Flüchtlingsprotest und EU-Asylsystem

31. Oktober 2013, 09:35
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Die Kunstakademie sei kein geeigneter Ort für Flüchtlingsprotest, betont deren Rektorin Eva Blimlinger. Eine Expertin sieht die fortgesetzten Aktionen in Defiziten des Asylsystems der EU begründet

Wien - Neu ist nur der Ort des Protests - die Forderungen nicht: "Wir wollen legalen Aufenthalt in Österreich oder aber das Löschen unserer Fingerabdrücke aus dem EU-weiten Eurodac-Verzeichnis, um in einem anderen Land eine Chance zu bekommen. Wir wollen, dass Asyl überall in der Union zu den gleichen Bedingungen erteilt wird", verkünden die fünf Männer auf dem Podium in der Aula der Wiener Akademie der bildenden Künste.

Und vor allem: Sie wollen zusammenbleiben, alle 24 Flüchtlinge, die seit Dienstagabend in der Halle ausharren. Werde die Gruppe aufgeteilt, in Grundversorgung in private Unterkünfte wie geplant, drohe jenen Sieben, deren Asylbescheid rechtskräftig negativ ist die Abschiebung, erläutert Jahangir Mir, einer der Sprecher. Die Wände werfen seine Stimme in den Raum, wo zwischen den Renaissance-Säulen Transparente hängen: "NoborderZone" und "Kein Mensch ist illegal".

Frist soll gesetzt werden

In der Halle stehen sonst nur Sessel, keine Matratze, kein Schlafsack ist zu sehen. "Wir würden diese auch rasch wieder rausbringen lassen", sagt Akademie-Rektorin Eva Blimlinger. Denn in der Akademie campieren, wie davor im Wiener Servitenkloster, und weiter davor in der Wiener Votivkirche könnten die Männer nicht - "aus sanitären Gründen und Sicherheitsgründen".

Daher, so die Rektorin, werde sie den Männern eine Frist setzen, binnen derer sie die Akademie wieder zu verlassen hätten. Und wenn sie das nicht tun?: "Ob wir dann die Polizei rufen, kann ich derzeit nicht sagen."

Expertin: EU-System hat Defizite

Im Standard-Gespräch kritisiert Blimlinger jene Flüchtlingsunterstützer, die sich "in Polittalk ergehen, statt pragmatische Lösungen zu suchen". In Unterstützerkreisen könne es doch nicht so schwer sein "per Spenden 4000 Euro Miete monatlich für ein Haus aufzutreiben, das für alle groß genug ist". Andernfalls sei es "unfair, bei den Flüchtlingen Hoffnungen zu wecken".

"Wer, wenn nicht die Caritas, hätte eine reale Chance, ein Quartier in passender Größe aufzutreiben?", meint wiederum Anny Knapp von der Asylkoordination. Die Ursachen für die Zähigkeit des Flüchtlingsprotests - der in Österreich vor bald einem Jahr mit einem Marsch aus Traiskirchen nach Wien begonnen hat - sieht sie "im Asylsystem der EU, wie es heute ist". Prominenter Faktor dabei: die Dublin-II-Verordnung, die dazu führe, dass Flüchtlinge oft keine Möglichkeit hätten, in jene europäischen Länder zu gelangen, in denen sie Asyl beantragen wollen: "Viele haben keine Chance auf Asyl und auch sonst auf überhaupt nichts." (Bianca Blei, Irene Brickner, DER STANDARD, 31.10.2013)

  • Aula der Wiener Akademie der bildenden Künste am Mittwoch: Die Flüchtlinge wiederholen ihre Forderungen - legaler Aufenthalt oder Chance in einem anderen europäischen Land.
    foto: standard/hendrich

    Aula der Wiener Akademie der bildenden Künste am Mittwoch: Die Flüchtlinge wiederholen ihre Forderungen - legaler Aufenthalt oder Chance in einem anderen europäischen Land.

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