Begley im Nebel

25. Oktober 2013, 17:04
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Gut, dass es ORF 3 gibt. Schöner ist nur noch selber lesen

Klar, dass Sigmund Freud die Psychoanalyse nur in Wien habe entwickeln können, sagte Louis Begley einmal und lächelte sein grashalmfeines Lächeln: "Es ist doch höchst pathologisch, dass Menschen eine zweistündige Anfahrt in Kauf nehmen, um bei schönstem Wetter zwei Tage in einer Halle zu sitzen und Lesungen zuzuhören."

"Literatur im Nebel" ist tatsächlich ein außergewöhnliches Lesefest in Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel, das vergangenes Wochenende zum achten Mal stattfand (übrigens, wie immer, ohne Nebel). Heuer also Begley, aus dessen Werk von prominenten Schauspielerinnen, Schauspielern und Schriftstellerkollegen vorgetragen wurde. Fantastisch etwa die Lesung aus der  Schmidt-Trilogie mit Nicholson-Lookalike August Schmölzer, Pauline Knof, Barbara Petritsch, Peter-Stephan Jungk, Franziska Hackl und Anna Weidenholzer. Berührend das finale Leseduett Louis Begleys und Sylvie Rohrers.

Lisa Peer, Studentin der Wiener Filmakademie, dokumentierte Begleys Waldviertler Tage, begleitete ihn in eine Schule, wo Begley über seine Jugend Auskunft gab und Andreas Patton aus Lügen in Zeiten des Krieges las: filmte, als ihm zu Ehren im Literaturwäldchen eine Eberesche und für seine Frau Anka Muhlstein eine Zeder gepflanzt wurde.

Gut, dass es ORF 3 gibt. Schöner ist nur noch selber lesen, Begley zum Beispiel. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 25./26./27.10.2013)

TV-Hinweis
"Literatur im Nebel": Sonntag, 27 Oktober, 9 Uhr, ORF 3

  • Louis Begley bei "Literatur im Nebel" im Waldviertel.
    foto: aoa/erhard hois

    Louis Begley bei "Literatur im Nebel" im Waldviertel.

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