Wiener Akademie-Rektorin will Refugees Frist zum Auszug setzen

30. Oktober 2013, 16:18
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Flüchtlinge wollen gemeinsames Quartier und bis dahin in Bildungseinrichtung bleiben

Unbegrenzt dürfen die Flüchtlinge in der Akademie der Bildenden Künste nicht bleiben. Die Rektorin der Akademie, Eva Blimlinger, will sich am Mittwochnachmittag mit ihren Mitarbeitern beraten und den Refugees eine Frist bis zu ihrem Auszug setzen. Im Gespräch mit derStandard.at betonte sie, dass es aus sanitären Gründen nicht möglich sei, dass die Flüchtlinge aus dem Servitenkloster ihr Quartier in der Akademie aufschlagen können. Sind die 24 Männer nach Ende der Frist noch nicht ausgezogen, schließt sie auch eine Räumung durch die Polizei nicht aus.

In einer Pressekonferenz in der Aula der Akademie bekräftigten die Flüchtlinge ihre Forderung nach einer Unterkunft, in die sie gemeinsam einziehen können. Sie wollen so lange in der Bildungseinrichtung bleiben, bis ihnen diese Wohnmöglichkeit zur Verfügung gestellt wird. "Wir sind hier als eine Gruppe und möchten unseren Protest gegen das österreichische Asylsystem öffentlich zeigen", sagt Mir Jahangir vor den Pressevertretern und Studenten, die immer wieder Beifall klatschen.

Unterstützung von Lehrendem

Adalat Khan aus Pakistan erzählt am Podium, dass er bereits jahrelang auf seinen Asylbescheid wartet und stellt die Frage nach dem Verbleib der bereits abgeschobenen Personen der Refugees-Bewegung. "Acht Menschen aus unserer Gruppe wurden wieder in ihre Länder abgeschoben. Wir wissen allerdings nur von zwei Personen, dass sie noch am Leben ist. Was ist mit den anderen passiert?", fragt Khan.

Unterstützung bekommen die Flüchtlinge von einem Lehrenden der Akademie selbst, Jakob Krameritsch. Der Historiker unterstützt die Protestbewegung bereist seit ihrem Beginn im November des Vorjahres, als sie aus Traiskirchen nach Wien marschierten. Krameritsch verliest auf Englisch eine Stellungnahme und betont, dass er nicht im Namen der Akademie spricht. Für ihn ist es wichtig, die Bewegung nicht zu romantisieren und die Geschichten der Flüchtlinge selbst und nicht die Interessen ihrer Unterstützer in den Vordergrund zu stellen. Für ihn ist die Akademie der Bildenden Künste ein geeigneter Ort, um den Protest fortzusetzen, da die Institution repolitisiert und ein Schauplatz zum Reflektieren und Agieren werden müsste.

Einzelunterkünfte abgelehnt

Die 24 Flüchtlinge mussten mit 30. Oktober aus ihrer zwischenzeitlichen Unterkunft im Wiener Servitenkloster ausziehen. Ihnen wurden Einzelunterkünfte angeboten, die sie allerdings ablehnte, weil die Männer Angst vor Abschiebungen haben. Nach einer Diskussionsveranstaltung in der Akademie, zu der sie auch eingeladen waren, riefen sie via Twitter auf, Schlafsäcke und Decken zu bringen. Die Flüchtlinge verbrachten schließlich die Nacht in der Akademie. (Bianca Blei, Irene Brickner, derStandard.at, 30.10.2013)

  • Die Flüchtlinge wollen in der Akademie bleiben.
    foto: standard/hendrich

    Die Flüchtlinge wollen in der Akademie bleiben.

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