Elevate-Festival: Metallene Klangwolken

24. Oktober 2013, 18:02
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Das Grazer Festival für Musik, Kunst und politischen Diskurs eröffnete mit Ritornell

Graz - In seinem Statement zur Eröffnung des Elevate-Festivals am Mittwochabend in Graz berichtet der US-Computersicherheitsexperte Jacob Appelbaum, soeben sei bekannt geworden, dass Angela Merkels Mobiltelefon von den USA überwacht werde. Und fährt fort: Wer sagt, das überrasche ihn nicht, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es ihm dabei gutgehe. Eindringlich verdeutlicht der in Berlin lebende Aktivist den Zusammenhang von Privatheit, Freiheit und Menschenwürde.

Unter dem Motto "Open Everything?" untersucht das seit 2005 in Graz stattfindende "Festival für zeitgenössische Musik, Kunst und politischen Diskurs" dieses Jahr die Möglichkeiten der Demokratie im Zeitalter unbegrenzter Vernetzung und Überwachung. Bei der Eröffnungsshow im Dom im Berg gab es Musik bis in die Morgenstunden, davor eine ausführliche Vorschau auf die Themen des Diskursprogramms.

Zu Beginn las Ann Cotten aus einem Essay, in dem sie in ih- rer charakteristisch verdichteten Sprache das Zusammenspiel von Rhetorik und Macht hinterfragt. Cotten steht im Mittelpunkt von "Hörgerede", dem neuen Elevate-Literaturpart, der heuer die Grenzen zwischen Sprache und Musik umspielt.

Die Berliner Politologin und Netzaktivistin Anne Roth, die Vorsitzende der isländischen Piratenpartei Birgitta Jónsdóttir und die südafrikanische Medienwissenschafterin Marion Walton gaben Einblicke in ihre Workshops der nächsten Tage. Gewandt von der heiteren Seite widmete sich der britische Comedian und Programmierer Tom Scott dem ernsten Problem, indem er satirische Szenarien der digital beherrschten Welt präsentierte.

Nach der Eröffnungsshow startete mit einiger Verspätung das Music-&-Arts-Programm mit der Avantgarde-Elektronikformation Ritornell. Roman Gerold und Richard Eigner musizierten nicht zum ersten Mal mit der Sängerin Mimu. Seine Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Wort- und Musik-Künstlerin gerichtet, begann das Duo meditativ und auratisch, um dann musikalisch immer kompakter zu werden. Mal mit blankem Rhythmus, mal mit einem Rhythmusgerüst, in dem sich Klangwolken ballten.

Dazwischen funkelte es metallisch, knatterte das akustische Feuerwerk, ein zartes Echo auf Mimus eindrucksvolle Stimme. Die Bandbreite von Ritornell erzeugt viel Atmosphäre, die man auf sich wirken lassen konnte.

Ritornell schloss eindrucksvoll komplex, dies war insgesamt eine exzellente Einstimmung auf eine lange Nacht der elektronischen Musik, die auf dem Main-Floor mit Jon Hopkins dem Höhepunkt zustrebte. Auch im Tunnel des Doms im Berg wurde bis zum Morgen musiziert. (Beate Frakele, DER STANDARD, 25.10.2013)

  • Eindrucksvoll: die österreichische Sängerin Mimu.
    foto: standard/corn

    Eindrucksvoll: die österreichische Sängerin Mimu.

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