwar in Kroatien.

Treffpunkt ist Opatija, das elegante Seebad an der Kvarner-Bucht im nördlichen Teil Istriens. "Dort checkst du ins Hotel ein, wir fahren dann auf den Küstenstraßen, in die Berge und auf die Inseln. Wir kommen am Abend immer woanders an, du hast aber immer ein- und dasselbe Hotelzimmer." Wie das? "Nun, unser Hotel ist ein Motorsegler der Reederei Katarina Line. Es wartet allabendlich im Hafen des jeweiligen Etappenziels auf uns. Nichts einpacken, nichts auschecken, nichts transportieren, nichts einchecken - einfach nur fahren. Und schauen. Interesse?" O ja! Wo muss ich unterschreiben?

Als serviceorientierter Touristiker mit jeder Menge an Erfahrung in den USA ist es für Unterhuber auch selbstverständlich, dass er für seine Kunden ein Motorrad organisiert, wenn dies notwendig sein sollte - An- und Abtransport inklusive. "Mir ist jedes Motorrad recht, solange es sich um eine Harley-Davidson handelt", scherzt er. Also wird eine schwarz- und chromglänzende Maschine aus Milwaukee in Empfang genommen - mit fast 350 Kilogramm Eigengewicht nicht gerade ein Zniachterl.

Entspanntes Cruisen ...

Als die kleine Reisegruppe zum Hafen rollt, um die Kajüten zu beziehen und dann gleich gen Süden aufzubrechen, sticht sie einigen Reitern des lokalen Motorradklubs "Seahorses Opatija" ins Auge - oder vielmehr: ins Ohr. Die anfängliche Sorge vor Armdrück- oder Alkoholritualen ist unbegründet: Iggy, Robi, Ante & Co sind kroatische Pendants des gemütlichen Wieners - freilich von sonnigerem Gemüt und von weitaus herzlicherer Freundlichkeit.

Das "Hotel to go" für die nächsten Tage heißt Dalmatia. Die 19 Kabinen sind erstaunlich geräumig und haben alle Klimaanlage sowie Bad und WC. Schnell die Sachen abgeladen, nichts wie rauf auf die Bikes. Die "Seepferdchen" lassen es sich nicht nehmen, den Weg zur Fähre zur Insel Cres zu weisen. Die akustische Präsenz von mehr als einem Dutzend schwerer Chopper wirkt wie ein Schneepflug; entsprechend flott lassen sich die paar Kilometer die Küste entlang absolvieren.

Die Eingewöhnungsphase für die Harley Fat Boy fällt so notgedrungen recht knapp aus. Uhhh... ahhhhh ... rmpfff .... neiiiiin! Eyes Wide Shut!!! Doch ... ja... jaaaa! Schöööön!!! Harley hat wohl vergessen, Kriterien wie Handlichkeit und Schräglagenfreiheit ins Lastenheft aufzunehmen, und daher sind Kurven anders zu meistern als mit "normalen" Motorrädern. Schon bald schlagen die Trittbretter in den Kurven Funken, aber der Grenzbereich ist noch lange nicht erreicht. Später, auf der Fähre, grinst Patrick hinter verspiegelter Sonnenbrillen-Fassade hevor: "Du hast dich für einen Harley-Neuling super gehalten. Auf diesen Straßen und mit diesen Leuten unterwegs sein, das ist wie mit einem Messer zu einer Schießerei zu gehen."

Next Stop: Cres, wohl eine der schönsten Adria-Inseln. Auf einer Fläche wie Wien, allerdings auf 66 Kilometer langgezogen, leben in der Nebensaison nicht einmal 3200 Menschen. Ein Traum. Die gleich große Insel Krk ist da mit 18.000 Einwohnern vergleichsweise überbevölkert. Am Abend liegt die Dalmatia wie versprochen am Kai vor Anker. Crew-Chefin Sanija freut sich über das Wiedersehen und winkt, während Matrose-Stewart-Barkeeper Marko cool die Lage erfasst: "Beer? Gin Tonic? Both?" Yes, please.

... auf traumhaften Straßen

Am nächsten Tag geht's nach einem feinen Frühstück auf dem sonnigen Achterdeck mit Blick über Dorf, Hafen und Küste wieder auf das Festland. Die Jadranska Magistrale gehört für Motorradfahrer zum Besten und Schönsten, was man sich vorstellen kann. Sie kann alles, was die berühmtere California State Route 1 kann. Sie kann es gleich gut oder sogar besser. Okay, sie ist kürzer und weniger amerikanisch, aber das mag mitunter ja auch ein Vorteil sein.

Dann geht's hinauf in die Berge. Schlagartig ist es vorbei mit mediterraner Wärme: Am Vratnik-Pass pfeift ein eiskalter Wind, aber der Ausblick auf die istrische Inselwelt ist einmalig. Diesen genossen bis vor ein paar Jahren auch die Genossen der jugoslawischen Nomenklatura und klotzten einen Hotelbau hin, der jetzt still und verlassen vor sich hinbröckelt. Die Natur holt sich zurück, was der Natur gehört. Gut so.

Die Hochebene: wunderschön. Doch bei der Fahrt durch Gospic schieben sich Bilder jüngerer Vergangenheit in Erinnerung: Hier wütete vor zwei Jahrzehnten ein fürchterlicher Krieg, Serben metzelten Kroaten nieder und dann wieder Kroaten Serben. Noch heute ist diese Historie gegenwärtig: Immer wieder Hausfassaden mit Einschusslöchern im Verputz. Nicht repariert - vielleicht, weil Geld fehlt. Vielleicht aber auch, um nicht vergessen zu lassen. Tourguide Patrick betont, es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, die Reise hierher zu führen, abseits der paradiesischen Urlaubsdestinationen, die kaum zehn Kilometer Luftlinie weit weg liegen.

Und plötzlich wieder: Meer! Über hunderte Kurven geht es an atemberaubend bizarren Felsformationen und durch schattige Olivenhaine wieder runter zur Küste. Am Funkenflug der kratzenden Trittbretter der Harleys lässt sich unschwer der Spaß erkennen, den diese Straße macht. Ganz großes Kino! Patrick hat die Tour selbst gescoutet, alles ist bis ins Detail durchdacht und geplant.

Bloß Anfänger sollten hier lieber nicht fahren. Man muss schon etliche Alpentouren zügig absolviert haben, bevor man sich an diese Kurverei wagt.

Das verspätete Mittagessen gibt's auf der Hafenmole von Sveti Juraj. Eine wie aus dem Nichts aufgetauchte Katze schmust und maunzt hartnäckig und ist damit letztendlich erfolgreich: Grillplatte und Tunfisch-Spaghetti: Vollwertnahrung für Hafenstreuner.

Plötzlich ist es dann doch recht spät geworden: Es gilt, die 16.30-Uhr-Fähre zur Insel Rab zu erreichen. Patrick gleicht im Kopf Wegstrecke mit Zeit ab und legt ein Tempo vor, bei dem "Ins-Land-eini-Schauen" definitiv keine Option mehr ist. Es geht sich dann aber alles locker aus, und die letzten Kilometer hinunter zur Mole kann man sich wieder intensiver dem Studium von Land, Leuten und Flora widmen.

Mit Letzterer wartet Rab zunächst nicht auf: Beim Anlegen glaubt man schon, am Sinai gelandet zu sein. Wüste? Doch schon nach der ersten Hügelkuppe überrascht Rab mit mediterraner Üppigkeit. Traumhaft legt sich die gleichnamige Ortschaft um das Hafenbecken. Und da hinten warten bereits Markos Gin-Tonics, das bewährte Hausmittel gegen Dehydrierung durch permanenten Fahrtwind.

"Ich hatte auch 'ne Vespa"

Ein Kaffee am Morgen ist nie genug. Daher wird, wieder am Festland zurück, in einem Dorf ein kleines Hafencafé angesteuert. Während man sich beim - wievielten? - Cappuccino die Sonne aufs Gesicht scheinen lässt, steigt nebenan eine Gruppe deutscher Senioren aus dem Bus. Innerhalb weniger Sekunden scharen sie sich um die Motorräder. Eine ältere Dame beäugt begeistert Patricks Harley und wendet sich unvermittelt an ihn: "Sie müssen ja wissen: Ich hatte früher auch 'ne Vespa!" Patrick, jahrelang geschult als Harley-Händler und Touristiker, bleibt äußerlich unerschüttert und zieht die Mundwinkel zu einem freundlichen Lächeln rauf: "Ach, wie schön!"

Am Abend, bei beginnender Dämmerung, hat uns Opatija wieder. Während die Maschinen knisternd langsam abkühlen, nähern sich neugierig ein paar Spaziergänger. Vor allem ein herziger kleiner Bub, wohl keine zwei Jahre alt, ist fasziniert. Darf er sich draufsetzen? Natürlich. Er strahlt. Sehr gut. Die Saat ist gesät ... (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, Album, 02.11.2013)

-> Weiterlesen: Fotoreportage zum Text

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Diese Reise wurde unterstützt von Motorrad und Urlaub.

  • Harley-Fahrer können jetzt ganz entspannt Kroatiens Küstenlandschaft genießen - dafür wurde heuer die Bikerkreuzfahrt erfunden.
    foto: gianluca wallisch

    Harley-Fahrer können jetzt ganz entspannt Kroatiens Küstenlandschaft genießen - dafür wurde heuer die Bikerkreuzfahrt erfunden.

  • Der österreichische Reiseveranstalter "Motorrad und Urlaub" bietet ab 2014 kombinierte Motorrad-Schiff-Reisen in Kroatien an. Vom 20. bis 27. September zeigt Inhaber und Tourguide Patrick Unterhuber seinen Gästen die Küstenlandschaft und Inselwelt Istriens und Dalmatiens bei der "Croatia Bike Cruise". Die Tagesetappen sind maximal 240 km lang, die Gesamtkilometerleistung liegt bei 1100 km. Wer die kommende Motorradsaison in Kroatien einläuten will, kann dies (allerdings nur zu Lande) vom 15. bis 18. Mai bei den von Unterhuber organisierten "Opatija Chrome Days" tun. Informationen und Buchungen: www.motorrad-und-urlaub.at
    foto: gianluca wallisch

    Der österreichische Reiseveranstalter "Motorrad und Urlaub" bietet ab 2014 kombinierte Motorrad-Schiff-Reisen in Kroatien an. Vom 20. bis 27. September zeigt Inhaber und Tourguide Patrick Unterhuber seinen Gästen die Küstenlandschaft und Inselwelt Istriens und Dalmatiens bei der "Croatia Bike Cruise". Die Tagesetappen sind maximal 240 km lang, die Gesamtkilometerleistung liegt bei 1100 km. Wer die kommende Motorradsaison in Kroatien einläuten will, kann dies (allerdings nur zu Lande) vom 15. bis 18. Mai bei den von Unterhuber organisierten "Opatija Chrome Days" tun. Informationen und Buchungen: www.motorrad-und-urlaub.at

  • Motorradfahrer lieben naturgemäß das Unterwegssein – den Gepäcktransport aber umso weniger. Der Reiseveranstalter "Motorrad und Urlaub" reagiert darauf mit einem innovativen Package: Das Hotel ist ein Motorsegler der kroatischen Reederei Katarina Line. Halbpension, einmal einchecken und einmal auschecken – das genügt. Dazwischen fungiert das Schiff als schwimmendes "Hotel to go" mit Halbpension. Am Ziel der jeweiligen Tagesetappe wartet das Hotel bereits auf den rechtschaffen müden Biker. Die Kajüten bieten Platz für zwei bis drei Personen, sind voll klimatisiert und haben jeweils ein eigenes Bad/WC. Eine Bar ist ebenfalls an Bord.
    foto: gianluca wallisch

    Motorradfahrer lieben naturgemäß das Unterwegssein – den Gepäcktransport aber umso weniger. Der Reiseveranstalter "Motorrad und Urlaub" reagiert darauf mit einem innovativen Package: Das Hotel ist ein Motorsegler der kroatischen Reederei Katarina Line. Halbpension, einmal einchecken und einmal auschecken – das genügt. Dazwischen fungiert das Schiff als schwimmendes "Hotel to go" mit Halbpension. Am Ziel der jeweiligen Tagesetappe wartet das Hotel bereits auf den rechtschaffen müden Biker. Die Kajüten bieten Platz für zwei bis drei Personen, sind voll klimatisiert und haben jeweils ein eigenes Bad/WC. Eine Bar ist ebenfalls an Bord.

  • Die "Croatia Bike Cruise" beginnt im eleganten Seebad Opatija, das in wenigen Stunden per Pkw, Motorrad, Bahn oder Flugzeug (z. B. Zagreb) erreicht werden kann. Die Tour führt die Küste entlang bis Zadar und auf die Inseln Rab, Pag, Krk und Cres. Das Angebot wendet sich an geübte und erfahrene Biker. Während der Tour gibt es als Backup auch ein Begleitfahrzeug mit Anhänger, das ein ausgefallenes Motorrad bis zur nächsten Reparaturmöglichkeit bringen kann. Wenn die Anreise mit dem eigenen Motorrad nicht möglich ist, kann der Reiseveranstalter ein passendes Motorrad besorgen und an den Startort der Tour bringen.
    foto: gianluca wallisch

    Die "Croatia Bike Cruise" beginnt im eleganten Seebad Opatija, das in wenigen Stunden per Pkw, Motorrad, Bahn oder Flugzeug (z. B. Zagreb) erreicht werden kann. Die Tour führt die Küste entlang bis Zadar und auf die Inseln Rab, Pag, Krk und Cres. Das Angebot wendet sich an geübte und erfahrene Biker. Während der Tour gibt es als Backup auch ein Begleitfahrzeug mit Anhänger, das ein ausgefallenes Motorrad bis zur nächsten Reparaturmöglichkeit bringen kann. Wenn die Anreise mit dem eigenen Motorrad nicht möglich ist, kann der Reiseveranstalter ein passendes Motorrad besorgen und an den Startort der Tour bringen.

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