"Aus der Tiefe der Zeit" heißt es im "Tatort" München: Top oder Flop?

Ansichtssache27. Oktober 2013, 19:05
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Ein Familiendrama, das sich über Generationen erstreckt, bildet bei dieser "Tatort"-Folge aus München das Spinnennetz, in dem sich Ermittler und Protagonisten immer wieder verfangen.

foto: orf/br/frederic batier

Regisseur Dominik Graf inszeniert die Geschichte zweier Frauen, die sich bei genauer Betrachtung nicht unähnlich sind. Die einstige Zirkusprinzessin "Calamity Jane", Magda Holzer, residiert hochbetagt in ihrer Villa am Isarufer in München Pullach. Sie wird bedient von der Haushälterin Rosl und dem treuen Kroaten Ante. Über ihre Vergangenheit ist zunächst wenig bekannt.

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Dann gibt es da noch die schöne Liz, die gleich mit beiden Söhnen der betagten Künstlerin ein Verhältnis pflegte und für die das Wort Korruption ein Fremdwort ist. An sich nicht ungewöhnlich, würde nicht Holzers Sohn Peter plötzlich tot im Aushub einer Baugrube gefunden.

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"Ein aggressiver 'Tatort' über Bausünden in der Bayern-Metropole", lobt spiegel.de das von Graf inszenierte Fernsehschauspiel, dessen München-"Tatort" "Frau Bu lacht" aus dem Jahr 1995 zu den besten der Reihe zählt. In einem "mentalitätsgeschichtlichem Stream of Consciousness" schlage Graf "einen weiten Bogen: von der Architektur der Nachkriegsmoderne zur Städteaufhübschung der Gegenwart, von der Entnazifizierung zur Gentrifizierung."

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Als "mutige" Folge rezensiert auch Holger Gertz auf sueddeutsche.de den bayrischen "Tatort": "Graf verlangt seinem Publikum alles ab. Jeder Eintrag im Notizbuch kann wichtig sein, jeder Schwenk auf einen Wandkalender. Wer imstande ist, sich zu konzentrieren, wird beschenkt mit Momenten, die er im Fernsehen selten findet."

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faz.net hat die Folge als "echte Herausforderung für Schauspieler und Zuschauer" empfunden. "Einen dichten, komplexen Fall mit Wirtschaftskriminalitätselementen, wie wir ihn immer sehen wollten, einen Fall aber auch, der wegen seiner überambitionierten Erzähltechnik an Dringlichkeit einbüßt und abstrakt in der Figurenzeichnung bleibt."

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