Das Personalkarussell nimmt Fahrt auf

Blog29. Oktober 2013, 00:50
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Graz hat den Trainer gewechselt, der KAC muss sich von Spielern trennen. Unser Eishockey-Blog zur Lage in der Liga.

Eine Woche oder drei Spieltage vor der ersten Länderspielpause der Saison führt weiterhin der HC Bozen die Tabelle der Erste Bank Eishockey Liga an. Die Südtiroler verloren nur zwei ihrer bisher 17 Begegnungen in regulärer Spielzeit, zuletzt rückte ihnen jedoch der im Oktober von Sieg zu Sieg eilende EC Salzburg immer näher. Im Aufwind befindet sich auch Vizemeister Wien, beim Titelverteidiger KAC stottert der Motor unterdessen noch, zudem stehen wichtige Personalentscheidungen an. Der wöchentliche Backcheck zu den aktuellen Entwicklungen in der Eishockeyliga.

"Messias" Matikainen

Die EBEL erlebte vergangenen Mittwoch bereits den zweiten Trainerwechsel der laufenden Spielzeit, die Graz 99ers trennten sich nach 116 Spielen von Mario Richer und präsentierten mit Petri Matikainen auch umgehend seinen Nachfolger. Der Finne ist seit dem Einstieg in die Liga im Jahr 2000 der bereits 14. Coach, der in Liebenau hinter der Bande steht.

Die Beziehung Matikainen/99ers kann eine durchaus erfolgreiche werden, denn die Vorzüge des aktuellen Teams - gutes Goaltending und eine der stärksten Abwehrbesetzungen der EBEL - harmonieren mit der eher defensiven Grundausrichtung der Eishockeyphilosophie des neuen Trainers. Offensiv sind den Grazern, speziell auf der Mittelstürmerposition, Grenzen gesetzt, die auch Matikainen nicht beliebig erweitern können wird, dennoch hat der Wechsel auf der Kommandobrücke die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Klub erstmals in seiner Geschichte eine Play-Off-Runde überstehen kann. Der in lokalen Medien teilweise fast schon hymnisch vorgetragene Lobgesang auf den neuen Headcoach ist allerdings wenig fundiert: Erfolg hatte der in der Kabine häufig aufbrausende Matikainen in seiner bisherigen Trainerkarriere dort, wo er auf die Unterstützung eines starken Assistenten bauen konnte. Der Finne passt zum Klub, die 99ers werden unter seiner Führung erfolgreicheres Eishockey spielen, an Ligagrößen wie Jackson oder Samuelsson kommt er jedoch nicht heran.

Berauschender Oktober für die Bullen

Schier unaufhaltsam weiter in Richtung Tabellenspitze unterwegs ist der EC Salzburg, der bisher neun seiner zehn Spiele im Oktober gewinnen konnte und dabei 19 von 20 möglichen Punkten sammelte. Nach schwachem Start dominierten die Bullen zuletzt jeden Gegner, im zweiten Monat der Saison lagen sie nur in 3,1 Prozent der gespielten Zeit in Rückstand. Obwohl nur rund die Hälfte der Spieler im Kader bisher alle Partien absolvieren konnte, setzt Trainer Don Jackson auf personelle Kontinuität: Bisher brachte er lediglich 25 verschiedene Cracks zum Einsatz, unter Vorgänger Pierre Pagé waren es letzte Saison noch deren 52.

Das Team, dessen spielerische Chemie dadurch von Woche zu Woche stimmiger wird, überzeugte in den jüngsten Runden speziell in Überzahl, in neun der zehn Oktober-Partien gelang mindestens ein Treffer im Powerplay. Bei numerischer Überlegenheit ist Salzburg damit aktuell die effektivste Mannschaft der Liga und kommt im Schnitt bereits nach 5:47 Minuten zum Torerfolg.

Zaba vor nächstem Rekord

Ebenso gut in Form präsentierten sich im terminlich dicht gedrängten Oktober die Vienna Capitals, die sieben ihrer letzten neun Spiele gewinnen konnten. Dass sie dabei insgesamt nur 17 Gegentore, im Schnitt also weniger als zwei pro Partie, kassierten, belegt, dass die Caps auch heuer wieder über die beste Abwehr der Liga verfügen.

Wesentlichen Anteil daran hat Matt Zaba, der in der laufenden Saison als einziger Torhüter bereits zehn Siege einfahren konnte. Obwohl erst in seinem zweiten Jahr in Kagran, wird der Kanadier im Heimspiel gegen Villach am Dienstag zum Import-Goalie mit den meisten Einsätzen in der Klubgeschichte aufsteigen. Der in seinen Leistungen enorm konstante Schlussmann, der am Eis mit beeindruckender Fokussierung und Effizienz in seinen Bewegungsabläufen überzeugt, drängt sich förmlich für einen langfristigen Vertrag bei den Capitals auf. Nicht zuletzt dank ihm ist Wien, obwohl aktuell nur auf Rang vier platziert, jenes Team in der EBEL, das im bisherigen Saisonverlauf am längsten in Führung lag (über 48,2 Prozent der gespielten Zeit).

Championship-Hangover bei Swette

Im Auswärtsspiel der Capitals am Sonntag in Klagenfurt stand Zaba - wie schon in der letztjährigen Finalserie - René Swette gegenüber. Der KAC-Goalie laboriert, so scheint es, an einem veritablen Championship-Hangover, seit dem Gewinn der Meisterschaft im April verließ er bei sechs seiner sieben EBEL-Einsätze das Eis als Verlierer. Sein bisher einziger Saisonsieg datiert vom 6. Oktober, als er im Auswärtsspiel in Innsbruck eingewechselt wurde und die Rotjacken im letzten Drittel mit ihm im Tor einen Rückstand noch in einen Erfolg verwandeln konnten. Dem Aufbau und der Stabilisierung der Formkurve wenig zuträglich waren allerdings auch zwei kleinere Blessuren, aufgrund derer Swette bereits acht Saisonspiele verpasste.

Großer Kader und starke Gegner

Trotz wenig erbaulicher Statistiken steht René Swette - wie vier weitere Torhüter - im Kader der österreichischen Nationalmannschaft für die Euro Ice Hockey Challenge im November in Innsbruck. Teamchef Emanuel Viveiros hat für die in diesem Rahmen geplanten drei Länderspiele gleich 42 Spieler einberufen, 34 davon verdienen ihr Geld in der Erste Bank Eishockey Liga. Der KAC (zehn) und Salzburg (acht) stellen die meisten, Dornbirn und Innsbruck gar kein Cracks.

In der Tiroler Landeshauptstadt wird Österreich auf die A-Gruppen-Nationen Frankreich (7.11.) und Belarus (9.11.) sowie Olympia-Teilnehmer Slowenien (8.11.) treffen, die drei Länderspiele sind die letzten auf heimischem Eis vor dem Start ins "Abenteuer Sochi 2014".

Wer muss beim KAC gehen?

Kurz nach dem International Break, in der Nacht vom 18. zum 19. November, endet in der EBEL die ligaweite Try-Out-Phase. Bis zum 27. Februar sind dann pro Team nur noch drei Tauschvorgänge bei Feldspielern erlaubt, mehrere Klubs werden also im Laufe der ersten Novemberhälfte ihren Kader verkleinern müssen. Besonders prekär erscheint die Situation aktuell in Klagenfurt: Beim KAC stehen neben dem erkrankten Johannes Kirisits 22 das Punktekontingent belastende Spieler unter Vertrag, wobei die Vereinbarungen mit Andreas Nödl und Colton Fretter zur Länderspielpause auslaufen. Die rot-weiße Personalplanung wird in den kommenden Wochen auch der Rechenschieber mitbestimmen, verschiedene Konstellationen sind denkbar. Klar ist jedoch, dass von den aktuell 22 mit Punktewerten belegten Spielern nach dem 18. November mindestens zwei vorerst nicht mehr angemeldet werden können. Verlängert der KAC also mit Nödl oder Fretter, beendet er so mit großer Wahrscheinlichkeit die Saison eines anderen, vor 1990 geborenen Kaderspielers. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 29.10.2013)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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