"... wie Sie sehen"

30. Oktober 2013, 17:51
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"Mir geht es gut, wie Sie sehen. Mehr ist dazu nicht zu sagen", war jene Replik, mit der sich Wolf nicht zufriedengab

Es wäre ein flitterwochenartiger Runder Tisch geworden, eine Fortsetzung des gütigen parlamentarischen Eröffnungstages mit ORF-Mitteln. Matthias Strolz von den Neos hätte in Kathrin Nachbaur jemanden gefunden, mit dem sich über Parlamentsauffrischung hätte träumen lassen. Und die Fraktionschefs der anderen Parteien wären an diesem seligen Tag sicher keine Traumverderber geworden. Für einen kurzen Augenblick wäre also das konsensuale Paradies der guten Vorsätze auch im TV ausgebrochen.

Nicht schlimm jedoch, dass nichts daraus wurde - es kam Parlamentspräsidentin Barbara Prammer in die "ZiB 2". Von zu verbessernder "politischer Kultur" sprach sie; auf "fairen Umgang" hoffte sie, und das Hohe Haus verteidigte sie: "Lebendiger, dynamischer, als man annimmt" sei es. Die Hüterin der guten Vorsätze wirkte klar - auch als Armin Wolf nach ihrer Gesundheit frug. Prammer hatte unlängst ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht.

"Mir geht es gut, wie Sie sehen. Mehr ist dazu nicht zu sagen", war jene Replik, mit der sich Wolf nicht zufriedengab. Er zählte dann Funktionen auf, die Prammer zu bekleiden gedenke, und ihrem Blick nach zu urteilen, war es eine Nachfrage zu viel. Womöglich hatte Wolf an Wolfgang Bosbach gedacht. Der CDU-Abgeordnete hat seine Erkrankung nicht nur öffentlich gemacht - er ließ sich dazu auch gerne ausgiebig von Markus Lanz befragen. Der Betroffene ist wohl die letzte Instanz in Sachen Angemessenheit.

Natürlich aber hätte Wolf, statt die Gesundheit zu thematisieren, an diesem seligen Parlamentstag der Vorsätze auch fragen können, warum das Debattenniveau im Deutschen Bundestag seit jeher Wiener Abgeordnete schamrot werden lässt. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 31.10.2013)

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