Astronomischer Meilenstein: 1000. Exoplanet entdeckt

27. Oktober 2013, 14:55
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"Extrasolar Planets Catalog" weist mittlerweile 1011 Planeten aus, doch nur ein Bruchteil davon ist auch nur entfernt erdähnlich

21 Jahre nach der ersten bestätigten Entdeckung eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat der  "Extrasolar Planets Catalog" einen Meilenstein erreicht: Seit vergangener Woche sind in der Planeten-Enzyklopädie über 1.000 bekannte fremde Welten verzeichnet. Erreicht wurde die runde Zahl am 22. Oktober, als der bis dahin 999 Objekte zählenden Liste elf neue Beobachtungen durch das britische "Wide Angle Search for Planets"-Projekt hinzugefügt wurden.

Allzu ernst freilich darf man diese Zahl nicht nehmen, dafür sind die Kriterien für eine allgemein anerkannte Exoplaneten-Entdeckung in einigen Fällen zu unterschiedlich. Das "Exoplanet Archive" der NASA beispielsweise listet aktuell "nur" 919 extrasolare Planeten auf. Wesentlich spannender sind dagegen die Informationen, die Wissenschafter über viele dieser fremden Welten mit Hilfe von Weltraum- und erdgebundenen Teleskopen bereits sammeln konnten: Von den rund 1.000 Objekten nehmen Jupiter-ähnliche Planeten mit über 700 den Löwenanteil ein.

Die ungewöhnlich hohe Zahl mag daran liegen, dass sich diese Gasriesen dank ihrer Größe und Masse am leichtesten feststellen lassen. Immerhin rund 20 der im "Extrasolar Planets Catalog" verzeichneten Planeten sind kleiner oder gleich groß wie die Erde. Sogenannte Supererden mit jeweils bis etwa 10-facher Erdmasse kennt man inzwischen über hundert.

Erdgroße Planeten um jeden sechsten sonnenähnlichen Stern

Durch die rasche Verfeinerung astronomischer Messtechniken dürfte nach Expertenmeinung auch die Anzahl bekannter erdähnlicher Exoplaneten in den kommenden Jahren stetig zunehmen. Bereits jetzt gibt es Schätzungen, wonach zumindest jeder sechste sonnenähnliche Stern über etwa erdgroße Planeten verfügt. Auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft (AAS) im Jänner stellten US-Forscher eine umfassende Analyse der bis dahin vom Planetenjäger "Kepler" der NASA gesammelten Daten vor. Die meisten der untersuchten Exoplaneten und Exoplaneten-Kandidaten umkreisen ihre Sterne allerdings auf äußerst engen Bahnen. Für lebensfreundliche Bedingungen wäre es auf diesen Welten mit Sicherheit zu heiß.

Die bislang aussichtsreichsten Kandidaten für zumindest potenziell habitable Exoplaneten präsentierte ein Wissenschafterteam im vergangenen April: Bei Kepler-62e und Kepler-62f handelt es sich um zwei Planeten, deren Größe darauf schließen lässt, dass es sich um Felsplaneten handelt und die in jener Zone um ihren Stern kreisen, wo flüssiges Wasser vorkommen könnte. Der angenommene Radius von Kepler-62e ist 1,6 mal so groß wie jener der Erde, der von Kepler-62f 1,4 mal so groß. Der bis dahin kleinste bekannte Planet in einer habitablen Zone war der 2011 entdeckte Kepler-22b. Dieser ist allerdings mit dem 2,4-fachen Erdradius mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gasplanet. (tberg, derStandard.at, 27.10.2013)

  • Eine Milchstraße voller Planetensysteme: Astronomen sind optimistisch, dass die meisten Sterne unserer Galaxis über Exoplaneten verfügen.
    illustration: eso/m. kornmesser

    Eine Milchstraße voller Planetensysteme: Astronomen sind optimistisch, dass die meisten Sterne unserer Galaxis über Exoplaneten verfügen.

  • Die überwiegende Mehrzahl der bekannten Exoplaneten sind Jupiter-ähnliche Gasriesen.
    illustration: phl @ upr arecibo

    Die überwiegende Mehrzahl der bekannten Exoplaneten sind Jupiter-ähnliche Gasriesen.

  • Ein gutes Dutzend davon hat aus unterschiedlichen Gründen das Potenzial für Bedingungen, unter denen Leben möglich sein könnte. Die Zahl unter den Exoplaneten-Bezeichnungen gibt den sogenannten Earth Similarity Index (ESI) an.
    illustration: phl @ upr arecibo

    Ein gutes Dutzend davon hat aus unterschiedlichen Gründen das Potenzial für Bedingungen, unter denen Leben möglich sein könnte. Die Zahl unter den Exoplaneten-Bezeichnungen gibt den sogenannten Earth Similarity Index (ESI) an.

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