Kollers Bauch entschied sich für ÖFB-Team

31. Oktober 2013, 11:58
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Nicht das Geld sei ausschlaggebend gewesen, sondern vielmehr ein Bauchgefühl sowie der Einfluss von Spielern, Fans und ÖFB-Mitarbeitern

Wien - Marcel Koller hat sich bei der Entscheidung für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft von seiner inneren Stimme leiten lassen. Seine Vertragsverlängerung beim ÖFB sei eine "Bauchentscheidung" gewesen, bekannte der Schweizer am Donnerstag nach seiner Rückkehr nach Wien.

In den Tagen nach dem Färöer-Match am 15. Oktober war der 52-Jährige hin- und hergerissen zwischen dem österreichischen und dem Schweizer Verband. "Es war wichtig, in mich zu gehen und zu spüren, was ich möchte. Das Gefühl war einen Tag für Österreich, dann wieder für die Schweiz."

Argumente zum Bleiben

Am Ende schlug das Pendel aber in Richtung Österreich. "Früher habe ich meine Entscheidung immer nach sportlichen Gesichtspunkten getroffen, diesmal sind Emotionen dazugekommen. Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, du kannst noch nicht gehen, du musst dieses Projekt weiterführen", erklärte Koller. Einen wesentlichen Teil zu seinem Entschluss hätten Spieler, Fans und ÖFB-Mitarbeiter geleistet, die ihn zum Bleiben drängten. "Das hat alles reingespielt, und so etwas kann ich nicht einfach wegschmettern."

Allerdings sei auch die Verlockung groß gewesen, die Auswahl seines Heimatlandes zu übernehmen. "Da macht man sich natürlich Gedanken darüber, wenn man die Schweiz trainieren kann, die sportlich weiter vorne ist und zur WM nach Brasilien fährt."

Finanzielles als Nebensache

Finanzielle Aspekte hätten keine wesentliche Rolle gespielt, so Koller. "Geld war nie eine Triebfeder. Es gehört dazu, aber schlussendlich muss das ganze Paket passen." Er habe sich nur einmal mit Vertretern des Schweizer Verbandes getroffen und wollte nicht pokern.

Nun will er die Österreicher weiter nach vorne bringen. "Es braucht noch Zeit, um das Team nach vorne zu bringen. Aber man spürt, dass diese Mannschaft Potenzial hat", meinte Koller und verwies auf die Entwicklung seit seinem Amtsantritt im November 2011. "Alle, die sich in Österreich für Fußball interessieren, haben gemerkt, dass etwas vorwärtsgegangen ist und die Mannschaft ein Gesicht bekommen hat."

In seiner Nachdenkphase kümmerte sich der Schweizer nach eigenen Angaben nicht um Medienberichte über seine Person. "Ich habe mich 14 Tage lang abgekapselt. Natürlich kriegt man das eine oder andere mit, aber man versucht es beiseitezulassen, damit es nicht zu einer Beeinflussung kommt."

Diffamierende Geschichten

Sehr wohl mitbekommen hat Koller so manchen untergriffigen Artikel in Österreich. "Ich habe die letzten Schlagzeilen gehört. Da fragt man sich, wie man solche Geschichten erzählen kann, wenn man nicht richtig informiert ist." Der Teamchef sprach in diesem Zusammenhang von Rufschädigung und meinte in Richtung ÖFB: "Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen passiert."

ÖFB-Präsident Leo Windtner verwendete in diesem Zusammenhang das Wort "Diffamierung" und erklärte: "Koller hat unsere volle Unterstützung."

Die ganze Konzentration des Teamchefs gilt aber nun wieder dem ÖFB-Team, das am 11. November zur Vorbereitung auf das USA-Länderspiel am 19. November in Wien zusammentrifft. "Wir werden dieses Spiel seriös angehen. Wir müssen auch in Freundschaftsspielen an unsere Grenzen gehen", betonte Koller vor dem Spiel, das wesentlich zu einer Setzung Österreichs in EM-Quali-Topf drei beitragen könnte.

Rumpfkader für USA-Spiel steht

Gröbere Änderungen im Kader wird es für das Duell mit den Amerikanern nicht geben. "Das Team steht. Dass immer wieder Spieler dazukommen können, hat man zuletzt bei (Lukas) Hinterseer gesehen. Es liegt aber auch an den Spielern, die sich aufdrängen müssen", meinte Koller.

Allein schon aufgrund der Altersstruktur wird es auch in der bevorstehenden EM-Qualifikation keinen Umbau geben. Koller will mit dem aktuellen Stamm das Ticket für Frankreich lösen. "Ich kann nicht versprechen, dass wir uns qualifizieren werden. Aber ich kann versprechen, dass wir alles dafür tun werden", erklärte Koller. Besonderen Druck verspüre er nicht. "Den hatten wir vorher auch, deswegen freue ich mich auf die nächsten Spiele." (APA/red, 31.10.2013)

  • "Geld war nie eine Triebfeder", so Koller, der auch nicht gerne pokert.
    foto: apa/ neubauer

    "Geld war nie eine Triebfeder", so Koller, der auch nicht gerne pokert.

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