Eine halbe Million Menschen leben in Armut

29. Oktober 2013, 08:53
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Caritas-Präsident Küberl: "Eine Schande für einen wohlhabenden Staat wie Österreich"

Salzburg - Eine halbe Million Menschen in Österreich leben laut der EU SILC Statistik 2011 in Armut, eine weitere halbe Million sind armutsgefährdet. 12,6 Prozent der Bevölkerung sind insgesamt betroffen. Dabei steigt die Zahl der armutsgefährdeten Familien, warnt die Caritas anlässlich des Starts der Inlandskampagne zum Thema Familien in Not.

Unsichere Arbeitsplätze und hohe Wohn- und Lebenserhaltungskosten führen immer mehr Familien zu einem Leben am Existenzminimum. Auch nach schweren Schicksalsschlägen, wie eine Krankheit oder Behinderung können Familien schnell in Armut geraten. 24 Prozent der Alleinerziehenden sind von Armut betroffen und 26 Prozent der Familien mit drei und mehr Kindern. "Es ist entsetzlich, dass gerade Familien mit mehreren Kindern am häufigsten von Armut betroffen sind", betont Caritas-Präsident Franz Küberl.

"Schande für wohlhabenden Staat"

268.000 Kinder in Österreich sind armutsgefährdet. Das sind mehr als Graz Einwohner hat. Damit ist jeder vierte armutsgefährdete Mensch ein Kind. 134.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren leben bereits in Armut. "Eine Schande für einen wohlhabenden Staat wie Österreich", sagt der Caritas-Präsident.

Küberl fordert von der neuen Bundesregierung: "Macht nicht nur ein Bankenrettungsprogramm, sondern ein Armutsabbauprogramm." Daran sollte die Regierung gemessen werden. Es brauche konkrete Maßnahmen für armutsgefährdete Familien. Etwa familienfreundliche Arbeitsplätze mit einer steuerlichen Begünstigung auf Teilzeitarbeit und Bonuspunkte für die Pension, wenn Kinderbetreuungspflichten nachgegangen wurde. "Working Poor ist zu großen Teilen ein Familienarmutsphänomen", erläutert Küberl. Zudem brauche es Familienleistungen, die die Anzahl der Kinder mitberücksichtigen. (ruep, DER STANDARD, 29.10.2013)

Hintergrund:

Laut EU SILC  2011 beträgt die aktuelle Armutsgrenze in Österreich 1066 Euro netto zwölf Mal im Jahr für Alleinlebende, alle Sozial-, Pflege-, Wohn-, Arbeitslosen- oder Pflegegeldleistungen inkludiert. Wer weniger als diese 1066 Euro monatlich zur Verfügung hat, gilt somit derzeit als armutsgefährdet. Bei Familien wird für jedes Kind 320 Euro pro Monat zusätzlich gerechnet und für jeden weiteren Erwachsenen 533 Euro pro Monat.

Die Zahlen richten sich nach der europaweit vergleichbaren Armutsgrenze, die bei 60 Prozent des Median-Einkommens liegt. Das Median-Einkommen ist der Wert, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. Wer weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Kommen weitere Entbehrungs-Faktoren wie Krankheit oder eine schlechte Wohnsituation hinzu, gelten die Betroffenen als manifest arm.

  • Ein Mann in der Caritas-Notschlafstelle in Wien-Neubau.
    foto: heribert corn

    Ein Mann in der Caritas-Notschlafstelle in Wien-Neubau.

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