Umfrage: Mehrheit will Ehe und Adoptionsrecht für Homosexuelle

Conrad Seidl
3. November 2013, 16:44
  • 78 Prozent meinen, soziale Netzwerke wären nicht gut für Kinder und Jugendliche.
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    78 Prozent meinen, soziale Netzwerke wären nicht gut für Kinder und Jugendliche.

Österreicher für Gleichstellung aller Familienformen

Linz - Sprachenvielfalt ist gut, das Facebook ist bös - so lässt sich auf einen Blick die große Familienumfrage des Linzer Market-Instituts für den STANDARD zusammenfassen, dargestellt in der nebenstehenden Umfrage. Insgesamt 90 Prozent der österreichischen Wahlberechtigten finden es gut, dass Kinder von klein auf mehrere Sprachen lernen; 78 Prozent meinen, soziale Netzwerke wären nicht gut für Kinder und Jugendliche. Zwischen diesen beiden hervorstechenden Einschätzungen der heutigen Familienwelt verstecken sich allerdings einige politisch brisante Ergebnisse, die deutlich machen, in welchem Spannungsfeld heute Familien leben.

Market-Institutsleiter David Pfarrhofer: "Wir haben festgestellt, dass die von uns befragten österreichischen Wahlberechtigten insgesamt sehr aufgeschlossen sind - selbst unter den FPÖ-Wählern gibt es eine Mehrheit, die es gut findet, dass Kinder in der Schule mit Kindern aus anderen Ländern in Kontakt kommen. Erwartungsgemäß ist diese Mehrheit nicht sehr groß, aber sie zeigt eine Offenheit, die überrascht. Ähnlich ist das mit der Mehrheit, die schwulen Paaren das Recht auf Adoption von Kindern zugestehen würde: Hier sind zwar Wähler von ÖVP und FPÖ mit knapper Mehrheit dagegen, in der Bevölkerung gibt es aber eine überwiegend positive Stimmung."

35 Prozent für Adoptionsrecht für Homosexuelle

In Zahlen: 35 Prozent der Wahlberechtigten sind "voll und ganz" dafür, dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen, weitere 21 sind überwiegend dafür. Am deutlichsten sind Wähler von Neos, Grünen und SPÖ dafür. Hart dagegen sind 22 Prozent, überwiegend dagegen 15 Prozent.

Eine Heirat (bisher gibt es nur eine "eingetragene Partnerschaft") von gleichgeschlechtlichen Paaren wird von 41 Prozent voll und von weiteren 20 Prozent überwiegend befürwortet. Harte Ablehnung kommt von 15 Prozent, eine immerhin überwiegende Ablehnung von 18 Prozent der Wahlberechtigten. Es sind vor allem junge, rot und grün orientierte Menschen, die die Homo-Ehe befürworten - unter SPÖ- und Grünen-Wählern kommt die Ehe von Homosexuellen auf jeweils rund 75 Prozent Zustimmung.

Weitere politische Aussagen, die sich aus der Umfrage ergeben:

  • Ganztagsschulen werden von insgesamt 64 Prozent der Befragten geschätzt - die Zustimmung ist aber bei Befragten ohne Kinder im Haushalt höher als bei jenen mit Kindern. Männer sind stärker für die Ganztagsschule als Frauen. Und bei ÖVP-Wählern ist eine Mehrheit dagegen.
  • Gymnasien in ihrer achtjährigen Langform werden von insgesamt 59 Prozent befürwortet, sogar unter SPÖ-Wählern findet sich eine relative Mehrheit dafür - und damit für eine Absage an die Gesamtschule. Die engagiertesten Verteidiger des achtklassigen Gymnasiums finden sich in der FPÖ, in der ÖVP und bei den Neos ist die Anhängerschaft des Gymnasiums ebenfalls stark vertreten. Nicht so bei den Grünen, deren Anhänger mit einer sehr schwachen relativen Mehrheit für das Gymnasium sind, die sich aber in hohem Maß in die Gruppe der Unentschiedenen flüchten.
  • Heikel ist auch die Interpretation der Frage nach Leistung. DER STANDARD ließ den 603 Befragten die Aussage vorlegen: "Ich finde es gut, wenn Kinder von klein auf an Leistung gewöhnt werden." Dem stimmen 57 Prozent (19 völlig, 38 überwiegend) zu. Aber: Die Zustimmung ist bei Wählern von ÖVP, FPÖ und Neos deutlich überdurchschnittlich. Grün-Wähler wollen Kinder mehrheitlich vom Leistungsdruck verschonen.
  • Widersprüchlich ist die Haltung zu neuen Technologien: 93 Prozent sagen mehr (55 Prozent) oder weniger deutlich (38 Prozent), dass sie es gut finden, wenn Kinder mit neuen Technologien vertraut gemacht werden. Nur wenn es konkret wird, sind die Befragten überwiegend dagegen: Nur eine Minderheit von 40 Prozent findet das Internet alles in allem positiv für die Kinder und Jugendlichen. Noch schlechter sieht die Einschätzung für Handy und Facebook aus - und alle diese Einschätzungen sind in den Anhängerschaften aller Parteien ähnlich.
  • Umgekehrt ist es mit der gesellschaftspolitisch einst umstrittenen Frage, ob ein unbefangener Umgang mit sexuellen Fragen gut für Kinder und Jugendliche ist - dieses Thema findet in allen Parteiwählerschaften deutliche Zustimmung.
  • Und bei den klassischen Bildungsfragen, deren Bedeutung von Arbeitgebern für essenziell gehalten wird wie Deutsch zu können, rechnen zu können, ordentlich zu grüßen? Hier geben die Österreicher an, dass es Defizite gibt. Nur die Grün-Wähler erkennen diese in deutlich geringerem Ausmaß.
  • Schließlich die "gesunde Watschn". Hier wurde bewusst provozierend die Aussage vorgelegt: "Eine ‚g'sunde Watsch'n hat früher niemandem geschadet und schadet heute auch niemandem." Dieser Ansicht haben sich nur 27 Prozent angeschlossen, nur unter den FPÖ-Wählern teilt sie jeder zweite Befragte und in der niedrigsten Bildungsschicht mehr als jeder Dritte. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 4.11.2013)
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das bekanntermaßen seriöse market institut sagt das also.

na dann.

Es ist traurig, dass es einer Mehrheit bedarf, um Grundrechte durchzusetzen

und trotzdem immer noch alle glauben, wir würden in einer Demokratie leben.

Hmm... n=603...

Wirklich repräsentativ sind Umfragen mit so einem niedrigen Personenkreis nicht gerade. In der Tendenz jedoch denke ich, dass die Mehrheitsverhältnisse pro/contra doch zumindest in etwa hinkommen könnten.

Hallihallo!

Das mag jetzt zwar wie Spam ausschauen und passt nicht ganz zum Artikel, ich bin aber recht verzweifelt auf der Suche nach Personen, die ich hier womöglich erreiche. Bin für jeden Tipp dankbar.

Zur Sache:
Für meine Masterarbeit zum Thema "romantische Eifersucht und Generationen" suche ich u.a. zwei Damen und einen Herrn, die zwischen 1930 und 1935 in Wien geboren sind und ihr Leben auch größtenteils hier verbracht haben. Die Personen sollten eine möglichst hohe Ausbildung genossen haben, ideal wären AkademikerInnen. Diese Personen sollten gerne reden und genug Zeit haben, um sich mit mir ein, zwei Stunden über das Thema zu unterhalten.

Über Antworten freue ich mich sehr!

Genug geplänkelt... Falls Sie gebildete Omas und Opas, Papas und Mamas oder Schwestern und Brüder zwischen ca. 78 und 83 aus Wien haben, wär ich über eine Vermittlung überaus dankbar!

Für welches Studium schreiben Sie Ihre Masterarbeit?

Ich bin Soziologiestudentin

Was wollen Sie denn mit diesem Studium, dem Masterthema später mal machen? Hört sich ja nicht gerade danach an, dass man damit was verdienen kann.

Was machen Sie denn, um sich ein derartiges Urteil zu erlauben?

Machen Sie sich darum mal keine Sorgen...

Wohl Vitamin B, hm? ;)

naja, eigentlich wollte ich mich auf mein gutes Aussehen verlassen... ;)

Hilft sicher auch.Kenne genug Beispiele :)

Ein "Kompromissvorschlag" zum Überdenken

Wir geben in Österreich die Adoption für Homosexuelle frei, schreiben aber gleichzeitig hinein ins Gesetz, dass Kinder ein Recht auf männliche und weibliche Bezugspersonen haben und dass Jugendämter für die allfällige Abweisung homosexueller Werber nicht unter dem Titel Diskriminierung belangt werden können, sollten sie zu dem Schluss kommen, dass die Werber im konkreten Fall unter dem Gesichtspunkt ihrer Familienverhältnisse nicht geeignet sind. Das kann dann gerne auch für die Heterosexuellen Werber gelten.

Haben Sie sich schon mal überlegt, dass im Grunde genommen ein jedweder Homosexuelle im "falschen Elternhaus" groß wird, da zumeist glücklich heterosexuell verheiratete Eltern, die oft zumindest in einzelnen Belangen "typische Rollenkonstellationen" vorleben. Das Rollenmodell Heterosexualität ist kein Wert an sich, zudem dann, wenn eine Gesellschaft es möglich macht, Kinder alleinerziehend großzuziehen (auch dann, wenn der heterosexuelle Partner noch lebt).

Ich stimme Ihnen deshalb zu, vorerst die sexuelle Orientierung der zur Adoption freigegebenen Kinder zu überprüfen, die Familienverhältnisse in Rollenmodellen (ja oder nein unter Berücksichtigung der späteren beruflichen und persönlichen Ziele der Adoptivkinder zu erfragen)... ;-)

"schreiben aber gleichzeitig hinein ins Gesetz, dass Kinder ein Recht auf männliche und weibliche Bezugspersonen haben "

.
wie wollen'S dieses "recht" denn bei alleinerziehenden menschen durchsetzen?

wenn eine männliche oder eine weibliche bezugsperson fehlt, wird dann eine vom jugendamt bestellte "bezugsperson" zwangsverpflichtet, für das kind zu mitzusorgen?
und der leibliche elternteil wird verpflichtet, diese "bezugsperson" zu akzeptieren, sofern er/sie keine "eigene" vorweisen kann?

ein bisserl wenig durchdacht, ihr "kompromissvorschlag" ;o)

Vielleicht irre ich mich

Aber mein Kentnisstand ist, das Kinder nicht von Alleinerziehenden adoptiert werden. Kann aber auch sein, dass ich da falsch informiert bin.

Doch, in Österreich sogar gar nicht so selten. allerdings ist das im allgemeinen Verwandtenadoption, jemand adoptiert zB seine kleinen Bruder, weil die Eltern früh verstorben sind oder seine Nichte etc pp.
Von dieser Adoption sind übrigens verpartnerte Homosexuelle auch ausgeschlossen, Singles aber nicht.
Allerdings sind die Kriterien für die Adoption von Verwandten generell ein bisschen Anders.

Sie sprachen ja nicht von von alleinerziehenden adoptierten kindern, sondern von allen kindern, die ein recht auf männliche und weibliche bezugspersonen haben .
somit müssten Sie entweder alleinerziehenden müttern und vätern die kinder wegnehmen, oder ihnen eine staatlich verordnete andersgeschlechtliche "bezugsperson" zur seite stellen.
oder sind'S bei Ihren phantasien nicht konsequent? ;o)

Bei meinem Vorschlag ging es immer und ausschließlich um Adoption, und das mit dem Zwang und "Kinder wegnehmen" kommt von Ihnen. Stichwort "Fantasie"!

Es geht ja bei Adoption NICHT darum dass irgendwelche Erwachsene sich den Kinderwunsch erfüllen, sondern dass Kindern, deren biologische Eltern nicht mehr für sie sorgen können BEST MÖGLICHER Ersatz durch Adoptivrltern vermittelt wird. Da ist der höchste Masstab an zu setzen, und nicht der gesellschaftliche Durchschnitt mit seinem Anteil an dysfunktionalen Familien! und dies um so mehr, da es ja schon ohne gg Paare viel mehr Werber als Kinder gibt, die einen Platz brauchen. Es ärgert mich gewaltig, wie die Debatte die Aktzente bei der Diskussion auf den Kinderwunsch legt und verschleiert wor

"Bei meinem Vorschlag ging es immer und ausschließlich um Adoption"

.
richtig.

und darum, dass Sie heterosexuell veranlangte menschen pauschal als geeignet für adoptiveltern halten, und homosexuelle menschen nicht.

ich hingegen halte menschen - zum wohl des kindes - nach eingehender prüfung für geeignet oder nicht geeignet, und zwar unabhänigt von hautfarbe, haarfarbe, geschlecht, religion oder sexueller orientierung.

... worum es bei Adoption in der Hauptsache geht.

"dass Kinder ein Recht auf männliche und weibliche Bezugspersonen haben"

Ich habe mich noch nicht schlau gemacht, aber vielleicht wissen sie mehr bescheid: gibt es in Österreich Kinderheime, die von der katholischen Kirche geführt werden ? Sind dort gleichermaßen Frauen wie Männer als Betreuungspersonen angestellt ?

Ich frage mich immer, warum ausgerechnet aus dem Nahbereich der Kirche soviel "Angst" vor Kindesmißbrauch herrscht ? Obwohl: eigentlich frage ich mich das eh nicht.

Es gibt in Österreich schon seit langem keine Kinderheime mehr von der katholischen Kirche.
Fragen Sie sich mal, warum all die Fälle, die da in letzer Zeit ins Rollen gekommen sind von Missbräuchen und Vergewaltigungen in öffentlichen Einrichtungen stattgefunden haben. STichwort Pitten, Stichwort, Wilhelminenberg, ´STichwort div. Wohngemeinschaften der MA 11.

Hatte vor kurzem das VErgnügen, einen Leiter so einer WG zuhören zu dürfen. Sowas von Wurschtigkeit war frappant. Bei jeder Frage bezüglich Schwierigkeiten mit den Kindern kam ein lapidares: "Da sind Betreuer pädagogisch herausgefordert." Vernünftige Antworten kamen nicht.

Also ich war nie katholisch und habe da wenig Ahnung. Aber bei SOS Kinderdorf sind es in der Regel nur Frauen, die ein Haus betreuen.

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