Airlines im Klimaranking

Ansichtssache28. Oktober 2013, 07:51
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Das Flugzeug ist das Verkehrsmittel mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro Passagierkilometer. Jeder Mensch hat ein "klimaverträgliches Jahresbudget" von rund 2.300 Kilogramm CO2. Durch ihre wenig nachhaltige Lebensweise übersteigen viele Menschen ihr CO2-Budget – und Fliegen ist daran wesentlich mit Schuld. Auch wenn die Flugzeuge durch neue Techniken immer sparsamer werden und Flüge effizienter, wächst insgesamt der CO2-Ausstoß der Luftfahrtindustrie durch den wachsenden Flugverkehr. Eine Möglichkeit, seine "Umweltschulden" wieder gut zu machen sind Kompensationszahlungen. Bei Atmosfair beispielsweise können für Flüge bestimmte Beträge bezahlt werden, mit denen dann klimafreundliche Projekte unterstützt werden.

Jedes Jahr gibt Atmosfair den Airline-Index (AAI) heraus, der anzeigt, welche Fluggesellschaft am effizientesten arbeitet, das heißt am wenigsten CO2-Ausstroß produziert. Dafür vergleicht Atmosfair die 150 größten Fluggesellschaften der Welt miteinander. Berechnet wird dabei der CO2-Ausstoß je Passagierkilometer, wobei verschiedenste Faktoren berücksichtigt werden, um ein vergleichbares Ergebnis für die unterschiedlichen Fluggesellschaften zu erhalten (Alter der Flotte, Subventionen, Flugzeugtypen, Auslastungsfaktoren etc.).

Die Airlines werden in sieben Effizienzklassen eingeteilt, die von A (100 Punkte) bis G reichen und analog zur EU-Energieeffizienzkennzeichnung sind.

Eine Sonderstellung nehmen übrigens LowCost Carrier ein, die durch ihre besondere Preispolitik der Flugschnäppchen die Begehrlichkeiten auf das Fliegen erst wecken. Dadurch entstehen CO2-Emissionen, die ohne die extrem billigen Angebote gar nicht entstanden wären. Billigflieger werden im Airline-Index in einer eigenen Klasse kategorisiert.

Im Vergleich zu 2012 haben die Airlines laut Atmosfair-Bericht ihre CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer um etwa ein Prozent gesenkt. Gleichzeitig hat allerdings der Passagierluftverkehr um rund sechs Prozent zugenommen. Somit sind die Emissionen aus der Luftfahrt um fünf Prozent gestiegen. Damit liegt die Luftfahrtindustrie über den weltweiten CO2-Wachstumsraten von jährlich knapp drei Prozent. Das 2°C-Klimaziel ist damit nicht erreichbar. Keine einzige Airline schaffte es in die Effizienzklasse A, allerdings haben es 2013 bereits 16 Fluggesellschaften bis in die Effizienzklasse B geschafft. Das sind immerhin um vier mehr als noch im Vorjahr. Grund dafür sind vor allem neues Fluggerät, Nachrüstungen mit Winglets oder eine bessere Auslastung der Flugzeuge. Die steigende Passagierauslastung hat den größten Einfluss bei der Effizienzoptimierung (48 Prozent), gefolgt vom Flugzeugtyp (31 Prozent). Vergleichsweise wenig Einfluss haben Winglets (2 Prozent)

Zwischen den Kontinenten gibt es kaum Unterschiede. Asien (62 Effizienzpunkte), Europa und Südamerika (63 EP) sowie Mittlerer Osten und Nordamerika (59 EP) liegen fast gleich auf. Allein Afrika (45 EP) und Least Developed Countries (28 EP) hinken hinterher.

Wir zeigen Beispiele für besonders effiziente und besonders ineffiziente Airlines laut AAI 2013. (todt, derStandard.at, 28.10.2013)

-> Zum Vergleich: Atmosfair Airline-Index 2012

Die effizienteste Airline ist laut AAi Tunisair / Tunisair Express. Sie erreicht 83,8 Effizienzpunkte. Grund dafür sind die überwiegend effizienten Flugzeuge (z.B. A320 oder B737-700). Ein weiterer Grund für das gute Abschneiden ist die hohe Auslastung durch sehr dichte Bestuhlung auf allen Strecken. Trotz des guten Ergebnisses erreicht die Airline nur Effizienzklasse B.

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Tuifly landet auf Platz zwei der Gesamtwertung. Auch bei dieser Airline kommt effizientes Fluggerät (etwa die B737-800) zum Einsatz, und die Bestuhlung ermöglicht eine sehr gute Auslastung. Die Airline erreicht 83,7 Effizienzpunkte, bleibt aber sowohl auf der Lang- als auch auf der Mittel- und Kurzstrecke in der Effizienzklasse B.

2

Die enge Bestuhlung und der Einsatz von modernen Maschinen ist auch bei Condor ausschlaggebend für das gute Gesamtergebnis. Mit 78,1 Effizienzpunkten hat die Airline sich im Vergleich zum Vorjahr weder verbessert noch verschlechtert.

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Mit effizienten Maschinen ist auch der beste Asien-Carrier Juneyao Airlines. Die Maschinen sind leicht überdurchschnittlich bestuhlt, was die Effizienz erhöht und der Airline den siebenten Platz mit 77,5 Effizienzpunkten einbringt.

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Tam Linhas Aereas ist der beste Netz-Carrier in Südamerika und erreicht in der Gesamtwertung mit 77 Punkten den achten Platz. Moderne Flugzeuge und dichte Bestuhlung sind die Gründe dafür. Allerdings schafft Tam nur Effizienzklasse C, wobei vor allem auf der Langstrecke mit Klasse D und Platz 40 das Ergebnis besonders bescheiden ist.

5

Der effizienteste Netz-Carrier in Europa ist laut AAI Air Berlin. Die moderne Flotte sorgt für höhere Effizienz, die durchschnittliche Auslastung - trotz enger Bestuhlung - schmälert das gute Ergebnis aber. Allerdings hat sich die Fluggesellschaft auf der Langstrecke verbessert und liegt in der Gesamtwertung auf Platz 12 mit 73,5 EP. Die Energieeffizienz liegt auf Lang-, Mittel- und Kurzstrecke bei C.

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Air Transat ist bester Nordamerika-Netz-Carrier. Die moderne Flotte (z.B. A330) und eine sehr dichte Bestuhlung sorgen für ein gutes Gesamtergebnis. Allerdings kommen auch weniger effiziente Maschinen (A310) zum Einsatz, und die Auslastung auf der Kurzstrecke ist sehr niedrig. Dadurch verliert Air Transat Punkte und landet in der Gesamtwertung nur auf Platz 13 (72,8 EP).

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Air France verfügt über überwiegend effiziente Flugzeuge und eine hohe Auslastung auf allen Strecken. Allerdings verliert die Airline auf der Langstrecke durch die nur durchschnittliche Bestuhlung. Dafür gibt's für die verbesserte Auslastung auf der Mittelstrecke mehr Punkte als im Vorjahr. Insgesamt landet die Airline mit 68,5 EP auf Platz 21.

8

Emirates landet mit 68,1 EP auf dem 23. Platz. Die modernen Flugzeuge (B777, A330, A340, A380) sind unterdurchschnittlich bestuhlt und daher nicht so effizient, wie sie sein könnten. Allerdings ist die Auslastung überdurchschnittlich, wenn auch geringer als im Vorjahr.

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Lufthansa hat im Vergleich zum Vorjahr Effizienzpunkte verloren. Gründe dafür sind die unterdurchschnittliche Bestuhlung und die unterdurchschnittliche Auslastung auf der Kurzstrecke, auf der zu ca. einem Drittel ineffiziente Flugzeuge eingesetzt werden. Auf der Langstrecke verliert die Lufthansa durch die unterdurchschnittliche Bestuhlung ebenfalls Effizienzpunkte. Die Airline erreicht insgesamt nur 59,0 EP und damit Platz 67.

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Verschlechtert hat sich das Ergebnis bei der AUA. Im Vorjahr lag die Airline mit 64,6 Punkten auf Platz 47. Dieses Jahr kommt die AUA nur noch auf 53,2 EP und landet damit auf dem 87. Platz. Insgesamt liegt die AUA bei der Energieeffizienz in der Kategorie D, auf der Kurzstrecke sogar nur in der Kategorie E und damit auf Platz 101 unter den Kurzstreckenanbietern. Das beste Ergebnis erreicht die Airline auf der Langstrecke mit Platz 35, auf der Mittelstrecke liegt sie auf Platz 87.

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Besonders schlecht abgeschnitten haben Ethiopian Airlines auf Platz 123 mit 24,5 Effizienzpunkten, bmi regional auf Platz 124 mit 23,5 EP und die letztplatzierte South African Airlink mit nur 14 Effizienzpunkten. Sie ist auch die einzige Airline mit Effizienzklasse G in der Gesamtbewertung.

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Sonderfall Low-Cost-Carrier

Bei den Low-Cost-Carriern erreicht ebenfalls keine einzige Fluggesellschaft die Effizienzklasse A. In Klasse B findet man neben EasyJet noch Air Lingus regional, Air Asia, IndiGo, Lion Air, Ryanair, Spring Airlines und Thai AirAsia.

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Immerhin noch Klasse C erreichen Aer Lingus, Frontier Airlines, germanwings, Indonesia AirAsia, Jet2.com, JetBlue Airways, Jetstar Airways, Norwegian Air, Southwest Airlines, SpiceJet, Spirit Airlines, Transvia, Virgin Australia, Vueling und Westjet.

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Nur noch Effizienzklasse D erreichen Air Arabia, Allegiant Air und Azul Airlines.

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