"Auch ein Letscho-Schnitzel schmeckt gut"

28. Oktober 2013, 18:27
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Gitarrist Harri Stojka erhält das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Der Musiker über seine Musik und die Initiative "Ich bin gegen das Wort Zigeuner"

Wien - Es gibt Menschen, bei denen ist man immer wieder aufs Neue überrascht, wie jung sie sind. Harri Stojka ist erst 56, obwohl er seit einer gefühlten Ewigkeit in der österreichischen Musikszene umtriebig ist: Er startete seine Karriere bereits 13-jährig. Schon in den frühen 1970ern werkte er etwa in Karl Ratzers und Kurt Hauensteins Rockband Gypsy Love, ehe er 1973 - mit 16 - seine Rock-Jazz-Formation Harri Stojka Express gründete. 40 Jahre später wird Stojka das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. In einem für diese Auszeichnung beinahe juvenilen Alter.

"Mir bedeutet das sehr viel, weil ich es für das bekomme, was ich am besten kann und am liebsten mache - wofür ich auf der Erde bin: für die Musik und mein soziales Engagement für mein Volk. Mich als Roma, der sich quasi aus dem Nichts hochgearbeitet hat, ohne Förderungen von irgendeiner Seite, macht das umso stolzer", zeigt er sich bewegt.

Über seine musikalischen Umtriebe weiß man Bescheid: etwa, dass der Gitarrist neben der langjährigen Konstante des Express', mit dem er bis in die frühen 1990er-Jahre hinein süffigen, virtuosen Rock-Jazz servierte, mit Novak's Kapelle Ende der 1970er-Jahre auch Ausflüge ins Rock-Genre unternahm. Und dass er nach Jahren der kreativen Krise mit der CD Gitancoeur (2000) seinen zweiten Karriere-Frühling einläutete und sich so als Sinti-Swing-Gitarrist in der Nachfolge Django Reinhardts neu erfand. Das öffentliche Eintreten gegen die Fremdbezeichnung "Zigeuner" ist hingegen eine relativ neue Facette. Ob er die Ehrung auch in Verbindung mit dieser Aktion sieht? "Das ist ein Element des Ganzen", so Stojka.

"Für mich ist das Wort Zigeuner rassistisch und diskriminierend. Wenn du beschimpft wirst als dreckiger, stinkender, hässlicher Zigeuner, dann wirst du dieses Wort verachten. Meine ganze Jugend in Floridsdorf ist es mir so gegangen. In der Schule, auf der Straße, in der Straßenbahn, beim Greißler, bei der Milchfrau - überall."

Weshalb er die Aktion 2012 ins Leben gerufen und dabei neben viel Unterstützung von prominenter Seite auch Anfeindungen erfahren habe, wie Stojka sagt: "Ich habe dafür auch viel Schimpfe via Facebook einstecken müssen. Dazu kann ich nur sagen: Das Zigeunerschnitzel wird genau so gut schmecken, wenn es Letscho-Schnitzel heißt. Wenn zu mir ein Black Brother sagt, ich will nicht Neger genannt werden, werde ich das nicht tun."

Wie Stojka heute die Lage der Roma und Sinti in Österreich einschätzt? "Den Autochthonen geht sehr gut. Wir sind integriert, arbeiten, zahlen unsere Steuern. Es gibt keine Benachteiligung mehr. Die Lage der Zugewanderten hingegen ist sehr schlecht. Viele von uns müssen vom Betteln leben und das finde ich in einem so reichen Land wie Österreich sehr schlimm", so Stojka. Im November wird er zweimal mit unterschiedlichen Literatur-Musik-Programmen auftreten: Zum einen im Musikverein mit Doron Rabinovici, dessen Mutter ebenso KZ-Überlebende ist wie Stojkas Vater (7. 11.). Zum anderen mit Wolfgang Böck im Radiokulturhaus (27. 11.).

Gedanken in Töne fassen

"Ich spüre große Affinität zum jüdischen Volk, weil wir dasselbe Schicksal hatten. Ich bin stolz, mit einem jüdischen Literaten auf der Bühne zu stehen, der humorvolle und sehr berührende, tiefgründige Geschichten schreibt. Doron ist ein großartiger Künstler und Mensch, der seine Gedanken in Worte fassen kann, was mir oft nur mit Tönen gelingt. Ich denke, dass zu diesen Geschichten am besten unsere traditionelle Lovara-Musik passt. Wenn Wolfgang Böck hingegen Joe Berger liest, den Charles Bukowski von Österreich, dann ist das einfach unterhaltsam. Meinerseits stehen da die Zeichen auf Sinti-Swing. (Andreas Felber, DER STANDARD, 29.10.2013)

  • Am Mittwoch wird Harri Stojka mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.
    foto: standard/corn

    Am Mittwoch wird Harri Stojka mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

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