Schmerzlos dank Skorpiongift

24. Oktober 2013, 20:24
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Aufgrund evolutionärer Anpassung führt Skorpiongift bei Grashüpfermäusen zur Blockade von Schmerzsignalen - Ein Vorbild für Schmerzmittel?

Washington - Es ist ein ziemlich ungleicher Kampf, der sich im Terrarium abspielt: Eine Grashüpfermaus sieht sich einem Skorpion gegenüber, dem sie sich nicht gerade vorsichtig nähert. Prompt kriegt das Nagetier, das nur weitläufig mit unserer Hausmaus verwandt ist, den einen oder anderen Stich in den Pelz ab und zuckt kurz taumelnd zurück.

Nach wenigen Sekunden allerdings passiert das für einen unwissenden Beobachter Erstaunliche: Die rund zehn Zentimeter große Grashüpfermaus stürzt sich erneut auf den Skorpion, tötet ihn mit ein paar Bissen und verspeist das Spinnentier anstandslos.
Video: Science/AAAS

Ein Forscherteam um Ashlee Rowe (University of Texas) hat nun den einzigartigen Mechanismus entdeckt, mit dem sich die fleischfressende Grashüpfermaus gegen die Skorpionstiche wappnet. Anders als bei anderen gestochenen Nagetieren löst das Skorpiongift bei der in Nordamerika beheimateten Grashüpfermaus keine starken Schmerzen aus - im Gegenteil: Aufgrund einer speziellen Anpassung über Millionen von Jahren führt das Gift zu einer Blockade von Schmerzsignalen, was die Tiere zeitweise schmerzunempfindlich macht und ihnen erlaubt, die Beute zu attackieren.

Wie Rowe und Kollegen im Fachblatt "Science" schreiben, bindet das Gift am Rezeptor Nav1.8, statt Nav1.7 zu aktivieren, was bei Hausmäusen und anderen Tieren die starken Schmerzen auslöst. Dadurch werden bei der Grashüpfermaus kurzfristig alle Schmerzsignale blockiert. Die Forscher erhoffen sich durch die Entschlüsselung des Tricks Anregungen für die pharmakologische Entwicklung neuer Schmerzmittel. (tasch, DER STANDARD, 24.10.2013)

  • Stiche des Skorpions machen die attackierende Grashüpfermaus völlig schmerzfrei.
    foto: m. und a. rowe

    Stiche des Skorpions machen die attackierende Grashüpfermaus völlig schmerzfrei.

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