Seitentaschen waren einmal

3. November 2013, 17:09
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Warum jetzt die Stunde der Rucksäcke schlägt: Ein paar Worte über die Post-Seitentaschenära

Es ist an der Zeit, ein paar Worte über die Post-Seitentaschenära zu verlieren. Wie Beobachter des städtischen Lebens vielleicht mitgekriegt haben, hat die Stunde für die quer über den Rücken getragenen Taschen schon vor längerer Zeit geschlagen. Firmen wie den Schweizer Plastikplanenverarbeiter Freitag hat das in eine Identitätskrise gestürzt. Andere halten dagegen munter an den stinkenden Seitentaschen fest. (Glücklicherweise dauert die Viennale nur zwei Wochen, und man darf hoffen, dass die diesbezüglichen Taschen nach ihrem Ende bald wieder aus dem Stadtbild verschwunden sind.) Womit wir bei Rucksäcken wären.

Heutige Stadtnomen schultern die Bürde mit Würde

Menschen, die früher stolz ihre Taschen an der Hüfte trugen und sich hinter vorgehaltener Hand über schmerzhafte Schieflagen in ihrem Leben austauschten, greifen neuerdings wieder zum Rucksack.Vielleicht weil er sie an ihre Schulzeit erinnert. Für die meisten war der Ranzen damals ein notwendiges Übel, das man dadurch herausstrich, dass man ihn unter keinen Umständen über beiden Schultern tragen durfte.

Nur wer seinen Rucksack lässig an einer Seite herunterhängen ließ, trug ihn mit Würde. Bei den heutigen Stadtnomaden ist das anders. Sie drücken das Kreuz durch und schultern die Bürde mit Würde. Es bringt einfach nichts: Die Lasten des Lebens müssen getragen werden. Am besten, man hält sich dabei aufrecht und gerade. In diesem Sinne: Ein Hoch auf den Rucksack! Und dass er uns lange erhalten bleibt! (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 31.10.2013)

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