Gehirn von Carl Friedrich Gauß mit anderem verwechselt

29. Oktober 2013, 15:28
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Neurowissenschafterin findet heraus, dass zwei Gehirn-Präparate an der Uni Göttingen jahrzehntelang falsch gekennzeichnet waren

Göttingen - Das präparierte Gehirn des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (1777-1855) ist jahrzehntelang mit dem Gehirn eines anderen Gelehrten verwechselt worden. Sie sei bei Recherchen zu eigenen Forschungsarbeiten durch Zufall auf diesen Irrtum gestoßen, sagte die Neurowissenschafterin Renate Schweizer vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

"Was Forscher bisher als Gauß-Gehirn untersucht hatten, war gar nicht sein Gehirn - es gehörte dem Mediziner Fuchs", so Schweizer. Vermutlich seien die Gehirne des Mathematikers und des Arztes Conrad Heinrich Fuchs schon bald nach dem Tod der beiden Männer im Jahr 1855 vertauscht worden. Im Glas mit dem Etikett "C.F. Gauss" lagert demnach offenbar Fuchs' Hirn - und umgekehrt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Brain" veröffentlicht.

Genau geschaut

Der Forscherin war aufgefallen, dass dem vermeintlichen Gauß-Gehirn eine sichtbare Zweiteilung der Zentralfurche (Sulcus centralis) fehlt, die von einem Göttinger Anatom 1860 und 1862 bildlich dokumentiert worden war. Stattdessen passten die Strukturen zu einer Abbildung von Fuchs' Gehirn. Die Hirne der Gelehrten waren für wissenschaftliche Zwecke präpariert worden. Sie lagern bis heute in Alkohol eingelegt in einer öffentlich unzugänglichen Sammlung der Göttinger Universitätsmedizin.

Wissenschafter haben das echte Gauß-Gehirn mittlerweile mit modernen bildgebenden Verfahren untersucht. Ergebnis: Die Analysen des falschen Gauß-Gehirns haben wohl nicht zu fehlerhaften Veröffentlichungen geführt. Das Gehirn des genialen Mathematikers und Astronomen sei ebenso wie das des Mediziners Fuchs anatomisch weitgehend unauffällig, hieß es. Die bei Gauß' Gehirn festgestellten altersbedingten Veränderungen seien für einen 78-jährigen Mann normal, berichtet der Neuropathologe Walter Schulz-Schaeffer. (APA/red, derStandard.at, 29. 10. 2013)

  • Im Glas mit dem Etikett "C.F. Gauss" lagerte offenbar Fuchs' Hirn - und umgekehrt.
    foto: max-planck-institut

    Im Glas mit dem Etikett "C.F. Gauss" lagerte offenbar Fuchs' Hirn - und umgekehrt.

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