Smog-Schock in China führt zu Ablehnung von Autos

25. Oktober 2013, 13:25
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Der starke Smog in mehreren chinesischen Städten führt in China dazu, dass Medien gegen Autos Stimmung machen

Im verzweifelten Kampf chinesischer Städte gegen die extreme Luftverschmutzung geraten Pkws immer mehr in Verruf. Die Boulevardblätter zeigen dicke rote Stoppschilder für Autos und prangern die 5,37 Millionen Fahrzeuge, die in Peking zugelassen sind, als Hauptverursacher der hohen Schadstoffbelastungen an.

In Peking wurden diese Woche die bisher schärfsten Maßnamen in Kraft gesetzt, um dem Smog Einhalt zu gebieten. Übersteigt der Feinstaubgehalt der Luft mehr als 300 Mikrogramm pro Kubikmeter - das Zwölffache des WHO-Grenzwerts -, sollen die Umweltämter Warnstufe Rot ausgeben.

Werden drei Tage extrem belasteter Luft vorhergesagt, wie das die Stadt Harbin seit Montag durchlebt, muss die Stadtregierung Alarmstufe Rot verkünden. Dann tritt ein täglich wechselndes Fahrverbot für jedes zweite Auto in Kraft, orientiert an gerader oder ungerader Endziffer des Kennzeichens, 80 Prozent aller Dienstwagen müssen in den Garagen bleiben, Baustellen den Betrieb einstellen, ein Teil der Fabriken die Produktion herunterfahren.

Kindergärten und Schulen geschlossen

Die 22 Millionen Pekinger, für deren Kinder die Kindergärten und Schulen schließen, müssen mindestens zwölf Stunden vor dem Krisenfall gewarnt werden.

Der Notmaßnahmenkatalog komme zu spät und gehe nicht weit genug, kritisieren Medien in China. Fahrverbote reichten nicht mehr aus, forderte die "Beijing News" in einem Leitartikel. Die Behörden müssten "smogfrei" anordnen. Peking habe schon mehrfach extreme Smogwerte erlebt, Firmen hätten Mitarbeitern aber nicht freigegeben. "Sie müssen dazu gezwungen werden."

Auch andere Metropolen bereiten Maßnahmen vor. Überall geraten Autos an den Pranger, von denen China seit zwei Jahren mehr produziert und an seine Bürger verkauft als die USA. Neben vier Städten, die Neuzulassungen über Lossysteme oder Nummernschildauktionen reglementieren (darunter Peking), erwägen weitere acht die Einführung von Restriktionen. In Schanghai diskutiert die Politik über eine Stausteuer nach Londoner Vorbild.

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Aktuelle Untersuchungen für das dritte Quartal 2013, die das Umweltministerium in 74 Städten machen ließ, zeigten, dass die Luft in 70 Städten bedenklich belastet ist. Von den neben Peking und seiner Nachbarstadt Tianjin am schlimmsten verschmutzten zehn weiteren Städten liegen sieben allein in Nordchinas Provinz Hebei, im Einzugsgebiet von Peking.

Relativ gut schneiden die Südküsten- und Inselstädte wie Haikou auf Hainan oder Fuzhou in Fujian sowie die tibetische Hauptstadt Lhasa mit ihren Luftwerten ab. Doch auch dort sind mehr als 100.000 Fahrzeuge zugelassen. Laut Pekinger Weißbuch 2013 kommen im dünnbesiedelten Tibet, in das allerdings immer mehr Händler Zentralchinas einwandern, 27 Fahrzeuge auf 100 Familien, mehr als im Schnitt Chinas. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 25.10.2013)

  • Zwölfmal mehr Feinstaub als laut WHO höchstens zugelassen: In acht Städten Chinas herrscht Smog-Ausnahmezustand.
    foto: reuters/china daily

    Zwölfmal mehr Feinstaub als laut WHO höchstens zugelassen: In acht Städten Chinas herrscht Smog-Ausnahmezustand.

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