Psoriasis: Heilkraft am Toten Meer

28. Oktober 2013, 17:23
17 Postings

Sonne, Wasser und Luft können das Leben mit Schuppenflechte, erleichtern - Im Überfluss bekommt man die drei Elemente am Toten Meer Klimakuren finanziert die Kassenkasse

Der Flug ans Tote Meer ist eine Reise in eine andere Jahreszeit. Wenn hierzulande der nasskalte Herbst einzieht, ist dort lauer Spätsommer. Das Wasser hat noch durchschnittlich 23 Grad, es ist angenehm warm, keine Spur von israelischer Sommerhitze. Eine eigenartige Atmosphäre herrscht in der Jordansenke, im Kurort Ein Bokek: Wer hierherkommt, taucht in eine Dunstglocke ein. 400 Meter unter dem Meeresspiegel ist die Landschaft von Felsformationen geprägt, Vegetation gibt es kaum.

Das Tote Meer ist kein Ozean, sondern ein 800 Quadratkilometer großer Salzsee. Die tiefe Lage und der hohe Salzgehalt (mit rund 30 Prozent zehnmal höher als im Mittelmeer) schaffen ein ganz besonderes Klima. Salzsee oder Asphaltsee nennen Einheimische das besondere Gewässer. Es ist ein Mineralientopf - Magnesium, Kalzium, Sodium, Kaliumchloride machen die besondere Mischung aus. Die Luft ist reich an Sauerstoff und Brominen, und der Dunst über dem großen Salzsee macht die Sonne hautverträglich, weil er die kurzwellige UVB-Strahlung filtert. Sonne, Wasser, und Luft sind hier Therapeutika.

Labsal für die Haut

Die Strandbilder am Toten Meer, egal ob im Luxushotel oder im öffentlichen Bereich, sind überall die gleichen: Frauen, Männer und Kinder beschmieren sich von Kopf bis Fuß mit schwarzem Schlamm, lassen die Körperbemalung in der Sonne trocknen und treiben dann wie ein Blatt im Salzwasser dahin. Was für Touristen Urlaubsspaß ist, hat für tausende Kurgäste einen ernsteren Hintergrund. Sie kommen ans Tote Meer, um ihre chronischen Hautkrankheiten zu lindern.

Wie der deutsche Manager Reinhold Häckel vor fast 40 Jahren. Er litt an Psoriasis, ein Aufenthalt in Ein Bokek hat sein Leben verändert. Der nachhaltige Erfolg der Klimakur motivierte Häckel zur Gründung eines Kurreiseunternehmens und 1989 schließlich zur Errichtung des Deutschen Medizinischen Zentrums am Toten Meer.

Dort, beim interdisziplinären Ärzteteam von Marco Harari, landen jährlichen zwischen 60 und 70 Kassenpatienten aus Österreich. Sie leiden an Psoriasis mit und ohne Gelenkerkrankungen oder Neurodermitis. Für einen Zeitraum von vier Wochen tanken sie, einem exakten Plan folgend, täglich mehr Sonne, baden im Toten Meer oder in den speziellen Becken der Klinik.

Balsam für die Seele

Die Schlammpackungen dürfen sie sich selbst nach Bedarf auf Haut und schmerzende Gelenke pappen. Der schwarze Schlamm besteht aus Bitumenteer, speichert Wärme und regt damit den Kreislauf an. Die abgestorbenen Hautzellen werden entfernt. Zusammen mit dem hohen Bromidgehalt der Luft, der beruhigend wirkt, entsteht eine entspannende Wirkung. Nicht nur die Haut auch die Seele erholt sich.

Wie eine Studie von Harari bei von Plaque-Psoriasis Betroffenen ergab, wirkt sich die Behandlung am Toten Meer besonders positiv auf Menschen aus, die schon vor dem 40. Lebensjahr an Schuppenflechte erkrankt sind (Typ-1-Psoriasis). Bei 74 Prozent besserte sich die Schuppenflechte um 95 Prozent. Diese hohe Quote wurde nur bei 61 Prozent der Typ-2- Psoriatiker (Erkrankung nach dem 40. Lebensjahr) erreicht. "Das hat die Fachwelt doch sehr überrascht", sagt Michael Häckel vom DMZ, "weil die jüngeren Patienten bis zu dieser Studie als schwerer behandelbar galten."

Keine Heilung, aber Linderung

Der Langzeiteffekt einer Kur beträgt zwischen sechs und acht Monaten. Für Patienten bedeutet das, eine Zeit ohne Schmerzen und äußere Krankheitszeichen. "Auch wenn ich durch die Kur nicht geheilt werden kann, zahlen sich die Wochen am Toten Meer aus", sagt Frau N. (Ihr Name ist der Redaktion bekannt): "Meine Gelenksschmerzen sind eine Zeitlang weg, und man sieht meiner Haut nicht an, dass sie krank ist."

Der Makel einer sichtbaren Hauterkrankung macht den meisten Betroffenen schwer zu schaffen. Psychische Probleme werden während der Kur vom internationalen Therapeutenteam in Einzel- oder Gruppentherapie behandelt. Schwerpunkt ist der Umgang mit der Krankheit im Alltag.

Kurfinanzierung

Das Deutsche Medizinische Zentrum ist die einzige deutschsprachige Klinik am Toten Meer in Israel. Die Pensionsversicherungsanstalt, die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau, die Gebietskrankenkassen Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland und Salzburg übernehmen auf Antrag die Kosten einer Kur dort. Die medizinische Notwendigkeit und chefärztliche Genehmigung vorausgesetzt, werden Flug, Transfer zum Kurort, Unterkunft im Zweibettzimmer, Halbpension, medizinische und therapeutische Leistungen, allgemeine Patientenbetreuung und Versicherungen bezahlt. Die Wartefristen betragen derzeit zwischen zwei und vier Wochen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 29.10.2013)

  • Am Toten Meer in Israel befindet sich ein deutschsprachiges Kurzentrum für Patienten mit schweren Hauterkrankungen.

    Am Toten Meer in Israel befindet sich ein deutschsprachiges Kurzentrum für Patienten mit schweren Hauterkrankungen.

Share if you care.