Wirtschaft: USA tauchen als Top-Nation ab

29. Oktober 2013, 12:17
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Während der Wohlstand weltweit wächst, stagniert er in Österreich. Die USA rauschen laut einer Studie in der Kategorie Wirtschaft in die Tiefe

Glaubt man einem neuen Index des Legatum Institute, dann geht es mit der US-Wirtschaft den Bach hinunter. Seit 2009 fallen die USA im Ranking, mittlerweile liegt das Land nur mehr auf Platz 24. Freilich: Indizes gibt es viele, und in der Gesamtwertung liegt die größte Volkswirtschaft noch immer auf Platz elf. Bessere Nachrichten gibt es im Bereich Bildung. Dort gewinnen die USA vier Plätze und klettern auf den fünften Platz unter 142 Ländern.

Auf dem ersten Platz der Gesamtwertung liegt zum fünften Mal in Folge Norwegen. Für die Rangliste betrachtet das Legatum Institute Reichtum, Sicherheit, Makroökonomie, wirtschaftliche Zufriedenheit und Erwartungen, Wachstumspotenziale und Effizienz des Finanzsektors. So will das Institut feststellen, wo es denn Menschen auf dem Globus am besten geht.

Deutschland knapp vor Österreich

Auf Platz zwei der Gesamtrangliste findet sich die Schweiz, gefolgt von Kanada, Schweden, Neuseeland und Dänemark. Österreich belegt wie seit dem Jahr 2009 auch heuer wieder den 15. Platz. Weit über dem Durchschnitt von 58,2 Prozent liegt hier etwa mit 95,7 Prozent die Zufriedenheit mit dem Lebensstandard. Worin der Wohlstand sich ebenfalls ausdrückt: Ausreichend Zugang zu Schutz und Nahrung haben 94,8 Prozent (Durchschnitt 71,2 Prozent). Und auch wenn hierzulande heftige Kritik am Bildungswesen geübt wird: 79,1 Prozent sind zufrieden mit der Qualität des Gebotenen – der globale Durchschnitt liegt bei 66,3 Prozent. Und auch wenn Österreich gemeinhin nicht in erster Linie als ein Paradies für Unternehmensgründer gilt: Mit 67,9 Prozent liegt das Land nur knapp unter dem Durchschnitt von 70 Prozent.

Das Vertrauen in die Regierung ist hingegen beschränkt: Mit 41 Prozent liegt es deutlich unter dem Durchschnitt von 51,5 Prozent. Auch Finanzinstitutionen haben es – glaubt man der Studie – in der Gunst der Österreicher nicht ganz leicht: Nur 49 Prozent zählen auf sie – der Durchschnitt liegt mit fast 60 Prozent deutlich darüber. Und was das Thema Korruption betrifft, so kann man sich aussuchen, ob man die erhobenen Zahlen für gut oder schlecht befindet: 66,4 Prozent halten Geschäftsleute und Regierung für korrupt. Das ist angesichts der alpenländischen Bemühungen, einen Kulturwandel in Gang zu bringen, reichlich viel. Der Durchschnitt liegt allerdings mit 67,3 Prozent noch höher.

Deutschland, Platz 14, verzeichnet seit 2009 mit plus drei Rängen den höchsten Anstieg des allgemeinen Wohlstands in Europa und überholt somit das Vereinigte Königreich, welches mit Platz 16 drei Ränge einbüßt. Im Segment Bildung ging es seit 2009 sogar um neun Stufen abwärts (Platz 30).

Dass der globale Wohlstand in den vergangenen fünf Jahren trotz Finanzkrise generell zugenommen hat, lässt sich weitgehend auf Verbesserungen im Unternehmertum sowie in den Bereichen Gesundheit und Bildung zurückführen. Am stärksten steigt er in den meisten europäischen Ländern, wie zum Beispiel in den ehemals kommunistischen Staaten Slowenien (24), Tschechische Republik (29), Estland (36) und Slowakei (38).

Asien-Pazifik-Raum im Aufwind

Deutliche Veränderungen zeigen sich im Asien-Pazifik-Raum, wo die wirtschaftliche Stärke dem Wohlstand enormen Auftrieb verlieh: China (51. Platz, +10), Thailand (52. Platz, +5) und Malaysia (44. Platz, +2) erlebten allesamt einen Anstieg des Wohlstands.

Indien (106) ist insgesamt abgefallen und wurde zum ersten Mal von Bangladesch überholt (103). Pakistan (132) zeigt wenig Fortschritt. Das Land wird durch sicherheitsbezogene Probleme behindert.

Sinkende Punktzahlen für Staatsführung und Probleme in Bezug auf die persönliche Freiheit beschränken den Wohlstand in einer erheblichen Anzahl von Ländern. So sind Syrien (122) und Ägypten (108) in der Rangliste abgefallen und selbst die ranghöchsten schwarzafrikanischen Nationen – Botswana (72), Südafrika (77) und Namibia (93) – nach unten gerutscht, wie es in einer Aussendung des Legatum Institute heißt. Jeffrey Gedmin, Präsident und CEO des Thinktanks, kommentiert das Ranking folgendermaßen: "Seit dem ersten Legatum Prosperity Index haben sich der Wohlstand und die Lebensqualität der Menschen in vielen Ländern der Welt konstant verbessert. Aber wir dürfen nicht selbstgefällig werden. Probleme wie Krieg, Regierungsgewalt und persönliche Freiheit plagen den Nahen Osten und Teile Afrikas weiterhin. Führende Nationen sind davon nicht ausgenommen." (rebu, ch, derStandard.at, 29.10.2013)

  • Schenkt man dem erwähnten Index Glauben, hat die US-Wirtschaft schon bessere Zeiten gesehen.
    foto: apa/patrick seeger

    Schenkt man dem erwähnten Index Glauben, hat die US-Wirtschaft schon bessere Zeiten gesehen.

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    grafik: legatum institute
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