Geröstetes Brot oder fest durchschnaufen

Blog5. Dezember 2013, 12:15
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Der Suchtfaktor kommt bei "Ploom" angeblich ebenfalls auf seine Kosten, aber auch Sauerstoff kann für den "Neuanfang" ganz hilfreich sein

Verbrennen nein, Tabak ja
Von Regina Walter

Die bislang größte Enttäuschung: Ploom - Tabak für das 21. Jahrhundert. 24 Euro kostet das Ding, das in etwa so stylish ist wie ein Apple-Teil. Für 10 Euro mehr, gibts dann noch die Pods, die mehr an Nespresso- denn an Tabak-Kapseln erinnern.

Der Kollege, der mental noch nicht bereit und mittlerweile auch schon etwas sauer auf mich ist, weil ich ihm angeblich Druck mache. - Genau dieser Kollege hat mich auf die Idee mit der Ploom gebracht. Weil so ganz ohne Nikotin und Tabak, wie das die andere E-Zigarette von mir verlangt, da mach ich nicht mehr mit.

Das Ploom-Konzept: Tabak ja, Verbrennung nein. Sanftes Erhitzen soll hier die gesunde Alternative sein. Und damit die Sucht nicht zu kurz kommt, das Ganze auch noch mit Nikotin. Klingt plausibel, ist es aber nicht. Optisch hat das Ding null mit einer Zigarette zu tun. Muss aber auch nicht sein, hat bei mir ohnehin nicht gefruchtet.

Geröstetes Brot

Das Mundstück erinnert an eine Pfeife und die Handhabung - so viel weiß ich bereits nach dem ersten Zug - empfiehlt sich ebenfalls in diese Richtung. Weil inhalieren geht gar nicht. Das Zeug reizt die Lunge, dass ich aus dem Husten gar nicht mehr rauskomme.

Also nur paffen, denk ich, auch wenn das mit Rauchen für mich rein gar nichts mehr zu tun hat. Aber auch da Sekunden später schon die Enttäuschung: Das Mundstück wird dermaßen heiß vom Wasserdampf, dass ich um meine Lippen fürchte. Beim Geschmack denk ich an geröstetes Brot und stinken tut es noch dazu - also für den öffentlichen Raum nicht mehr oder weniger geeignet als eine Tschick. Schön langsam krieg ich Zweifel, ob E-Zigaretten mein Ding sind.

 

Der Abstinenz entgegenschnaufen
Von Günther Brandstetter

Ich bin "angefressen". Auf mich. Weil ich nicht konsequent genug bin. Einerseits ist mir sonnenklar wie sinnbefreit der Griff zur Zigarette ist, auf der anderen Seite fällt es unsagbar schwer ganz die Finger davon zu lassen. Vielleicht lässt Allen Carr doch ein kleines Pflänzchen in meinem Kopf wachsen? Schließlich häufen sich die Tage, an denen ich mir denke: "So, jetzt hörst du einfach auf. Sang- und klanglos. Dann hat sich das mit dem Blog auch erledigt. Eine 'Baustelle' weniger!" Das müsste doch Ansporn genug sein.

Ist es aber nicht. Neuerdings beiße ich tagsüber auf Nikotinkaugummis herum. Das ist noch sinnbefreiter als Rauchen. - Denn das kleine, gelbliche Quadrat brennt in Mund und Rachen, wenn die Kauanleitung nicht genau befolgt wird. Der einzige Vorteil: Manchmal vergesse ich auf die Zigaretten. Das kann aber auch daran liegen, dass es mittlerweile arschkalt ist und die Sucht so gar keine Freude mehr macht.

Angst vor dem komisch riechenden Fleischberg

Ich weiß, das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ich weiß außerdem: Mir läuft die Zeit davon. Vergangene Woche war der Geburtsvorbereitungskurs für Paare, bei dem wir zu zehnt auf das freudige Ereignis hingeatmet haben. Meine Lunge pfeift ein wenig. Ich bin der einzige, der sich immer wieder mal räuspert, manchmal sogar hustet. Das ist peinlich und macht betroffen. - Zumindest mich.

Ich habe gelernt, dass Säuglinge über einen hervorragenden Geschmacks- und Geruchssinn verfügen. Nach etwa vier Tagen kann der kleine Mensch seine Mama am Geruch erkennen - vorausgesetzt sie hat sich nicht in eine Wolke Chanel oder was auch immer gehüllt. Ich will auch, dass mich die Knirpsin, die in etwa neun Wochen den Bauch ihrer Mama verlässt, riechen mag. Mich und nicht ein vom Nikotin geselchtes Irgendwas, das mit seiner sonoren Stimme den Gestank von Zigaretten verbreitet. Womöglich fängt sie zu weinen an, wenn sie mich nur hört - aus Angst, der komisch riechende Fleischberg könnte sie hochheben oder - noch schlimmer - in den Arm nehmen.

In der Praxis, wo die kollektive Schnauferei stattgefunden hatte, lag ein Prospekt auf. "Hypnose zur Rauchentwöhnung. Mit 2-Jahres-Erfolgsgarantie". Davon erzähle ich am nächsten Tag der Kollegin. Ihre lapidare Antwort: "Ich lasse mir doch nicht in meinem Kopf herumpfuschen." - Das saß! Ich habe mir heute einen Termin für nächsten Montag ausgemacht - nicht beim "Zauberer", sondern bei einem Allgemeinmediziner, der meine Ohren perforiert. (Regina Walter / Günther Brandstetter, derStandard.at, 5.12.2014)

  • Auch keine Alternative - Ploom, der verbrennungsfreie Nikotinersatz.
    foto: derstandard.at/regina walter

    Auch keine Alternative - Ploom, der verbrennungsfreie Nikotinersatz.

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