Das Jahr des Herrn Baselitz

25. Oktober 2013, 17:27
posten

Georg Baselitz feiert seinen 75. - und der Kunstmarkt sowie Museen mit ihm

Bei Baselitz, meldete das Handelsblatt Anfang Mai dieses Jahres, stünden nicht nur die Bilder, sondern auch dessen Villa am Ammersee Kopf. Steuerfahnder hätten dort nach Beweisen wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung gesucht. Der weltbekannte Künstler war über den Steuerdatenankauf (UBS) ins Visier der Behörden geraten. Nähere Details wurden seither nicht bekannt.

Immerhin entspricht dieses Skandälchen der Wahrheit, anders als der seit den 1960er-Jahren lancierte Mythos zur ersten Einzelausstellung in der Galerie Werner & Katz (Berlin). "Von den ausgestellten Bildern", hieß es jüngst auch im Ausstellungskatalog des Essl-Museums ("Werke von 1968 bis 2012", bis 20. 3.), "waren Die große Nacht im Eimer (1962/63) und Der nackte Mann (1962) von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt" worden. Der Prozess endete erst 1965. Nur: Diese Geschichte war, wie Werner 2011 bekannte, inszeniert worden, wie die FAZ jüngst in Erinnerung rief.

Eines dieser Skandalbilder war in der Sammlung Christian Graf Dürckheims gelandet, der sich via Sotheby's (London) im Juni 2011 von Teilen seiner auf deutsche Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre fokussierten Sammlung trennte: Die große Nacht, die ein onanierendes Kind mit überdimensionalem Penis zeigt, wechselte für umgerechnet 2,67 Millionen Euro den Besitzer. Am gleichen Abend hievte Acquavella Galleries (New York) mit 3,6 Millionen Euro Spekulatius (1964) an die Spitze der seit Mitte der 1980er verzeichneten Zuschläge.

Punkto Umsatz war 2011 jedenfalls das Jahr des Herrn Baselitz: Weltweit steuerte allein die Auktionsbranche damals 16,95 Millionen Euro bei. Anders als noch vor fünf Jahren stehen seine Arbeiten mit einem Marktanteil von fast 59 Prozent vor allem in Großbritannien (2007: 42 Prozent) hoch im Kurs, gefolgt von den USA mit knapp 33 Prozent. Österreich erwirtschaftet mit 0,46 Prozent nur eine Marginalie. Immerhin, 2009 schaffte es sein Pullover Oben mit 225.390 Euro in die Liste der Topergebnisse des Dorotheums. Und diese Preiskategorie entspricht jener, die Sammler - abseits von Kunstmessen und in Galerien - bei Auktionen für Werke aus der jüngeren Schaffensperiode (ab 2002) zu zahlen bereit sind.

Die Albertina, die mit 120 Gemälden, Aquarellen, Druckgrafiken und Zeichnungen auf einen wahrhaft stattlichen Bestand verweisen kann, widmet dem 75-Jährigen nach Soloausstellungen in den Jahren 2003 und 2007 nun (ab 8. 11. bis 23. 2. 2014) ihre Version eines Geburtstags-" Remix". (kron, DER STANDARD, 25./26./27.10.2013)

  • Artikelbild
    foto: quelle arnet & artprice
  • Georg Baselitz: "Spekulatius", aus dem Jahr 1964, führt seit 2011 mit einem Wert von 3,6 Mio. Euro das Ranking der Topzuschläge des Künstlers.
    foto: sotheby's

    Georg Baselitz: "Spekulatius", aus dem Jahr 1964, führt seit 2011 mit einem Wert von 3,6 Mio. Euro das Ranking der Topzuschläge des Künstlers.

Share if you care.