EU-Kommission warnt vor teurem Fleisch durch Herkunftskennzeichnung

2. November 2013, 13:37
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Untersuchung: Starke Preisanstiege bei Nachweis von Herkunftsland

Berlin -  Eine verbindliche Herkunftskennzeichnung bei Fleisch könnte nach Einschätzung der EU-Kommission zu einem massiven Preisanstieg führen. Je nach Art der Kennzeichnung könnten die Produktionskosten um bis zu 50 Prozent steigen, heißt es im Entwurf eines Berichts der EU-Kommission an das Europäische Parlament und den EU-Rat. Die Kostensteigerungen könnten zu 90 Prozent auf die Verbraucher abgewälzt werden.

Die EU-Kommission analysiert in dem Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, die Auswirkungen einer Herkunftskennzeichnung für drei mögliche Varianten: Die Kennzeichnung bleibt wie bisher freiwillig, es wird künftig angegeben, ob Fleisch aus der EU kommt oder nicht, oder die Fleischindustrie nennt künftig das genaue Herkunftsland. In der EU hatte der Pferdefleischskandal zu Jahresbeginn die Diskussion um eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch, Fleischprodukte und andere verarbeitete Lebensmittel mit Fleisch befeuert.

Eingeschränkte Kennzeichnung

Nach dem BSE-Skandal gilt eine verbindliche Herkunftskennzeichnung bisher nur für Rindfleisch. Angegeben werden müssen Geburts- und Mastort, Schlacht- und Zerlegungsbetrieb. Nun will die EU eine Herkunftskennzeichnung auch für Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege einführen.

In ihrem Bericht kommt die EU zu dem Schluss, dass bei einer freiwilligen Kennzeichnung wie bisher auch die Kosten auf bisherigem Niveau blieben, ein verbindlicher Herkunftsnachweis hingegen für Unternehmen Kostensteigerungen in der Produktion und im Verwaltungsbereich bringe. Auch Aufsichtsbehörden müssten mit höheren Ausgaben rechnen, wenn sie die Kennzeichnung der Fleischindustrie kontrollieren müssten.

Höhere Kosten

Würden Verbraucher künftig darüber informiert, ob Fleisch aus der EU komme oder nicht, könne dies die Produktionskosten um bis zu 25 Prozent nach oben treiben, heißt es in dem EU-Bericht. Werde künftig das Herkunftsland von Fleisch ausgewiesen, könne dies für Kostensteigerungen bei den Fleischproduzenten zwischen 15 und 50 Prozent sorgen. Die Kosten für Lebensmittelbehörden zur Kontrolle der Fleischindustrie würden um bis zu 30 Prozent steigen.

Es sei davon auszugehen, dass die Fleischbranche die Kostensteigerungen zu 90 Prozent an die Verbraucher weitergebe, heißt es in dem Entwurf des Reports. Zehn Prozent der Mehrkosten verblieben voraussichtlich bei der Industrie.

Die Verbraucher jedoch seien aber kaum bereit, mehr Geld für eine Herkunftskennzeichnung bei Fleisch auszugeben, heißt es in dem EU-Berichtsentwurf. Am wichtigsten sei bei der Kaufentscheidung der Konsumenten der Preis, dann die Beschaffenheit und Qualität des Fleischs. Zwar bestehe seitens der Verbraucher auch der Wunsch nach einer Herkunftskennzeichnung. Diese spiegle sich aber nicht in einer höheren Bereitschaft wider, dafür auch zu zahlen.

Die Grünen im Bundestag forderten - trotz erwartbarer Kosten - eine künftige Herkunftskennzeichnung für Fleisch nach dem Herkunftsland. Eine Kennzeichnung lediglich unter dem Gesichtspunkt, ob Fleisch aus der EU komme oder nicht, wäre "nichtssagend", erklärte Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn. Die Kennzeichnung zum Herkunftsland solle auch Angaben zur Geburt der Tiere enthalten, zur Aufzucht und Schlachtung.

Berlakovich für mehr Transparenz

Auf einen Bericht, wonach die EU-Kommission trotz des Pferdefleischskandals nur geringfügige Änderungen bei der Kennzeichnung der Herkunft von Fleischbestandteilen plant, hat am Samstag Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) reagiert. Er forderte mehr Transparenz bei der Herkunft der Lebensmittel. Österreich werde weiterhin für eine Rückverfolgbarkeit von Fertigprodukten eintreten.

Berlakovich fordert die Kommission auf, im Bericht über die Machbarkeit zur Ursprungskennzeichnung die Deklaration bei Fertigprodukten und verarbeitetem Fleisch noch einmal zu überarbeiten. Dass sich die EU-Kommission gegen eine verbindliche Herkunftskennzeichnung ausspricht, "ist nicht nachvollziehbar", so der Ressortchef. (APA, 1.11.2013)

  • Rind oder Pferd? Nach dem Skandal über verunreinigtes Pferdefleisch wurden Rufe nach verschärften Kennzeichnungspflichten laut. Die EU-Kommission hält wenig von derartigen Plänen.
    foto: dp/rehder

    Rind oder Pferd? Nach dem Skandal über verunreinigtes Pferdefleisch wurden Rufe nach verschärften Kennzeichnungspflichten laut. Die EU-Kommission hält wenig von derartigen Plänen.

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