Mäusedamen wählen ihre Partner nach dem Urin-Duft

31. Oktober 2013, 10:15
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Im Urin männlicher Mäuse stecken mehr Informationen als gedacht: Männchen, die besonders viele Markierungen setzen, haben auch mehr Nachkommen

Aus dem Geruch von Urin männlicher Mäuse beziehen die Weibchen offenbar wichtige Informationen über potenzielle Paarungspartner. Wissenschafter vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni Vienna untersuchten rund 100 Hausmäuse und fanden heraus, dass Männchen, die besonders viele "Duft"-Markierungen hinterlassen, mehr Nachkommen produzieren. Die Forscher glauben, dass die Mausweibchen aus den Markierungen Schlüsse auf die Qualität der Männchen ziehen.

Uringeruch als sekundäres Geschlechtsmerkmal

Viele Tiere markieren ihr Territorium, indem sie an strategischen Punkten urinieren. Dieses Verhalten ist ein wichtiges Kommunikationsmittel und stellt unter anderem klar, wer sozial dominant oder untergeordnet ist. Markierungen dienen wahrscheinlich auch dem Werben um die Weibchen und sollen mögliche Mitbewerber abschrecken. Der Geruch der Mäusemarkierungen scheint ein sekundäres Geschlechtsmerkmal zu sein – vergleichbar mit den Federn eines Pfaus. Weibchen können also über den Duft beurteilen, ob ein Männchen stark und gesund ist. Untergeordnete Mäusemänner oder gar kranke produzieren weniger auffällige und attraktive Duftmarkierungen.

Weibliche Mäuse durften für die Studie ihre Sexualpartner frei wählen und dann ihre Jungtiere austragen. Vaterschaftsanalysen bei den Nachkommen ergaben, dass gerade die Männchen, die zuvor am stärksten markierten, auch am häufigsten Väter wurden. "Wir zeigen hier erstmals, dass die sexuelle Selektion das Markierverhalten aufrecht erhält. Weibchen wählen nämlich die starken Markierer für die Fortpflanzung aus, wenn sie frei wählen können", meint Verhaltensforscher Dustin Penn.

Mehrere Erklärungsmodelle

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle dafür, warum Weibchen sich für die stärkeren Markierer entscheiden. Einerseits vermittelt starkes Markieren wahrscheinlich gute Gesundheit und Kondition der Männchen. Markieren kostet allerdings Energie. Schwache Männchen können es sich also gar nicht leisten, viel zu markieren. Darüber hinaus locken die Tiere mit ihrem Markierungsverhalten ungewollt Fressfeinde an, und das können sich schwache Mäuse schon gar nicht leisten.

Was passiert aber, wenn fremde Männchen in das Territorium anderer männlicher Mäuse eindringen? Um dies herauszufinden, simulierten die Erstautorin Kerstin Thonhauser und ihre Kollegen Eindringlinge, indem sie die Käfige mit PVC Platten auslegten. Nach einiger Zeit vertauschten die Forscher die Platten mit denen anderer Männchen und entließen die einzelnen Mäuseriche wieder in die nun fremd riechenden Käfige. Dort konnten die Mäuse erneut ihre eigenen Duftmarken setzen. Nach Auswertung der Markierungsspuren zeigte sich eindeutig, dass männliche Mäuse stärker Markieren, wenn sie dem Geruch anderer Mausmännchen ausgesetzt sind. Sie versuchen also Eindringlinge mit starker Markierung abzuschrecken.

Schwächere Männchen werden "guten Freunde"

Die sexuell weniger erfolgreichen Männchen gehen aber auch nicht leer aus. Mausweibchen bevorzugen es, mit den weniger attraktiven Männchen Zeit zu verbringen, während sie die starken Männer zum Fortpflanzen auswählen. Die "guten Freunde" sind also nicht gleich attraktive Sexualpartner. Die Forscher untersuchen nun die genaue Zusammensetzung des Urins der Tiere. Vielleicht finden sie hier Hinweise darauf, wie Mäuse Informationen über Gesundheit und körperliche Kondition im Markierverhalten weitergeben. (red, derStandard.at, 31.10.2013)

  • Mäuseweibchen finden den Uringeruch der Männchen besonders betörend. "Stinkende" Mäuseriche haben dabei mehr Erfolg bei den Damen und produzieren mehr Nachkommen.
    foto: kerstin thonhauser / vetmeduni vienna

    Mäuseweibchen finden den Uringeruch der Männchen besonders betörend. "Stinkende" Mäuseriche haben dabei mehr Erfolg bei den Damen und produzieren mehr Nachkommen.

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