Gesundheitsförderliches Führen: Wie es geht

27. Oktober 2013, 12:09
5 Postings

"Gesund führen" ist nicht nur Thema für Image, Attraktivität und Produktivität von Firmen, sondern auch Jahresthema des Hernstein-Instituts

Eine "gesunde Organisation" ist laut US-Gesundheitsinstitut für das Berufsleben (NIOSH) eine solche, "deren Kultur, Klima und Prozesse Bedingungen schaffen, welche die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter ebenso fördern wie deren Effizienz". So weit, so gut. Dass Firmen, die betriebliches Gesundheitsmanagement einziehen, das aus den Erwägungen der Produktivität, der Attraktivität als Arbeitgeber und für das gute Image ihrer Produkte tun ist auch verständlich. Damit erhält das Thema auch gesellschaftliche Relevanz. Bleibt das Was und Wie.

Zunächst, so heißt es im aktuellen Positionspapier des Hernstein-Instituts, gehe es um Verankerung in der Unternehmensstrategie und um Committment des Topmanagements. Daraus ergibt sich ein Rahmen, innerhalb dessen jeweils geeignete Maßnahmen in der Verhältnis- und in der Verhaltensprävention abgeleitet werden. Kennzahlendefinition für die Wirkungs- und Erfolgsmessung schließt sich an.

"Zu den wirksamsten strukturellen Maßnahmen bei der Umsetzung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zählen Führungsgrundsätze, die konkrete Unterstützung der Führungskräfte im Anlassfall und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Mitarbeiter", sagt Hernstein-Chefin Eva-Maria Ayberk. Der Maßnahmenmix sei meist einer aus kurz- und langfristigen Angeboten, von der Möglichkeit kurzfristiger Auszeit über Wiedereingliederungsmanagement in der Genesungsphase bis zum Aufbau von Gesundheitszentren als Anlaufstelle.

Doppelrolle der Chefs

In ihrer Doppelrolle als Betroffene und Gestalter gelten Führungskräfte als zentrale Faktoren: einerseits als Vorbild; mit ihrem Führungsstil ist andererseits ihre Wirkung auf die Belegschaft unmittelbar und prägend. "Gesundheitsförderlich zu führen heißt, dass echte Wertschätzung gezeigt wird, konkret Unterstützung angeboten wird, Belastungen aufgespürt und reduziert werden, Ressourcen gestärkt werden", so die Hernsteiner weiter.

Dass die sogenannte Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit nach Krankheit oder persönlich schwierigen Lebenssituationen wesentlich am Umgang der unmittelbaren Vorgesetzten hängt, darf dabei als gegeben gelten.

Dass Führungskräfte aber im Zuge dessen auch angehalten sind, ihre eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen, was die Themen Erreichbarkeit, Definition von Leistung und Einsatz sowie das Zugeständnis an Entspannung und Abschalten betrifft, ist auch klar. Daraus ergibt sich wohl eine Menge an Schulungs-, Trainingsbedarf und Hilfestellung bei der Reflexion. Auch zum Thema des Wie des Ansprechens, wenn eine Burnout-Gefährdung wahrgenommen wird.

Und wo ist die Grenze der Verantwortung der Führungskräfte? "Sie können und sollen weder die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter einschränken noch medizinisch oder psychologisch tätig werden", so Ayberk. Keinesfalls gehe es um übertrieben bevormundende Fürsorge, die jegliche Eigenverantwortung erstickt. Plus: Geduld beim Implementieren langfristiger Prozesse schadet dem betrieblichen Gesundheitsmanagement sicher nicht. (Karin Bauer, DER STANDARD, 25./26./27.10.2013)

Donnerstag, 7. November 2013, 9-18.00 Uhr im Tagungszentrum Schloss Schönbrunn, Euro 350,-. Anmeldung erforderlich: www.hernstein.at

  • Hernstein-Chefin Eva-Maria Ayberk.
    foto: apa/petra spiola

    Hernstein-Chefin Eva-Maria Ayberk.

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.