Frauen im Controlling schlechter bezahlt

25. Oktober 2013, 10:13
31 Postings

Firmenfinanzer haben ein ziemlich hartes Jobleben, geht aus einer Erhebung hervor: Gehalt stagniert bei steigendem Effizienzdruck

Wie es sich in den Finanzabteilungen heimischer Unternehmen arbeitet, was bezahlt wird und wie sich die Gagen entwickeln, hat aktuell Schulmeister Management Consulting mit dem Controller Institut via Integral Marktforschung erhoben. Effizienzdruck und steigende Anforderungen bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl kennzeichnen die Berufe in diesem Bereich, was eine Menge Überstunden der Bereichsmitarbeiter zur Folge hat: Vier von zehn arbeiten demnach mehr als 50 Stunden pro Woche.

Nach Jahren defensiver Gehalts- und restriktiver Einstellungspolitik sieht Matthias Schulmeister nun aber etwas Lockerung: "Die Belastbarkeitsgrenze ist in manchen Unternehmen sicherlich erreicht - wir rechnen daher mit steigender Zahl neuer Jobs in diesem Bereich."

Rita Niedermayr bringt die Einkommenslage auf den Punkt: "Controller und Rechnungswesen-Experten können auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit Arbeitsplatzsicherheit rechnen, ihr Einkommen stagniert aber oder ist von Reallohnverlust gekennzeichnet." Und: Frauen verdienen vor allem als kaufmännische Leiter und in der Leitung Rechnungswesen deutlich weniger als Männer. Gleiche Bezahlung sticht lediglich in der Leitung Controlling hervor (siehe Grafik).

Faktoren für Vergütung

Unternehmensgröße, Alter und Region wirken stark auf die Vergütung, zeigt sich am Beispiel der Position "Leiter Controlling". Das mittlere Bruttojahreseinkommen (inkl. 13. und 14. Gehalt sowie variablem Anteil) liegt österreichweit bei 90.000 Euro, was dem Niveau von 2010 entspricht. Deutliche Gehaltsunterschiede zeigen sich regional: Wiener Betriebe entlohnen diese Position mit durchschnittlich 100.000 Euro, Betriebe im übrigen Ostösterreich mit 80.000 und jene in Westösterreich mit 90.000. Weitere starke Einflussfaktoren auf die Höhe des Gehalts sind das Alter der Stelleninhaber und die Governance-Ebene: Leiter Controlling bis 40 Jahre verdienen durchschnittlich 80.000 Euro, ab 41 Jahren steigt das durchschnittliche Gehalt auf 99.000. Leiter Controlling, die auf Ebene Holding/Konzernspitze angesiedelt sind, werden im Mittel mit 96.000 Euro entlohnt, in Tochterunternehmen mit 86.000.

Zu den Gewinnern in der Gehaltsentwicklung gegenüber 2010 zählen Controller (ohne Leitungsfunktion) mit einer durchschnittlichen Steigerung des Jahreseinkommens von zehn Prozent auf 55.000 Euro, Accountants/Buchhalter (plus acht Prozent auf 40.000 Euro) sowie Leiter Rechnungswesen (plus sechs Prozent auf 85.000 Euro). Die besten Gehaltsaussichten bieten Betriebe ab 500 Mitarbeitern, Holdings bzw. Konzernspitzen sowie Unternehmen, die entweder in Wien oder den westlichen Bundesländern angesiedelt sind.

Die großen Verlierer gegenüber 2010 sind Geschäftsführer (-7 % auf 185.000 Euro). Leiter Controlling (90.000), kaufmännische Leiter (120.000) und Jungakademiker (35.000) verdienen im Mittel exakt gleich viel wie vor drei Jahren, haben also Reallohnverluste zu verbuchen. (kbau, DER STANDARD, 25./26./27.10.2013)

Detaillierte Studie zu erwerben unter: studie@controller-institut.at

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.