Zweitwohnsitze in der Alpenregion florieren

24. Oktober 2013, 10:09
17 Postings

Das Interesse vermögender Privatpersonen an Urlaubsdomizilen in den Alpen ist wieder stark im Steigen. Das treibt auch die Preise in den meisten Regionen in die Höhe

Nach einer vierjährigen Periode von Preiskorrekturen bzw. bestenfalls stabilen Preisen haben Käufer von Zweitwohnsitzen die Alpenregion wieder fest im Blickfeld. So konstatieren das Immobiliendienstleistungs-Unternehmen Savills und der auf Alpen-Chalets spezialisierte Immobilienmakler Alpine Homes für das 1. Halbjahr 2013 eine Verdoppelung des Transaktionsvolumens gegenüber dem Vorjahr in Österreich sowie einen Anstieg um 57 % in den Schweizer Alpen.

Alle 27 analysierten Ferienorte in Österreich, der Schweiz und Frankreich verzeichnen entweder stabile oder steigende Preise. In 55 % der Orte stiegen die Preise in den vergangenen 12 Monaten um mehr als 5 %. Dies steht im Gegensatz zu 2012, als die Preise in 28 % der analysierten Ferienorte noch um mehr als 5 % zurückgingen. Gründe hierfür dürften ein wiedergewonnenes Vertrauen in die Märkte, kapitalstarke Investoren, niedrige Zinsen und ein Trend hin zu traditionellen, gesättigten Märkten sein, heißt es in der Analyse.

Briten kaufen am meisten, Russen zahlen am meisten

Generell nimmt die Zahl der Käufer von Immobilien im alpenländischen Raum aus dem Ausland zu: Nahezu ein Viertel dieser Käufer sind laut Savills britische Bürger, die außerhalb Großbritanniens leben, beispielsweise in Hong Kong, Singapur, Genf oder Dubai. Auch russische Käufer sind im Topsegment des Marktes besonders aktiv und geben für ihren Zweitwohnsitz durchschnittlich das 1,5-fache dessen aus, was ein britischer Käufer zahlt.

Jeremy Rollason, Managing Director von Alpine Homes, merkt an: "Wir beobachten eine zunehmende Investitionstätigkeit im Spitzensegment der alpenländischen Märkte über 10 Millionen Euro." Sognenannte High Net Worth-Käufer (HNWI), also eigenkapitalstarke Privatpersonen, hätten in den vergangenen drei Wintersaisons ihre Chalets weitgehend nur angemietet, jetzt seien sie aber wieder als Käufer aktiv. "Ihnen wird eine große Auswahl möglicher Standorte und Produkte geboten, so dass sie ihre Märkte einer gründlichen Prüfung unterziehen, bevor sie investieren", sagt Rollason.

Preise für Ferienwohnsitze steigen

In Österreich sehen sich britische Käufer zunehmender Konkurrenz seitens einheimischer sowie anderer europäischer Investoren ausgesetzt. Besonders Interessenten aus den Niederlanden, Deutschland und Belgien sind hier stark vertreten. Die Durchschnittspreise hierzulande liegen 10 % über Vorjahresniveau. Dies steht im Einklang mit dem Anstieg der Wohnimmobilienpreise, der laut Savills im Verlauf des Vorjahres 12,4 % betrug. "Österreich bietet Käufern nach wie vor ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, höhere Renditen und generell besseres Wertsteigerungspotenzial", meint Rollason.

Österreich habe zudem einen der am schnellsten wachsenden Tourismusmärkte. So sei die Zahl internationaler Gäste im vergangenen Jahr um 5 % gestiegen, während der Anstieg im restlichen Europa nur bei 3 % lag. Die Lockerung von Beschränkungen für Nicht-EU-Bürger in Bezug auf den Erwerb von Immobilien in 2012 dürfte zusätzlichen Wettbewerb beim Kauf von Zweitwohnsitzen generieren und zu steigenden Preisen führen, erwartet Rollason.

Rückläufige Marktzahlen in Frankreich

Weniger positiv zeigte sich der Markt in Frankreich: In der Zeit von März 2012 bis März 2013 ging die Zahl der Wohnimmobilienverkäufe in Frankreich um 19 % zurück. Zur schlechten Verkäufer- und Käuferstimmung trugen nicht zuletzt Etatkürzungen, negative Wachstumsprognosen, herabgesetzte Bonitätsbewertungen, hohe Arbeitslosigkeit, höhere Vermögenssteuern, die vorgesehene Rentenreform sowie die Pläne zur Anhebung der Körperschaftssteuer bei. Dies beeinträchtigte auch die Märkte für Zweitwohnsitze.

In der Region Savoyen (Courchevel, Méribel, Val d’Isère, La Plagne und Megève) sank der Anteil ausländischer Käufer in 2012 auf 13 % (gegenüber 20 % in 2007). Gleichzeitig reduzierte sich der Anteil britischer Käufer von zwei Drittel auf ein Drittel. Dies reflektiere die Schwäche des Pfund Sterling in dieser Zeit, die zum Nachfragemangel beitrage, so Savills. Mit niedrigeren Preisen, Wachstumsaussichten und nach wie vor niedrigen Zinsen seien nun jedoch die Rahmenbedingungen für eine Nachfragebelebung geschaffen.

Hohes Transaktionsvolumen in der Schweiz

In der Schweiz lag das Transaktionsvolumen für Zweitwohnsitze in den Alpen im Juni 2013 57 % über dem Niveau des Vorjahres. Trotz des anhaltend starken Schweizer Franken sind es die steuerlichen Rahmenbedingungen und die Stabilität des Finanzmarktes, unterstrichen durch Lifestyle- und Exklusivitätsfaktoren, die Käufer motivieren. Das neue Gesetz (Lex Weber), das den Neubau von Zweitwohnsitzen auf maximal 20 % des Gesamtbestands begrenzt, beginnt, das Angebot von Neubauobjekten zu limitieren.

"In zwei Jahren wird es nicht mehr möglich sein, einfach in das Büro eines Immobilienmaklers in Verbier zu spazieren und ein in der Planung befindliches Objekt zu kaufen", prophezeit Jeremy Rollason. "Das sind gute Nachrichten für Eigentümer bestehender Zweitwohnsitze, jedoch weniger gute für die breitere Funktionalität des Marktes." Rollason geht allerdings davon aus, dass die Schweizer Bundesregierung bestimmte Kategorien von Touristenwohnsitzen von dieser Regelung befreien wird. (biti, derStandard.at, 24.10.2013)

  • Die Transaktionsvolumina von Immobilien in der Alpenregion steigen wieder an. Anstatt wie früher ein Feriendomizil einfach anzumieten, entscheiden sich vermögende Privatpersonen nun vielfach für den Ankauf von Zweitwohnsitzen.

    Die Transaktionsvolumina von Immobilien in der Alpenregion steigen wieder an. Anstatt wie früher ein Feriendomizil einfach anzumieten, entscheiden sich vermögende Privatpersonen nun vielfach für den Ankauf von Zweitwohnsitzen.

Share if you care.