Niederösterreich testet Ausweis-App

23. Oktober 2013, 18:49
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Aus einer Jugendkarte, mit der 14- bis 24-jährige Niederösterreicher Ermäßigungen erhalten, wird eine Handy-App, die auch als Ausweis dient

St. Pölten - Es soll ja Lebensphasen geben, in denen man gerne älter wäre, und manch einen Heranwachsenden soll diese Sehnsucht schon das eine oder andere Mal dazu getrieben haben, eine Jahreszahl in seinem Ausweis etwas zurechtzumalen. Nach der Idealvorstellung von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ist mit derlei aber bald Schluss. Dank einer App, mit der sich Jugendliche, die über ein Smartphone verfügen, in Niederösterreich ab sofort ausweisen können.

"Die Zeit des Radierens ist vorbei", sagte die Innenministerin daher am Mittwoch bei der Präsentation der App für 14- bis 24-Jährige, von denen angeblich 80 Prozent ein Smartphone besitzen. Noch ist das Projekt in einer sechsmonatigen Testphase. Trotzdem werde die App ab sofort von der Polizei in Niederösterreich zum Identitätsnachweis akzeptiert.

Ausweiskontrolle erleichtert

Weitere Bundesländer sollen nach der Testphase folgen: Salzburg, Oberösterreich, Kärnten und Vorarlberg waren laut niederösterreichischem Jugendlandesrat Karl Wilfing (ÖVP) an der Entwicklung der App mitbeteiligt. Begleitet wird das Projekt vom Landespolizeikommando Niederösterreich. Landespolizeikommandant-Stellvertreter Franz Popp sagte, dass die App die Ausweiskontrolle erleichtern werde. Bei der App lässt sich etwa das Ausweisfoto vergrößern, und es ist durch das Leuchten des Bildschirms besser sichtbar.

Die App ist die Nachfolgerin der "1424 Jugendkarte", die es in Niederösterreich seit 2003 in Plastikform gab (und weiter geben wird) und die rund 60.000 Jugendliche besitzen. Nun kann man sich zwischen der Plastikversion plus Print-Magazin (mit Eventkalender, Gutscheinen und Gewinnspielen) und der App, die genauso die Zusatzfunktionen des Magazins erfüllt, entscheiden. Oder beides nehmen.

Keine Doubletten

"Das ist einmalig in Österreich, vielleicht sogar Europa", sagte Wilfing. Zum Antragsformular der Karte müssen Jugendliche eine Kopie von Reisepass, Staatsbürgerschaftsnachweis, Meldezettel oder Personalausweis beilegen. Die App selbst lässt sich von derselben Identität zwar mehrmals downloaden, sollte sich aber bei einem Download auf ein zweites Handy am alten Gerät von selbst löschen.

Mikl-Leitner sagte, Reisepass und Personalausweis in dieser Form seien zwar noch Zukunftsmusik, aber im Kommen. Derzeit arbeite man da noch an Sicherheitsfragen. Die Jugend-App sei aber fälschungs- und hackersicher, betonte sie.

Österreich ist laut Wilfing bei E-Government-Anwendungen EU-weit ein Vorreiter. Bei elektronisch der Polizei gemeldeten Anzeigen zum Beispiel, für die eine elektronische Signatur (in Form der elektronischen Bürgerkarte) nötig ist, wird aber nur langsam eine Zunahme verzeichnet. Nach Auskunft des Innenministeriums sind seit Mitte 2012 in Wien 83 Anzeigen per E-Mail eingegangen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 24.10.2013)

  • Die App zum Altersnachweis, die allerdings - anders als der herkömmliche Reisepass und Personalausweis - auch mit Werbepartnern der Jugendkarte versehen ist, wird in Niederösterreich getestet.
    foto: nlk

    Die App zum Altersnachweis, die allerdings - anders als der herkömmliche Reisepass und Personalausweis - auch mit Werbepartnern der Jugendkarte versehen ist, wird in Niederösterreich getestet.

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