Siri-Mitgründer: Siri ist wie das Web im Jahr 1994

10. November 2013, 11:18
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Für Mitgründer Adam Cheyer ist Apples virtuelle Assistentin auch heute noch keineswegs perfekt

Seit 2011 ist die virtuelle Sprachassistentin Siri integraler Bestandteil von Apples Betriebssystem iOS. Nutzer können ihrem iPhone oder iPad mithilfe der Software unter anderem Termine ansagen, das Wetter abfragen oder Nachrichten diktieren. Entwickelt wurde Siri zunächst als eigenständige App, bevor das gleichnamige Unternehmen 2010 von Apple übernommen wurde. Mitgründer Adam Cheyer ist heute nicht mehr an Bord. Siri liegt dem US-Amerikaner dennoch weiter am Herzen.

2007 gegründet

Wie schon im Vorjahr besuchte Cheyer auch heuer wieder das Pioneers-Festival, das in der Vorwoche in der Wiener Hofburg veranstaltet wurde. Im Gespräch mit dem WebStandard betonte er, wie wichtig es für ihn sei, mit Start-up-Gründern zusammenzukommen. Ihre Energie sei inspirierend für ihn.

Die Ursprünge von Siri gehen in die 1990er-Jahre zurück. 2007 gründete Cheyer das Unternehmen mit drei weiteren Personen. Auch wenn Siri einen langen Entwicklungsweg hinter sich hat, zufrieden ist Cheyer damit noch nicht. "Siri ist für mich wie das Web im Jahr 1994." Damals seien Websites noch sehr "statisch und hässlich" gewesen, man habe noch nicht genau gewusst, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. 15 Jahre später gebe es nun Dinge wie Youtube, Onlineshopping oder Bildungsangebote. Auch Siri sei eine neue Art der Computernutzung, befinde sich aber noch in einer sehr frühen Phase.

Natürliche Eingaben

Der Clou an Siri ist, dass man Anfragen in natürlicher Sprache, also in ganzen Sätzen, stellen kann. Teilweise fragt die Sprachassistentin nach, um bei einer Terminreservierung beispielsweise die Uhrzeit nachzutragen. So ist Siri dem Entwickler zufolge viel natürlicher zu nutzen als etwa Sprachmenüs, wie man sie bei vielen Firmenhotlines vorfindet. In gewissen Bereichen funktioniere die Software sehr gut.

Die Spracherkennung basiert bei Apple auf einem Pool anonymisierter Nutzersprachprofile. Erstmals gibt es weltweite Sprachprofile mit unterschiedlichen Sprachen, Dialekten und Stimmlagen. Früher habe man für Spracherkennung Aufzeichnungen von Nachrichtensprechern herangezogen, weshalb weniger korrekte Eingaben von Normalverbrauchern oft nicht erkannt wurden, erklärt Cheyer.

Dass man in Zukunft mit Smartphones so natürlich wie mit einem Menschen plaudern könne, glaubt er nicht. Der Funktionsumfang der Software werde weiterwachsen, Siri werde an viel mehr Datenbanken angeschlossen. Die Software unterstütze Nutzer dabei, bestimmte Aufgaben schneller durchzuführen. Aber sie sei nicht darauf ausgelegt, freie Konversationen zu führen - auch wenn Siris Antworten teilweise diesen Eindruck erweckten.

Persönlichkeitsentwicklung

Dass Siri mitunter recht flapsige Antworten gibt, ist dem Firmengründer zufolge eher zufällig entstanden. Die Entwickler hätten nicht damit gerechnet, dass Nutzer Fragen wie "Willst du mich heiraten?" stellen würden. Damit die Software keine Fehlermeldungen produziert, habe man sich einige Spaßantworten ausgedacht. Erst später sei eine richtige Persönlichkeit für Siri entwickelt worden.

"Leider arbeite ich nicht mehr bei Apple, also muss ich darauf vertrauen, dass sie das Richtige tun. Ich glaube, dass noch sehr viel Potenzial drinsteckt, und Apple dürfte sehr viel Zeit und Geld investieren", sagt Cheyer. Er schätzt, dass etwa 200 Personen mit der Entwicklung von Siri beschäftigt sind. Ganz raushalten kann er sich aber nicht. "Ich bin wohl der fleißigste Fehlermelder - quasi mit direktem Draht zu den Entwicklern."  (Birgit Riegler, derStandard.at 10.11.2013)

  • Siri steckt laut Mitgründer Adam Cheyer noch in den Kinderschuhen.
    foto: dapd

    Siri steckt laut Mitgründer Adam Cheyer noch in den Kinderschuhen.

  • Cheyer ist unter anderem Mitgründer von Siri, der Petitions-Plattform Change.org und Genetic Finance.
    foto: pioneers festival

    Cheyer ist unter anderem Mitgründer von Siri, der Petitions-Plattform Change.org und Genetic Finance.

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