Südtirol-Wahl: SVP verliert Mandatsabsolute

28. Oktober 2013, 20:30
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Der Nachfolger von Langzeitlandeshauptmann Durnwalder, Arno Kompatscher, verlor die Absolute

Bozen/Trient/Rom - Erstmals in ihrer Geschichte hat die SVP bei den Landtagswahlen in Südtirol die absolute Mehrheit verloren. Die erfolgsverwöhnte Sammelpartei landete mit 45,7 Prozent um gut zwei Punkte unter dem Ergebnis von 2008 und verfehlte die absolute Mehrheit damit um einen Sitz. Die separatistischen Rechtsparteien konnten hingegen ebenso zulegen wie der linksdemokratische Partito Democratico (PD).

Die gestärkten Freiheitlichen, die Südtirol in einen Freistaat umwandeln wollen, liegen mit 17,9 Prozent auf dem zweiten Rang. Die Grünen konnten zur drittstärksten Kraft aufrücken und werden im zukünftigen Landtag voraussichtlich mit drei Abgeordneten vertreten sein. Die Süd-Tiroler Freiheit von Eva Klotz, die für die Loslösung Südtirols von Italien eintritt, steigerte ihren Anteil auf 7,2 Prozent. Die Fünf-Sterne-Bewegung kam auf 2,5 Prozent und kann mit einem der 35 Sitze im Landtag rechnen.

Italienische Rechte stürzte ab

Zu einem wahren Debakel gestaltete sich die Wahl hingegen für die zerstrittene italienische Rechte. Viele ihrer Wähler blieben aus Unmut über deren Dauergezänk zu Hause.

Die von Berlusconi-Politikerin Michaela Biancofiore arrangierte Koalition von Forza Italia mit zwei Bürgerlisten stürzte regelrecht ab und erreichte mit 2,5 Prozent ein klägliches Ergebnis.

In Bozen wurde mit 64 Prozent die niedrigste Wahlbeteiligung verzeichnet. Bürgermeister Luigi Spagnolli erklärte, mit der niedrigen Wahlbeteiligung habe die italienische Bevölkerung ihre Chancen auf eine bessere Vertretung im Landtag vertan. Die Zahl der italienischen Landtagsabgeordneten könnte von acht auf vier sinken. Das könnte bewirken, dass in der achtköpfigen Landesregierung laut ethnischem Proporz dann nur noch ein einziger Italiener vertreten sein könnte.

Dass die SVP in den Landgemeinden Stimmen verlor und ihren Anteil in den Städten halten konnte, legt den Schluss nahe, dass viele italienischsprachige Südtiroler für die Sammelpartei gestimmt haben.

Der neue SVP-Landeshauptmann Arno Kompatscher erzielte mit 78.000 Vorzugsstimmen einen Achtungserfolg. Der 42-Jährige löst nach 24 Jahren Luis Durnwalder ab und verspricht einen neuen Stil und die Abkehr von alten Seilschaften. Kompatscher fordert freie Hand bei der Bildung der Landesregierung, in der sich eine Koalition mit dem Partito Democratico anbietet.

Innerhalb der SVP sorgte die Wahl für Überraschungen: Parteirebell Arnold Schuler landete hinter Kompatscher auf Platz zwei. Und der ehemalige Obmann Elmar Pichler Rolle verlor 18.000 Vorzugsstimmen und wurde nicht mehr gewählt.

Mit südtirolweit 77 Prozent wurde die niedrigste Beteiligung aller Zeiten verzeichnet.

Dramatisch war der Rückgang auch in der Nachbarprovinz Trentino, wo nur 64 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gingen. Dort siegte mit fast 60 Prozent eine Koalition des Partito Democratico mit den Grünen und der Trentiner Autonomistenpartei Patt. Das gegnerische Rechtsbündnis musste sich mit 19 Prozent begnügen.

Silvio Berlusconis Partei hatte auf eine eigene Kandidatur verzichtet. Neuer Landeshauptmann wird der Autonomist Ugo Angelo Rossi. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 29.10.2013)

 

  • Wahlplakate in Südtirol.
    foto: apa/dlife/lo

    Wahlplakate in Südtirol.

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