Die Nationalparks des Northern Territory

4. November 2013, 14:05
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Bloggerin Angelika Mandler-Saul erkundet die Nationalparks des Norhern Territory und genießt das eine oder andere Bad in natürlichen Becken

Alle Aussies, mit denen ich in den letzten Wochen über meine weiteren Reisepläne getratscht hatte, hatten gesagt: "You must see Kakadu National Park. It´s amazing. But... Litchfield is much better!"

Solcherarten gecoacht, lag unser erster Campingplatz im australischen Top End mitten im Litchfield Nationalpark. Urig, einfach, mit Self-Registration an der Einfahrt, gut schattig und mit vielen scheuen Känguruhs als herumhoppelnde Nachbarn. Morgens spazierten die Ibisse, betont unauffällig nach Essensresten suchend, zwischen den Campern herum und nachts wurde man im Dunkeln bei der Toilette schon mal von dem einen oder anderen Känguruh erwartet. Auch hier kreischen pausenlos Papageien und weiße Kakadus aufgescheucht in den Bäumen, dazu knattern unaufhörlich die Zikaden.

Schon auf der Hinfahrt genießen wir das erste tropische Bad. Die Berry Springs im gleichnamigen Nature Reserve speisen zwei große Quellen, die mitten im Regenwald zwei schöne, große, miteinander verbundene Swimmingpools formen. Ganz nahe bei Darwin, mit vielen Barbecue Gasgrillern (offenes Feuer ist zur Zeit immer noch verboten, es gilt der "total fire ban") und exotisch anmutend, sind diese Springs natürlich ein willkommenes Ausflugsziel.

Bevorzugt dümpeln hier betont lockere Aussies in ihre Schwimmreifen gefläzt in lautstarken Grüppchen und mit den unvermeidlichen eiskalten Beercans (natürlich im persönlichen "Stubbyholder") im Wasser herum. Daneben schwingen die Kids an Lianen und überall wird großartig gepicknickt und gegrillt.

Für uns war es aber nur der erste erfrischende Auftakt zu einer Vielzahl von palmenbesäumten natürlichen Swimmingpools im Regenwald, die wir in den nächsten Tagen in den Nationalparks im Northern Territory besuchten.

Frühmorgens brachen wir auf zu einem kleinen Bushwalk, der uns zu einem Wasserfall mit ganzjährigem Wasserloch an den "Cascades" führen sollte. Der Bushtrail ging exotisch in Schlangenlinien entlang eines Flüsschens immer tiefer in den Regenwald hinein, bis wir schließlich zu den ersten Badegumpen gelangten. Glasklares Quellwasser, tief verhangen von umliegenden Palmen und Gumtrees sowie die unumgänglichen Info-Schilder standen gleich am Anfang des Trails: "Crocodile Management Zone". Das bedeutet, dass jetzt in der Dry Season nicht mit den gefährlichen Salties (Salzwasserkrokodile) im Wasser zu rechnen ist, hier regelmäßig von den Rangern kontrolliert wird und die Swimming Zone damit "freigegeben" ist. Trotzdem muss man aber immer mit "Freshies" (Süßwasserkrokodile) rechnen und in jedem Fall immer eins tun: "Be croc-wise!". Also stets Augen auf beim wilden Baden. In der Regenzeit ist Schwimmen hier ohnehin verboten, denn mit den Fluten kommen auch die Salties in diese Gebiete geschwappt.

Wir klettern über die Felsen und den ersten kleinen Wasserfall noch ein wenig flussaufwärts und werden mit einem wunderschön aufgestauten, glasklaren Pool mit Wasserfall belohnt, den wir, bis zum Eintreffen der nächsten Wanderer, allein genießen können.

Bei den Wangi-Falls, die gerne von Bustouristen angesteuert werden, weil sie ohne lange Wanderungen leicht zugänglich sind und einen kleinen See – auch in der Trockenzeit – gut füllen, sind wir beim Schwimmen auch nicht alleine. Beim Baden stehen wir unter der steten Beobachtung von Waranen (hier "Goanna" genannt), die an allen Ecken auftauchten und hochaufmerksam unser Tun am Wasserrand verfolgten. Diese Echsen sind zwar ungefährlich, doch als Mitteleuropäer eine eher unerwartete Erscheinung beim harmlosen Baden. Aber da die australischen Familien vor Ort eher mit Begeisterung auf die Goannas reagierten, blieben auch wir ungerührt – im Gegensatz zu den chinesischen Mädels daneben.

Hier im Top End Australiens ist die Saison eigentlich bereits zu Ende, man wartet bereits allerorten auf die Regenzeit und jammert über das feuchtheiße Wetter. Dementsprechend sind die Aussichtspunkte und die Attraktionen in den Nationalparks recht spärlich besucht und an den meisten Badestellen, die nur zu Fuß erreichbar sind, sind wir fast alleine unterwegs. An den Florence Falls muss man überhaupt über 150 steile Stiegen durch den Regenwald hinuntersteigen, dafür ist man dann auch mit einem tropischen Bilderbuch-Wasserfall fast alleine. An das Gumpenbaden im Fango in Korsika erinnerte mich noch das "Bunkey Rockhole" in Litchfield: Auf mehreren Wasserstufen kann man hier in kleinen Badebecken schwimmen oder über die Felsen im Fluss klettern. Morgens oder nachmittags kann man den (momentan ohnehin übersichtlich kleinen) Reisegruppen entgehen, aber die groß angelegten Parkplätze zeugen von der Beliebtheit des Litchfield Parks in der Hochsaison.

Die Traumwelt der Aborigines

Im Kakadu Nationalpark ist man besonders stolz auf die angeblich funktionierende Kooperation zwischen den Besitzern des Landes aus dem Bininj Clan und der offiziellen Parkverwaltung. Überhaupt kam mir vor, als würde bei allen Nationalparks mehr als peinlich darauf geachtet, die Aborigines als eigentliche Eigentümer zu erwähnen und ins Marketing mit einzubeziehen. Wie das in der Wirklichkeit aussieht, kann ich als Tourist in der kurzen Zeit kaum beurteilen, aber man wirkt zumindest offiziell bemüht. Das Logo des Kakadu Nationalparks ziert die Regenbogenschlange – als Symbol für die kulturelle Einheit der Clans und deren Sprachen im Northern Territory. Viele Geschichten ranken sich um diese Regenbogenschlange, immer geht es um Land, Wasser und ihre Spuren in der Landschaft, so auch die Aborigines-Geschichten aus der Vorzeit, der Traumwelt.

Die Bootsfahrten am Yellow River werden von Aborigines geleitet, die einen kleinen Einblick geben in ihr Denken und Leben, und die die Tierwelt kennen wie ihre Westentasche. Guide Lionel erklärte uns, dass jeder Aborigine ein "Totem" habe, ein Tier, das ihn sein Leben lang als Schutz begleite (dem man auch sein Leben lang nichts zu Leide tun könne) und zu dem man nach seinem eigenen Tod schließlich auch werde. Zwei Stunden lang fuhren wir mit seinem Boot durch einen Billabong (Wasserloch) voller Tiere und Pflanzen: Seeadler (sein Totem), Magpies, Jesusbirds (hochbeinige Vögelchen, die über das Wasser laufen können), Turtles, Salties, alle möglichen Kormorane und Ibisse, Störche und die weitläufigen Ansammlungen wunderbar lila und rosa blühende Seerosen. Die Kerne der Blütenstände dieser Waterlily kosteten wir unter Lionels Anleitung: Sie schmeckten wie süße Erdnüsse.

Bushwalks unternahmen wir im Kakadu auch zu den berühmten Höhlenmalereien ("Rock Arts"): Aborigines erzählten sich so Geschichten über die Traumwelt oder ihre Erlebnisse mittels Malereien aus Ocker, Blut und Fett – diese Malereien sind über Klettersteige erreichbar und von den Aussichtspunkten blickt man in die endlos scheinenden Weiten des Parks.

In unserem letzten Nationalpark im australischen Top End, im Nitmiluk National, war die Landschaft wieder eine andere: Hot Springs im Monsoon-Regenwald (mit 30 Grad direkt erfrischend), badesicher und tropisch, und der Katherine River, der sich durch 13 malerisch rote Schluchten windet, wovon nur die ersten beiden mit dem Boot in der Trockenzeit erreichbar sind. Mit dem Kanu kann man, wenn man es zwischendurch trägt, auch noch etwas weiter kommen. Zwischen den Bushwalks sind auch hier erfrischende Badestopps möglich – inmitten der roten Felsen, die in der Regenzeit nur noch zur Hälfte aus dem Wasser ragen werden.

Wir fahren weiter Richtung Red Center und Ayers Rock – raus aus dem tropischen Norden und rein in die heiß-trockene Zone. Aber nicht ohne einen letzten Schwimm-Stopp in Mataranka in den Bitter Springs. (Angelika Mandler-Saul, 04.11.2013)

-> Bilder gibt's in dieser Ansichtssache.

  • Natürliche Schwimmbecken und tropische Temperaturen laden zum Baden ein.
-> Mehr Bilder gibt's in dieser Ansichtssache.
    foto: angelika mandler-saul

    Natürliche Schwimmbecken und tropische Temperaturen laden zum Baden ein.

    -> Mehr Bilder gibt's in dieser Ansichtssache.

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