Im Box-Ring gegen Morbus Parkinson

Ansichtssache24. Oktober 2013, 13:56
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In den USA soll eine unkonventionelle "Physiotherapie" Parkinson-Patienten helfen - Körperliches Training im Box-Ring

In Österreich leiden etwa 20.000 Menschen an Morbus Parkinson. Weltweit ist von mehr als vier Millionen Betroffenen die Rede. Ähnlich wie bei Morbus Alzheimer gehen Experten davon aus, dass sich die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 verdoppeln bis verdreifachen wird.

Der englische Chirurg James Parkinson hat die nach ihm benannte Krankheit 1817 erstmals beschrieben. Die langsam fortschreitende "Schüttellähmung" betrifft als neurologische Erkrankung vor allem die sogenannten Basalganglien - jene Gehirnbereiche, die für die Kontrolle menschlicher Bewegungsabläufe zuständig sind.

Konkret kommt es bei Morbus Parkinson zum Funktionsverlust jener Gehirnzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Da Dopamin die Körperbewegungen beeinflusst, ist der Krankheitsverlauf durch mehrere Symptome gekennzeichnet: Steifheitsgefühl durch den erhöhten Muskeltonus, Trippelgang (kleine, schlurfende Schritte, Anm.Red.), ruckartiger Bewegungsablauf, zitternde Hände und Unterarme, allgemeine Verlangsamung, Verlust der Mimik, Schwierigkeiten bei simultanen Abläufen und Sprachprobleme.

Boxen als Therapie

Zumeist wird die unheilbare neurologische Erkrankung im Alter um die 63 Jahre diagnostiziert, doch etwa 15 Prozent der Betroffenen sind bei der Diagnose unter 50 Jahre alt.

Neben der medikamentösen Behandlung, die den Krankheitsverlauf mindern und verlangsamen kann, wird vor allem auf Physio-, Ergo- und Entspannungstherapie sowie Logopädie gesetzt. Besonders vom physischen Training sollen Betroffene in zweifacher Hinsicht profitieren. So haben Forschungen der "Parkinson's Disease Foundation" gezeigt, dass sich durch körperliche Aktivitäten der Dopaminspiegel kurzfristig steigern lässt. Zusätzlich kann durch Kräftigungs- und Gleichgewichtsübungen das Sturzrisiko deutlich verringert werden - schließlich zählen besonders bei Parkinsonpatienten Stürze zu den häufigsten Gründen für schwere Verletzungen.

Eine etwas unkonventionelle "Physiotherapie" bietet nun ein Boxklub in Californien an, in dem Parkinsonpatienten unter fachmännischer Anleitung im Schattenboxen, Springschnurhüpfen, Gehen und Boxen trainiert werden. Es wirkt fast wie eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet jene Sportart, die den ebenfalls an Parkinson erkrankten Muhammad Ali berühmt gemacht hat, nun gegen die neurologische Erkrankung helfen soll. (gueb, derStandard.at, 24.10.2013)

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