Infiniti Q50: Lenken und lenken lassen

6. November 2013, 17:00
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Infiniti will mit dem Q50 endlich in Europa punkten und lässt ihn, außen gefällig, innen aufgeräumt, gegen Audi, BMW und Mercedes Benz antreten

Sie hatte ja bei uns nie ein leichtes Leben, die Nobel-Tochter von Nissan, Infiniti. Jetzt wollen die Japaner mit dem Nachfolger des G37, dem Q50, in der gehobenen Mittelklasse das Ruder herumreißen. Das versucht Infiniti unter anderem auch tatsächlich mit einem neuen Ruder. Steer-by-Wire heißt die neue Lenkung, die man optional ordern kann.

Was die kann, ist schnell erklärt. Sie lässt sich einstellen: von sportlich bis schlaff. Reicht im Sportmodus eine Viertelumdrehung am Lenkrad, und etwas Kraftaufwand, um durch eine Kurve zu kommen, muss man in der Komfortzone mehr kurbeln, dafür geht das dann kommod.

Die perfekte Lenkung?

Die Lenkung saugt sich diverse Parameter aus dem Bordcomputer und passt sich selbst an, reagiert also auf der Autobahn anders als beim Rangieren auf dem Parkplatz. Weiterer Vorteil: Beim Überfahren von Unebenheiten werden keine Stöße ans Lenkrad übertragen. Und mit Active Lane Control hält sich der Q50 selbst in der Spur. Die perfekte Lenkung also?

Kommt darauf an, was man möchte. Nutzt man den Q50 als Kilometerfresser und saugt sich damit nur über Autobahnen, dann ist das alles schon sehr angenehm. Leidig aber im Kurvengewühl.

Entkuppeltes Feedback

Nicht, weil der mehr als 360 PS starke Hybrid - den wir aus dem M35h, jetzt Q70, kennen - dafür zu schwachbrüstig wäre. Oh nein. Sondern weil man einfach kein Feedback über diese Lenkung bekommt. Dabei ist das System über ein mechanisches Gestänge zusätzlich abgesichert - das aber im Normalbetrieb entkuppelt ist.

Zum Herumbolzen ist der Q50 also nicht gedacht. Ein weiterer Grund, warum bei uns der Diesel wieder einmal die beliebtere Motorisierung sein könnte. Den Vier-Zylinder-Selbstzünder holt sich Infinti von Daimler. Mit dem 170 PS starken Aggregat schafft man den Sprint von 0 auf 100 km/h dann zwar nicht in 5,1 Sekunden, sondern braucht 8,7 - aber das ist immer noch mehr als nur gut. Zudem ist der Diesel deutlich sparsamer als der Hybrid, wie eine erste Testfahrt klar zeigte.

Da fliegt das Heck

Wer aber einen Allrad wünscht, muss doch zum Hybrid greifen. Den Diesel gibt es nur mit Hinterradantrieb. Aber da werden die Augen eh gleich direkt feucht. Vor allem, weil das Driften mit der ungeliebten Lenkung so erstaunlich einfach geht, dass ein paar Minuten innere Einkehr die Folge sind. Gach braucht man gar kein Feedback an der Lenkung? Ist wurscht, was vorn genau passiert, wenn nur die Hinterräder angetrieben werden? Nein, oder?

Doch lassen wir das persönliche Faible für Heckschleudern einmal außen vor. Und vielleicht auch das Design, auf das Infiniti so stolz ist, das aber doch wirkt, als wäre es aus sechs bis sieben Autos, die schon am Markt sind, zusammengewürfelt.

Zwei Touchscreens

Werfen wir lieber einen Blick in den Q50. Zwei Touchscreens sind die zentralen Steuerzentralen. Der Innenraum wirkt aufgeräumt, wenn auch nicht übermäßig exklusiv und überladen mit Leder.

Er ist ein stimmiges Auto, der Q50, für Langstreckenfahrer, die Komfort schätzen. Und da passt auch der Preis. Aber der starken deutschen Konkurrenz wird der Q50 wohl nicht wirklich wehtun. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD, 31.10.2013)

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Infiniti

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Der Infinit Q50 folgt dem G37 nach und soll in der gehobenen Mittelklasse das Ruder herumreißen.
    foto: infiniti

    Der Infinit Q50 folgt dem G37 nach und soll in der gehobenen Mittelklasse das Ruder herumreißen.

  • Beim Design, glaubt man manchmal das eine oder andere Detail schon einmal wo gesehen zu haben.
    foto: infiniti

    Beim Design, glaubt man manchmal das eine oder andere Detail schon einmal wo gesehen zu haben.

  • Innen gibt es zwei Touchscreens und ein Lenkrad das die Befehle rein elektronisch weitergibt.
    foto: infiniti

    Innen gibt es zwei Touchscreens und ein Lenkrad das die Befehle rein elektronisch weitergibt.

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