Obacht vor Linkswedlern

1. November 2013, 19:06
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Rechtslastiges Wedeln zeigt Entspannung an, während linkes Wedeln von Stress zeugt: Die Stimmungslagen werden dadurch auch auf andere Hunde übertragen

Trient/Wien - Wedelt ein Hund mit dem Schwanz, dann wird das im Normalfall als Ausdruck der Freude gedeutet. Menschen mit mehr Hundekenntnis wissen hingegen: Ganz so eindeutig ist das nicht. Schwanzwedeln zeigt allenthalben an, dass der Hund erregt ist - und das kann positive oder negative Ursachen haben.

Neurowissenschafter aus Italien haben nun ein weiteres Detail des Schwanzwedelns entschlüsselt: Je nach Stimmungslage wedeln Hunde etwas stärker nach links oder aber nach rechts. Diese Asymmetrie wirkt sich wiederum auf Artgenossen aus: Linkslastiges Wedeln löst bei anderen Hunden demnach eher negative Emotionen aus, rechtslastiges Wedeln positive.

Das Wedel-Ungleichgewicht war der Forschergruppe um Giorgio Vallortigara (Uni Trient) und Angelo Quaranta (Uni Bari) bereits vor einigen Jahren aufgefallen. Für ihre neue, im Fachblatt "Current Biology" veröffentlichte Studie machten die Wissenschafter die Probe aufs Exempel und setzten 43 Hunde verschiedener Rassen vor Videos, auf denen ein Hund oder die Silhouette eines Hundes frontal zu sehen war - mit rechtsseitig und linksseitig wedelnder Rute.

Beim Anblick einer zur linken Seite wedelnden Hundegestalt wurden die Hunde deutlich unruhiger, berichten die Forscher. Ihr Puls stieg demnach teilweise auf das Doppelte des Ruhewertes. Bei einem Gegenüber, der zur rechten Seite wedelte, blieben die Tiere dagegen ruhig. Außerdem zeigte sich, dass es bei Aktivität der rechten Hirnhälfte eher zum links gerichteten Wedeln kommt.

"Die Wedelrichtung bedeutet den Tieren also etwas", schließt Vallortigara: "Ein Hund, der durch sein Wedeln positive Emotionen zeigt, erzeugt damit eine entspannte Reaktion bei seinem Gegenüber." Silhouetten ohne Schwanzbewegung lagen bei den Reaktionen im Mittelfeld. Sie haben stärkere Stressreaktionen ausgelöst als rechts wedelnde Hunde.

Die Neurowissenschafter gehen davon aus, dass sich die neuen Erkenntnisse auch gezielt nutzen lassen könnten: etwa beim Tierarzt zur Beruhigung der vierbeinigen Patienten. (tasch; dpa, DER STANDARD, 2.11.2013)

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    foto: siniscalchi et al
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